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Homepage Literatur Schiller, Friedrich Biografien Hoffmeister - Schillers Leben Vorwort Inhalt 1. Teil 1 Kapitel 2. Kapitel 3. Kapitel 4. Kapitel 5. Kapitel 6. Kapitel Ankunft in Mannheim Bittschrift an den Herzog Vorlesung des Fiesco Fußreise nach Frankfurt Grundzüge Kabale und Liebe Abschlägige Antwort Dalbergs Rückreise nach Oggersheim Aufenthalt in Oggersheim Furcht vor Verhaftung Fiesco abgewiesen Druck des Fiesco Aufbruch nach Bauerbach 7. Kapitel 8. Kapitel 9. Kapitel 10. Kapitel 2. Teil 3. Teil |
Fußreise nach FrankfurtUnterdessen waren Freundesbriefe von Stuttgart angelangt, welche den rat enthielten, sich auf einige Wochen von Mannheim zu entfernen, weil vielleicht doch Schillers Auslieferung von der pfälzischen Regierung verlangt werden könnte. Es wurde daher, da auch Dalberg, von dem er alleine eine günstige Wendung seines Schicksals hoffen konnte, immer noch nicht zurückgekehrt war, eine Fußreise über Darmstadt nach Frankfurt beschlossen. Streicher schrieb an seine Mutter, ihm dreißig Gulden nach Frankfurt zu schicken – seinen Vater, welcher nur vierhundert Taler jährliches Einkommen hatte, konnte Schiller nicht um Unterstützung ansprechen. Nur mit dem unentbehrlichsten Reisegeld versehen, gingen die Freunde nach dem Mittagessen über die Neckarbrücke nach Sandhofen, übernachteten in einem Dorf und setzten den andern Tag auf der Bergstraße ihren Weg bis nach Darmstadt fort, wo sie nach einem stärkenden Nachtessen aus erquickendem Schlaf um Mitternacht durch das fürchterliche Trommeln der Reveille auf eine unangenehme Weise geweckt wurden. Ungeachtet sich Schiller am Morgen nicht ganz wohl fühlte, bestand er doch darauf, den sechs Stunden langen Weg nach Frankfurt heute noch zurückzulegen. Langsam traten sie an einem heiteren Morgen den Weg an, rasteten aber der Müdigkeit wegen mehrere Male. Die Mattigkeit Schiller schien ihn endlich kaum nach Frankfurt kommen zu lassen. Er ging immer langsamer, mit jeder Minute vermehrte sich die Blässe seines Gesichts, und als sie an ein Wäldchen gelangten, in welchem seitwärts eine Stelle ausgehauen war, erklärte er, nicht mehr weiter zu können; er wolle versuchen, ob er sich durch einige Stunden Ruhe so weit erhole, um noch heute die Stadt zu erreichen. Er legte sich unter ein schattiges Gebüsch ins Gras nieder und Streicher setzte sich auf den abgehauenen Stamm eines Baumes, ängstlich und bang auf den unglücklichen Freund hinschauend. Hier lag der edelste Dichter, welcher bald der Ruhm seines Volkes werden sollte, arm, hilflos, entkräftet, ohne Heimat und Aussicht. Der Schlummer erbarmte sich seiner. Aber auch in seinen abgehärmten, düsteren Zügen, erzählt der Freund weiter, welcher sein Ungemach freiwillig mit ihm teilte, ließ sich noch der stolze Mut wahrnehmen, mit dem er gegen ein hartes, unverdientes Schicksal zu kämpfen suchte, und die wechselnde Gesichtsfarbe verriet, was ihn, auch seiner unbewusst, beschäftigte. Das Ruheplätzchen lag für den Schlafenden günstig, indem nur links ein Fußsteig vorbeiführte, der aber in zwei Stunden von niemanden betreten wurde, bis Schiller endlich durch einen vorbeigehenden Offizier in blassblauer Uniform mit gelben Aufschlägen, welcher Streicher für einen der in Frankfurt liegenden Werber heilt, aus dem Schlaf geweckt wurde. Er war so weit gestärkt, dass er zwar langsam, aber ohne Beschwerde fortgehen konnte, bis sie mit der Dämmerung in das altertümliche Frankfurt eintraten. Sie nahmen aus Sparsamkeit in Sachsenhausen Logis, und setzten mit dem Wirt sogleich den täglichen Betrag für Zimmer und Kost zum Voraus fest. Unsern Freund quälte nicht allein die gegenwärtige Not, sondern fast noch mehr der Gedanke an eine Schuld in Stuttgart, für die sich ein Bekannter verbürgt hatte, der nun in Gefahr stand, verhaftet zu werden, weil er nicht bezahlen konnte. Auf Dalberg, diesen Beschützer der Künste und Wissenschaften, dem Meier das Manuskript des Fiesco zu überreichen beauftragt war, war seine Hoffnung gestellt: Er könne und werden den Vorschuss leisten. Mit gepresstem Herzen, und nicht mit trockenen Augen, schrieb er an Dalberg einen Brief, der sich noch erhalten hat. „Sobald ich Ihnen sage, ich bin auf der Flucht, sobald habe ich Ihnen mein ganzes Schicksal geschildert. Aber noch kommt das Schlimmste hinzu.“ Er schildert seine ökonomische Bedrängnis. „Meine Hoffnung war auf Mannheim gesetzt; dort hoffte ich, von E.E. unterstützt, durch mein Schauspiel mich nicht nur schuldenfrei, sondern auch überhaupt in bessere Umstände zu setzen. Dies ward durch meinen notwendigen plötzlichen Aufbruch hintertrieben. Ich ging leer hinweg, leer in Börse und Hoffnung. Es könnte mich schamrot machen, dass ich Ihnen solche Geständnisse tun muss, aber ich weiß, es erniedrigt mich nicht. Traurig genug, dass ich auch an mir die gehässige Wahrheit bestätigt sehen muss, die jedem freien Schwaben Wachstum und Vollendung abspricht. Wenn meine bisherige Handlungsart, wenn alles das, woraus E.E. meinen Charakter erkenne, Ihnen ein Zutrauen gegen meine Ehrliebe einflößen kann, so erlauben Sie mir, Sie freimütig um Unterstützung zu bitten.“ Er sagt, er habe ungefähr noch zweihundert Gulden nach Stuttgart zu bezahlen. „Ich darf es Ihnen gestehen, dass mir das mehr Sorgen macht, als wie ich mich selbst durch die Welt schleppen soll. Ich habe so lange keine Ruhe, bis ich mich von der Seite gereinigt weiß.“ Dann sei seine Kasse in acht Tagen erschöpft und es ihm gänzlich unmöglich, mit dem Geist zu arbeiten. Er bittet daher zu jener Summe um fernere hundert Gulden, wodurch ihm gänzlich geholfen wäre. In drei Wochen verspreche er seinen Fiesco nicht nur theaterfertig, sondern auch würdig zu liefern und werde dann, wenn Dalberg ihm den Gewinn der ersten Vorstellung bei aufgehobenem Abonnement, oder ein Honorar zukommen lasse, diese Schuld leicht abtragen können. |
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