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Homepage Literatur Schiller, Friedrich Biografien Hoffmeister - Schillers Leben Vorwort Inhalt 1. Teil 1 Kapitel 2. Kapitel 3. Kapitel 4. Kapitel 5. Kapitel 6. Kapitel 7. Kapitel 8. Kapitel 9. Kapitel Unschlüssigkeit in Stoffwahl 2. Entscheidung für Don Carlos Finanzielle Bedrängnis Ankündigung der rhein. Thalia Bewerbung um L. v. Wolzogen Margaretha Schwan Frau von Kalb Paket von Leipzig Weimarscher Rat Stellung zum Theater Aufbruch nach Leipzig 10. Kapitel 2. Teil 3. Teil |
Zweite Entscheidung für Don CarlosEndlich, im Juni 1784, neigte er sich zu Don Carlos. Halb schon entschlossen, wandte er sich an Dalberg mit der Bitte um „einen ernsthaften Rat“, welches Sujet er wählen solle. „Carlos“, schrieb er ihm, „würde nichts weniger, als ein politisches Stück – sondern eigentlich ein Familiengemälde in einem fürstlichen Haus sein; und die Situation eines Vaters, der mit seinem Sohn so unglücklich eifert, die schrecklichere Situation eines Sohnes, der bei allen Ansprüchen auf das größte Königreich der Welt ohne Hoffnung liebt und endlich aufgeopfert ist, müsste, denke ich, interessant ausfallen.“ Dalberg, der zuerst auf dieses Sujet aufmerksam gemacht hatte, sprach sich auch jetzt günstig für dasselbe aus. So entschied sich denn Schiller zum zweiten Mal für Don Carlos. Er arbeitete nun mit aller Kraft an seinem Werk und suchte sich zugleich mit der Geschichte noch gründlicher bekannt zu machen. In Stunden, wo es mit der Produktion nicht gehen wollte, las er Schauspiele von Racine, Corneille, Voltaire. Er hoffte dadurch seinen Geschmack regeln und seine Einbildungskraft zähmen zu lernen, nahm indes zugleich die dereinstige Verpflanzung einiger dieser Stücke auf den Boden der deutschen Bühne in Aussicht. Bei solcher Tätigkeit und dem glücklichen Fortgang seines Werkes erfüllte bald eine neue Begeisterung und ein erhebendes Selbstgefühl die Brust unseres Dichters. „Carlos“, schreib er am 24. August an Dalberg, „ist ein herrliches Sujet, vorzüglich für mich. Vier große Charaktere, beinahe von gleichem Umfang, Carlos, Philipp, die Königin und Alba, öffnen mir ein unendliches Feld. Ich kann mir es nicht verbergen, dass ich so eigensinnig, vielleicht so eitel war, um in einer entgegen gesetzten Sphäre zu glänzen, meine Phantasie in die Schranken des bürgerlichen Kothurns einzäunen zu wollen, da die hohe Tragödie ein so fruchtbares Feld und für ich, möcht’ ich sagen, da ist, da ich in diesem Fach größer und glänzender erscheinen und mehr Dank und Erstaunen wirken kann, als in irgendeinem andern, da ich hier vielleicht nicht erreicht, in anderen übertroffen werden könnte.“ Schon in diesen Worten, und nicht minder in dem übrigen Brief, erscheint uns Schiller wie ein umgewandelter, erneuter Mensch. Und in der Tat, mit der Mitte des Jahres 1784, wo er aufs neue seine Künstlerhand an Don Carlos legte, beginnt für ihn eine neue, reinere Lebenserhebung. Mit dieser Tragödie hatte er sich auf einen neuen Boden gestellt, indem er den bisherigen negativen Kreis seiner dramatischen Dichtungen mit der positiven Sphäre derselben – die Abneigung mit der Zuneigung vertauschte. Hatte er sich bisher unbefriedigt, unsicher, sehnsüchtig, weichherzig gezeigt, so machte jetzt dieses krankhafte Wesen, ohne dass sich seine äußere Lage gebessert hätte, einer wahrhaft heroischen Stimmung Platz. Jenen ersteren Gemütszustand hat er im Don Carlos, diesen letzteren, nachdem er eine Zeitlang in ihm fortgewirkt hatte, im Marquis Posa dargestellt. In dem oben angeführten Brief erscheint diese Figur noch keineswegs unter den Hauptpersonen des Dramas. Aber bald hob sich, der jetzt vorherrschenden Empfindung des Dichters entsprechend, diese Gestalt, wider die ursprüngliche Anlage des Stücks, allmählich zur bedeutendsten Person empor. So ist also der Marquis Posa nicht minder subjektiven Ursprungs, als Don Carlos. Von den beiden sittlichen Lebensprinzipien Schillers repräsentiert Don Carlos das Prinzip der schönen Menschlichkeit, Posa das des heroischen Selbstgefühls, das Prinzip der Freiheit. Streicher, der sich noch immer in Mannheim aufhielt, erzählt uns, Schillers Freude über den guten Erfolg habe seine Lust an der Arbeit, am Leben erhöht; mit Ungeduld habe der Dichter der Abendstunde entgegengesehen, wo er dem Freund den poetischen Ertrag des Tages vorzulesen pflegte, und köstlich seien diese Stunden für Schiller gewesen, in welchen er den tiefen unverfälschten Eindruck habe wahrnehmen können, den sein Werk auf das Gemüt des begeisterten Zuhörers machte. Denn Streicher, der schon früher keinen höheren Genuss kannte, als Schillers prachtvolle, hinreißende und doch so glatt daher fließende Prosa zu lesen, sei jetzt ganz entzückt gewesen, wenn er die herrlichen Jamben nach den Gesetzen der Tonkunst habe vortragen hören. Er habe ihn beschworen, bei ähnlichen Gegenständen sich nie mehr zur Prosa herabzulassen. |
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