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Homepage Literatur Schiller, Friedrich Biografien Hoffmeister - Schillers Leben Vorwort Inhalt 1. Teil 1 Kapitel 2. Kapitel 3. Kapitel 4. Kapitel 5. Kapitel 6. Kapitel Ankunft in Mannheim Bittschrift an den Herzog Vorlesung des Fiesco Fußreise nach Frankfurt Grundzüge Kabale und Liebe Abschlägige Antwort Dalbergs Rückreise nach Oggersheim Aufenthalt in Oggersheim Furcht vor Verhaftung Fiesco abgewiesen Druck des Fiesco Aufbruch nach Bauerbach 7. Kapitel 8. Kapitel 9. Kapitel 10. Kapitel 2. Teil 3. Teil |
Vorlesung des FiescoIn dem letzteren fand eine Vorlesung des Fiesco statt. Iffland, Beil, Beck und andere Schauspieler hatten sich eines Nachmittags eingefunden und saßen um einen großen runden Tisch, als der Dichter nach einer kurzen Erzählung der Geschichte begann. Streicher genoss schon im Voraus die Lobsprüche, die sein Freund von diesen Kennern davontragen würde, und hatte nicht auf ihn, sondern auf sie seine Augen gerichtet, um die mächtigen Eindrücke, welche die Dichtung machen würde, zu beobachten. Allein sie hörten zwar mit Aufmerksamkeit zu, aber ohne einen Ausdruck der Empfindung, ohne ein Zeichen des Beifalls. Als der erste Akt vorgelesen war, entfernte sich Beil, und die Übrigen unterhielten sich über Stadtneuigkeiten. Auch der zweite Akt wurde zwar still, aber ohne eine beifällige Äußerung angehört. Jetzt wurden Erfrischungen herumgegeben, ein Schauspieler schlug ein Bolzenschießen vor, und nach einer Viertelstunde hatten sich die eingeladenen Personen entfernt, nur Iffland blieb noch bis gegen Abend. Streicher war in der peinlichsten Verwunderung wegen dieser Gleichgültigkeit. Sein Erstaunen wuchs, als ihn Meier im Nebenzimmer auf sein Gewissen fragte: Ob Schiller wirklich der Verfasser der Räuber sei? Auf die wiederholte Versicherung, dass dem wirklich so sei, schloss der Schauspieler mit den Worten: „Wenn Schiller wirklich die Räuber wie den Fiesco, geschrieben hat, so hat er alle seine Kraft an dem ersten Stück erschöpft, und kann nun nichts mehr, als lauter erbärmliches, schwülstiges und unsinniges Zeug hervorbringen.“ Diese Worte eines wohlwollenden Kenners machten auf den Jüngling einen betäubenden Eindruck. Schiller selbst war im höchsten Grad verstimmt, und machte sich, in ihrem Zimmer angelangt, endlich dadurch Luft, dass er über den Neid, die Kabale, den Unverstand dieser Menschen klagte. Wenn seine Tragödie nicht angenommen werde, sagte er endlich in allem Ernst, so wollte er Schauspieler werden – da doch eigentlich niemand so gut deklamieren könne, als er. Der Freund suchte ihn, so gut er konnte, zu beruhigen, und ging am andern Morgen in aller Frühe allein zu Meier, welcher das Manuskript des Fiesco, um es ganz durchzulesen, zurückbehalten hatte. Dieser empfing ihn freudig mit den Worten: „Sie haben Recht! Fiesco ist ein Meisterstück und für die Bühne besser gearbeitet, als die Räuber. Aber wissen Sie, was Schuld ist, dass wir es alle für das elendste Machwerk hielten? Schillers schwäbische Aussprache und die verwünschte Art, wie er deklamiert. Er sagt alles in dem nämlichen, hochtrabenden Ton her, ob es heißt: Er macht die Türe zu, oder ob es eine Hauptstelle seines Helden ist. Aber jetzt muss das Stück in den Ausschuss kommen, da wollen wir es uns vorlesen, und alles in Bewegung setzen, dass es bald auf das Theater kommt.“ Ohne ein Wort zu erwidern, flog der treue Freund sogleich nach der Wohnung zurück, und weckte Schiller mit der frohen Nachricht aus dem Morgenschlummer, dass sein Schauspiel bald auf den Brettern erscheinen werde. Wie Meier von seiner Virtuosität im Deklamieren geurteilt hatte, verschwieg er ihm schonend. |
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