Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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      Schiller, Friedrich
         Biografien
            Hoffmeister - Schillers Leben

            Vorwort
            Inhalt

            1. Teil
               1 Kapitel
               2. Kapitel
               3. Kapitel
               4. Kapitel
               5. Kapitel
               6. Kapitel
                  Ankunft in Mannheim
                  Bittschrift an den Herzog
                  Vorlesung des Fiesco
                  Fußreise nach Frankfurt
                  Grundzüge Kabale und Liebe
                  Abschlägige Antwort Dalbergs
                  Rückreise nach Oggersheim
                  Aufenthalt in Oggersheim
                  Furcht vor Verhaftung
                  Fiesco abgewiesen
                  Druck des Fiesco
                  Aufbruch nach Bauerbach
               7. Kapitel
               8. Kapitel
               9. Kapitel
               10. Kapitel
            2. Teil
            3. Teil
 

Aufbruch nach Bauerbach

   Die Abreise ward auf den letzten November 1782 festgesetzt. Vorher wünschte er noch seine Eltern zu sehen. In einem Brief vom 19. November 1782 bescheid er seine Mutter, seien Schwester Christophine, die Frau von Wolzogen und die Hauptmann Vischer, am 22. zu Bretten im Posthaus zu sein. Er begab sich zu Pferd nach diesem Grenzstädtchen; ob er aber die Seinigen hier vorfand, ist zweifelhaft, da seine Mutter krank war1). Damit Schiller, als er im Begriff war, nach Bauerbach zu reisen, sich nicht im Posthaus zu Mannheim zu zeigen brauchte, kamen Streicher, Meier und einige andere Freunde nach Oggersheim herüber. Sie fanden ihn, als sie in seine Stube traten, gerade beschäftigt, seine wenigen Habseligkeiten in einen großen Mantelsack zu packen. Bei einer Flasche Wein, die er reichen ließ, wurde alles besprochen, was ihn über seine Zukunft beruhigen konnte. Dann begleiteten ihn die Freunde bei starker Kälte und tief liegendem Schnee nach Worms, wo sie zufällig das Vergnügen hatten, die Aufführung der Ariadne von Naros durch eine wandernde Truppe belachen und verspotten zu können. Schiller allein sah mit ernstem, sinnendem Blicke vor sich hin, mehr auf das innere Spiel seines Genius, als auf das Äußere der Bühne achtend, und konnte auch nachher durch Meiers Späße und Witze lange nicht aus dieser Stimmung gebracht werden.

   Die Begleiter schickten sich nach dem Abendessen an, zurückzufahren. Streichers Seele war von Schmerz übermannt, dass er nun den Freund allein in Unglück zurücklassen musste. Durch keine Worte vermochte er sich zu erleichtern, durch keine Umarmung wollte er sich noch weicher machen; ein langer Händedruck sagte allein, was die Scheidenden empfanden. Wie beklagte er es, dass Schiller bei der außerordentlichen Kälte und dem Schneckengang der Posten nicht einmal mit erwärmender Kleidung versehen war, sondern nur einen leichten Überrock um hatte. Auf dem Heimwege sprachen die Freunde gegen Streicher ihren harten Tadel über Schillers leichtsinnige und unbegreifliche Flucht aus, und konnten es nicht begreifen, wie er das reichliche Einkommend es Arztes gegen die ärmliche Lage des Dichters habe vertauschen mögen. Der einzige Iffland, der selbst aus dem Vaterhaus zu der Eckhofschen Gesellschaft in Gotha entflohen war, warf sich zu seinem Verteidiger auf und zog die kleinliche Klugheit und Bequemlichkeitsliebe seiner Ankläger ins Lächerliche.

Ü   Þ


1) Schillers Einladung nach Bretten zu kommen, steht in Boas Nachträgen Bd. 2, S. 448. Streicher, S. 177, setzt die Reise Schillers nach Bretten in die Zeit unmittelbar nach der ersten Aufführung von Kabale und Liebe (also in den März 1784). Nach den dem Herausgeber vorliegenden Familienbriefen aber kann sie überhaupt während seines zweiten Aufenthalts in Mannheim nicht stattgefunden haben. ­

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