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Homepage Literatur Schiller, Friedrich Biografien Hoffmeister - Schillers Leben Vorwort Inhalt 1. Teil 1 Kapitel 2. Kapitel 3. Kapitel 4. Kapitel 5. Kapitel 6. Kapitel 7. Kapitel Charak. Fiesco, Kabale/Liebe Ankunft in Bauerbach Stimmung, Briefe Frau von Wolzogen Liebe, Eifersucht Reinwald Entscheidung für Don Carlos Gelegenheitsgedichte Dalbergs Bemühungen Rückreise nach Mannheim 8. Kapitel 9. Kapitel 10. Kapitel 2. Teil 3. Teil |
Entscheidung für Don CarlosUnterdessen war die „Luise Millerin“ im Monat Februar 1783 vollendet worden. Er schwankte nun zwischen den tragischen Stoffen Imhof und Maria Stuart, zu welchem noch Conradin von Schwaben trat1), bis er sich endlich gegen Ende des März für Don Carlos (oder Dom Carlos, wie Schiller noch in der ersten Leipziger Ausgabe 1787 drucken ließ) entschied, auf welches Sujet er noch in Mannheim zuerst von Dalberg aufmerksam gemacht worden war. Reinwald verschaffte ihm die bekannte historische Novelle Saint Reals, die er zugrunde legte. In einem Brief vom 27. März 1783 an den Meininger Freund, welcher ihm, nach Schwabs richtiger Bemerkung, als Bibliothekar und poetischer Gewissensrat jetzt seinen Petersen vertrat, rühmt er an diesem Stoff besonders, dass er Gelegenheit zu starken Zeichnungen und rührenden Situationen gebe. Er fährt dann fort: „Der Charakter eines feurigen, großen und empfindenden Jüngling, der zugleich der Erbe einiger Kronen ist – einer Königin, die durch den Zwang ihrer Empfindung bei allen Vorteilen ihres Schicksals verunglückt – eines eifersüchtigen Vaters und Gemahls – eines grausamen, heuchlerischen Inquisitors und barbarischen Herzogs Alba usw. sollten mir, dächte ich, nicht ganz misslingen.“ Man sieht, von – dem Marquis Posa ist noch gar nicht die Rede. Zu ihrer nächsten Zusammenkunft versprach er, schon eine fertige Szene mitzubringen. Das Beste seiner frischen Herzensbewegungen wandte er diesem neuen Gebilde zu. „In diesem herrlichen Hauch des Morgens denk’ ich an Sie, Freund, und meinen Carlos“, schreibt er am 14. April 1782 in der Gartenhütte. „Miene Seele fängt die Natur in einem entwölkten, blankern Spiegel auf, und ich glaube, meine Gedanken sind wahr. Prüfen Sie solche. Ich stelle mir vor – jede Dichtung ist nichts anderes, als eine enthusiastische Freundschaft oder platonische Liebe zu einem Geschöpf unseres Kopfes. Wir schaffen uns einen Charakter, wenn wir unsere Empfindungen und unsere historische Kenntnis von fremden in andere Mischungen bringen, bei den Guten das Plus oder Licht, bei den Bösen das Minus oder den Schatten vorwalten lassen. Alle Geburten unserer Phantasie sind also zuletzt nur wir selbst. Das, was wir für einen Freund, und was wir für einen Helden unserer Dichtung empfinden, ist eben das. In beiden Fällen führen wir uns durch neue Lagen und Bahnen, wir brechen uns auf anderen Flächen, wir sehen uns unter anderen Farben, wir leiden für uns unter anderen Leibern. Können wir den Zustand eines Freundes feurig fühlen, so werden wir uns auch für unsere poetischen Helden erwärmen. Das ist unstreitig wahr, dass wir die Freunde unserer Helden sein müssen, wenn wir in ihnen zittern, aufwallen, verzweifeln sollen; dass wir sie als Menschen außer uns denken müssen, die uns ihre geheimsten Gefühle vertrauen, und ihre Leiden und Freuden in unseren Busen ausschütten. Der Dichter muss weniger der Maler seines Helden – er muss mehr dessen Mädchen, dessen Busenfreund sein.“ Zuletzt macht er die Anwendung auf seinen Carlos: „Ich muss Ihnen gestehen, dass ich ihn gewissermaßen statt meines Mädchens habe. Ich trage ihn auf meinem Busen – ich schwärme mit ihm durch die Gegend, um – um Bauerbach herum. Carlos hat, wenn ich mich des Maßes bedienen darf, von Shakespeares Hamlet die Seele – Blut und Nerven von Leisewitz’ Julius – und den Puls von mir.“ Die Liebe, welche der arme Flüchtling der angebeteten Lotte nicht gestehen durfte, trug er seinem Carlos zu; nur von dem Geschöpf seines Genius empfing er seine Liebe zurück. Zugleich ist diese Epistel, aus welcher wir nur Bruchstellen mitgeteilt haben, die unzweifelhaft glänzendste Darstellung von Schillers poetischem Stil der ersten Periode: Alle dramatischen Hauptfiguren dieser Zeit sind lyrisch, subjektiv aus ihm selbst genommen. Übrigens hat sich noch ein merkwürdiger frühester Plan zum Don Carlos erhalten, ein wahres Knochengerippe, aus welchem man sieht, dass der glühend begeisterte Dichter zugleich mit der kältesten Überlegung zu Werke ging2). Das war der Weg, wie er seine Charaktere objektiv, dramatisch machte. 1)
Zwischen Fiesco und Conradin hat Schiller nie (wie Gervinus B. 5, S. 148 sagt)
eine Wahl getroffen.
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