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Homepage Literatur Schiller, Friedrich Biografien Hoffmeister - Schillers Leben Vorwort Inhalt 1. Teil 1 Kapitel 2. Kapitel 3. Kapitel 4. Kapitel 5. Kapitel 6. Kapitel Ankunft in Mannheim Bittschrift an den Herzog Vorlesung des Fiesco Fußreise nach Frankfurt Grundzüge Kabale und Liebe Abschlägige Antwort Dalbergs Rückreise nach Oggersheim Aufenthalt in Oggersheim Furcht vor Verhaftung Fiesco abgewiesen Druck des Fiesco Aufbruch nach Bauerbach 7. Kapitel 8. Kapitel 9. Kapitel 10. Kapitel 2. Teil 3. Teil |
Grundzüge von Kabale und LiebeNachdem dieser Brief geschrieben und mit einer Beilage an Meier adressiert war, kehrte seine frühere Heiterkeit zum Teil zurück. Wie sich seine Seele überhaupt aufs Sprechendste in dem Körper malte, war der Ausdruck seines Gesichts sogleich verändert, und seine Gedanken wandten sich wieder ungehemmter auf fremde Gegenstände. Auf dem Gang durch Frankfurt nach der Post zerstreute ihn, was er hier zum ersten mal sah, das kaufmännische Gewühl und die ineinander greifende Tätigkeit so vieler Menschen. Auf dem Heimweg blickte er lange von der Mainbrücke stumm auf den gelblichen Storm unter dem abgehenden und ankommenden, der ein- und ausladenden Schiffe. Die unerschöpfliche Einbildungskraft und das reiche Gemüt des Jünglings, für welche es kaum etwas Leeres oder Beziehungsloses gab, waren schnell wieder im regsten Spiel, und er teilte seinem aufhorchenden Begleiter einen neuen dramatischen Plan mit, welchen er im Arrest in Stuttgart zuerst erfasst hatte, und aus Verhältnissen des dortigen Hofes schöpfte und bildete. Es war die Idee des bürgerlichen Trauerspiels von der Luise Millerin, oder, wie das Stück später genannt wurde, von Kabale und Liebe, welche ihn schon auf dem Weg nach Frankfurt häufig von den äußeren Gegenständen abgezogen und ihn ganz beschäftigt hatte. Er fühlte sich gedrungen, den polemischen Geist, den er bisher in höheren Sphären dramatisch ausgebildet hatte, auch in das enge, damals den deutschen allein verständliche Hausleben hinein zu verfolgen. Ehe er aus dem Kreis dieser revolutionären Gattung trat, musste er ihn ganz durchmessen haben. In den nächsten vierzehn Tagen war schon ein bedeutender Teil des neuen Dramas auf dem Papier. Die Nachmittage, besonders aber die Abende brachte er abwechselnd mit Auf- und Abgehen, und mit Niederschreiben einiger Zeilen zu. In solchen Stunden, wo der poetische Geist über ihn kam, war er ganz in sich selbst zurückgezogen, und die Außenwelt gar nicht vorhanden; aber an seinem Schweigen, an einzelnen pythischen Lauten, an seinen ausdrucksvollen Mienen, an seinem lebhaften Gebärdenspiel, an seinem aufwärts gerichteten Blick konnte man wahrnehmen, dass etwas Bedeutendes und Großes sich in ihm gestalte. Alles an ihm war in solchen Augenblicken Seele, Geist, Inneres. Sein Gefährte hütete sich dann, ihn im Geringsten zu beunruhigen, und hielt sich mit einer Art heiliger Scheu so still, als möglich. Ein solcher anspruchsloser, sich ganz hingebender Freund, der gebildet genug war, um des Dichters Ideen liebend zu folgen, und nicht selbstständig genug, um ihn zu stören, war in diesen Tagen des Leidens das beste Geschenk des Himmels. Ein Zufall diente dazu, seinen Mut zu beleben. Sie traten bei ihren Wanderungen durch die Stadt in einen Buchladen und Schiller fragte den Buchhändler, dem er sich als Doktor Ritter vorgestellt hatte, ob das berüchtigte Schauspiel, die Räuber, guten Absatz fände und was das Publikum darüber urteile? Die Antwort fiel so überaus günstig und schmeichelhaft aus, dass der überraschte Autor dem Buchhändler nicht verschweigen konnte, dass er selbst der Verfasser sei. Aus den erstaunten, den Dichter messenden Blicken des Mannes ließ sich abnehmen, wie unglaublich es ihm vorkam, dass der so sanft und freundlich aussehende Jüngling so etwas geschrieben haben könne. Indessen verbarg er seinen Zweifel und wiederholte weitläufiger die eben gegebenen Nachrichten. |
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