| Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info | |
|
Homepage Literatur Schiller, Friedrich Biografien Hoffmeister - Schillers Leben Vorwort Inhalt 1. Teil 1 Kapitel 2. Kapitel 3. Kapitel 4. Kapitel 5. Kapitel 6. Kapitel 7. Kapitel 8. Kapitel 9. Kapitel Unschlüssigkeit in Stoffwahl 2. Entscheidung für Don Carlos Finanzielle Bedrängnis Ankündigung der rhein. Thalia Bewerbung um L. v. Wolzogen Margaretha Schwan Frau von Kalb Paket von Leipzig Weimarscher Rat Stellung zum Theater Aufbruch nach Leipzig 10. Kapitel 2. Teil 3. Teil |
Bewerbung um Lotte von WolzogenSolange jene weiche, zärtliche Don Carlos-Stimmung in Schiller fortdauerte, wurde der Briefwechsel mit der Freundin in Bauerbach, deren Tochter er immer noch leibte, fortgesetzt. Vielleicht ein Gefühl, welches auch aus seiner neuen, kräftigen Erhebung hervorging, die Überzeugung, dass diese Sache doch auf die eine oder andere Weise zur Entscheidung kommen müsste, ließ ihn am 7. Juni an Frau von Wolzogen einen Brief schreiben, worin er sich sogar – um Lottes Hand bewarb. „Sie werden lachen, liebste Freundin“, schreibt er, „wenn ich Ihnen gestehe, dass ich mich schon eine Zeitlang mit dem Gedanken trage, zu heiraten. Nicht, als wenn ich hier schon gewählt hätte; im Geringsten nicht; ich bin in diesem Punkt noch so frei, wie vorhin – aber eine öftere Überlegung, dass nichts in der Welt meinem Herzen die glückliche Ruhe und meinem Geist die zu Kopfarbeiten so nötige Freiheit und stille, leidenschaftslose Muße verschaffen könne, hat diesen Gedanken in mir hervorgebracht. Mein Herz sehnt sich nach Mitteilung und inniger Teilnahme. Die stillen Freuden des häuslichen Lebens würden, müssten mir Heiterkeit in meinen Geschäften geben und meine Seele von tausend wilden Affekten reinigen, die mich ewig herumzerren. Auch mein überzeugendes Bewusstsein, dass ich gewiss eine Frau glücklich machen würde, wenn anders innige Liebe und Anteil glücklich machen kann – dieses Bewusstsein hat mich schon oft zu dem Entschluss hingerissen. Fände ich ein Mädchen, das meinem Herzen teuer genug wäre! Oder könnte ich Sie beim Wort nehmen und Ihr Sohn werden! Reich würde freilich Ihre Lotte nie – aber gewiss glücklich!“ Schiller ließ den Brief liegen und fügte acht Tage später hinzu: „Der Brief ist unterbrochen worden. Ich überlese ihn jetzt und erschrecke über meine törichte Hoffnung – doch, meine Beste, so viele närrische Einfälle, als Sie schon von mir hören müssten, werden auch diesen entschuldigen.“ Der Zusatz ersparte dem Bewerber eine ausdrückliche abschlägige Antwort, es ward keine Notiz von dem Antrag genommen. Fünf Monate früher hatte sich Schiller über das Heiraten noch ganz anders ausgesprochen. In einem Brief vom 19. Januar an Zumsteeg hieß es: „Wie könnte wohl ein so sanftes Geschöpft, wie das Weib ist, den Gang durchs leben – das meinige ist ohnedies jetzt schon dem ersten Teil des verkettesten und buntesten Romans ähnlich – hazardieren mit einem ungestümen, sonderbaren Kopf, wie der meinige ist?“, und an einer anderen Stelle: „Bedenke selbst, wie mich eine Heirat von der Bahn zu meinem Glück ablenken würde. Zwar habe ich über ein großes Glück meine gewissen Kaprizen – doch auch bei der größten Gleichgültigkeit gegen Ruhm und glänzende Schicksale wäre eine Verheiratung mein Fall nicht, denn mein ungestümer Kopf und warmes Blut würden jetzt noch keine Frau glücklich machen.“ |
|
© 1999 - 2004 Copyright by Jürgen Kühnle |
|