Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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         Biografien
            Hoffmeister - Schillers Leben

            Vorwort
            Inhalt

            1. Teil
               1 Kapitel
               2. Kapitel
               3. Kapitel
               4. Kapitel
               5. Kapitel
               6. Kapitel
               7. Kapitel
                  Charak. Fiesco, Kabale/Liebe
                  Ankunft in Bauerbach
                  Stimmung, Briefe
                  Frau von Wolzogen
                  Liebe, Eifersucht
                  Reinwald
                  Entscheidung für Don Carlos
                  Gelegenheitsgedichte
                  Dalbergs Bemühungen
                  Rückreise nach Mannheim
               8. Kapitel
               9. Kapitel
               10. Kapitel
            2. Teil
            3. Teil

Liebe, Eifersucht

   Schon Ende Januar 1783 war seine Freundin mit ihrer Tochter nach Stuttgart zurückgekehrt, und er schrieb in der Einsamkeit des traurigen Winters häufige Briefe voll des innigsten Gefühls an sie1). Kaum vermutet er sie in Stuttgart, so schickt er ihr schon ein Schreiben zu, und dankt Gott, dass von den vierzehn Wochen ihrer Abwesenheit eine überstanden sei. Es ist die Sprache nicht der Dankbarkeit und Freundschaft, sondern der Leidenschaft eines unglücklichen Herzens. Die Neigung zu ihrer aufblühenden Tochter Charlotte führt ihm die Feder. Auf die lang ersehnte Ankunft der beiden Frauen im Mai 1783 lässt er das Haus auf das Beste in Stand setzen, und die Bewohner des Dorfs Festlichkeiten bereiten, „dergleichen in dem barbarischen Bauerbach noch nicht stattgefunden hatten.“

   Die Eifersucht schürte noch vor ihrer Rückkehr die glimmende Liebe. Er hatte erfahren, dass ein Adeliger von Stuttgart, der ihn kannte, Absichten auf Lotte habe, und deswegen nach Meiningen komme. Er fühlt sich durch diese Nachricht höchst unangenehm berührt und sieht sich schon zum voraus durch den begünstigten, glücklichen Nebenbuhler in Schatten gestellt. Das ist ihm ein unerträglicher Gedanke. Er sucht alle Gründe auf, warum er nach Berlin gehen müsse, wenn sich jener Herr nicht davon abbringen lasse, nach Meiningen zu kommen. „Das wird zwar einen Riss in meinem ganzen Schicksal zurücklassen“, sagt er, „aber die Beruhigung meiner Ehre geht vor, und mein Stolz hat meiner Tugend schon so viele Dienste getan, dass ich ihm auch eine Tugend preisgeben muss.“ Der Bewerber kommt nicht nach Meiningen und Schiller bleibt in seiner Freistätte, aber seine Neigung trat jetzt stärker, ja leidenschaftlich hervor. Er schrieb an Wilhelm von Wolzogen in Stuttgart: „Glauben Sie meiner Versicherung, bester Freund, ich beneide sie um diese liebenswürdige Schwester. Noch ganz, wie aus den Händen des Schöpfers, unschuldig, die schönste, reifste, empfindsamste Seele, und noch kein hauch des allgemeinen Verderbens am lautern Spiegel ihres Gemüts – und so kenne ich Ihre Lotte, und wehe demjenigen, welcher ein Wolke über diese schuldlose Seele zieht. Rechnen Sie auf meine Sorgfalt für ihre Bildung, die ich nur darum beinahe fürchte zu unternehmen, weil der Schritt von Achtung und feurigem Anteil zu anderen Empfindungen so schnell getan ist.“ Das Fräulein wurde von ihrer Mutter, welche in ziemlich beschränkten Glücksumständen lebte, in ein Institut in Meiningen gebracht, wo sie die Herzogin von Gotha auf ihre Kosten erziehen ließ. Es gefiel ihr aber in der Anstalt nicht. Das war ihm entsetzlich. In einem Brief vom 28. Mai 1783 von Bauerbach an Frau von Wolzogen heißt es: „Alle guten Geister heute über Sie. Mein Herz ist zwischen Ihnen und unserer Lotte, und begleitet Sie ins Zimmer der Herzogin. Heute, Freundin, wünsche ich Ihnen die Stimme eines Donners, die Festigkeit eines Felsens und die Verschlagenheit der Schlange im Paradies. Sagen Sie die ganze Pension ab, so will ich alle Jahre eine Tragödie mehr schreiben und auf den Titel sagen: Trauerspiel für Lotte.“

   Eher hätte er sagen sollen: Ich will gar kein Trauerspiel mehr schreiben, wenn mich Lotte erhört. So sehr war er von seinem hohen Ziel im süßen Taumel der Leidenschaft und des einsiedlerischen Müßigganges augenblicklich abgeirrt. Er sagt dies auch im nächsten Brief kräftig genug: „Es war eine Zeit, wo mich die Hoffnung eines unsterblichen Ruhmes so gut als ein Gallakleid ein Frauenzimmer, gekitzelt hat. Jetzt gilt mir alles gleich, und ich schenke Ihnen meine dichterischen Lorbeeren für den nächsten Boeuf à la mode, und trete Ihnen meine tragische Muse zu einer Stallmagd ab. Wie klein ist doch die höchste Größe eines Dichters gegen den Gedanken, glücklich zu leben. Mit meinen vormaligen Plänen ist es aus. Dass ich bei Ihnen bleibe und womöglich begraben werde, versteht sich. Nur das ist die Frage, wie ich bei Ihnen auf die Dauer meine Glückseligkeit gründen kann.“

   Man sieht, seinem Benehmen fehlte es durchaus na Feinheit und Delikatesse. Er zeigte mehr Haltung in Oggersheim in schlimmen, als hier in besseren Tagen und musste überhaupt für die Freiheit, in welche er sich versetzt hatte, erst allmählich reif werden.

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1) Die Briefe Schillers an Frau von Wolzogen und an Reinwald stehen in: Schillers Leben von Frau von Wolzogen, Th. 1, S. 71 ff. ­

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