Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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      Schiller, Friedrich
         Biografien
            Hoffmeister - Schillers Leben

            Vorwort
            Inhalt

            1. Teil
               1 Kapitel
               2. Kapitel
               3. Kapitel
               4. Kapitel
               5. Kapitel
               6. Kapitel
                  Ankunft in Mannheim
                  Bittschrift an den Herzog
                  Vorlesung des Fiesco
                  Fußreise nach Frankfurt
                  Grundzüge Kabale und Liebe
                  Abschlägige Antwort Dalbergs
                  Rückreise nach Oggersheim
                  Aufenthalt in Oggersheim
                  Furcht vor Verhaftung
                  Fiesco abgewiesen
                  Druck des Fiesco
                  Aufbruch nach Bauerbach
               7. Kapitel
               8. Kapitel
               9. Kapitel
               10. Kapitel
            2. Teil
            3. Teil
 

Bittschrift an den Herzog

   Der Theaterregisseur Meier, bei welchem die Freunde abstiegen, staunte, als er vernahm, dass der junge Mann, welchen er sich in Gesellschaft seiner Frau bei den Festlichkeiten in Stuttgart gedacht, als Flüchtling vor ihm stehe. Meier mietete den Fremden in der Nachbarschaft eine Wohnung, lud sie zum Mittagessen ein und bewog Schiller, noch heute eine Vorstellung an den Herzog abzusenden, worin er um seine Verzeihung nachsuchte. Hier weichen die Nachrichten voneinander ab. Petersen sagt, es seien seinem Schritt Bedenklichkeiten, wo nicht Reue gefolgt, und so habe er sich in einem etwas derben Schreiben an den Herzog gewandt und ihm die Bedingungen kundgetan, unter welchen er wieder in herzogliche dienste treten wolle. Merkwürdiger Weise sei unter diesen Bedingungen auch diese gewesen, dass er den Feldschererrock nicht mehr tragen müsse. Streicher dagegen erzählt, es habe von vorn herein in Schillers Plan gelegen, den Herzog von Mannheim aus zu bitten, sein hartes Verbot zurückzunehmen, in welchem Fall er wieder nach Württemberg zurückkehren wolle – und Meier habe ihn jetzt in diesem seinem Vorsatz, sich mit dem Herzog zu versöhnen, nur bestärkt. Schiller, als ehemals begünstigter Zögling der Militärschule, habe in dem herzog, wegen des beinahe tagtäglichen Umgangs mit ihm, mehr den Erzieher, den väterlichen Freund und Wohltäter, mehr den bloßen Menschen gesehen, als den Landesherrn, und so erkläre sich denn das Unterfangen des unerfahrenen Mannes, gleichsam auf neutralem Boden mit ihm zu unterhandeln. Zum Glück bin ich im Besitz eines noch ungedruckten Schreibens Schiller von 6. November 1782 an seinen Freund, den nachherigen württembergischen General-Armeearzt von Jacobi, welches uns über beide einseitige Ansichten auf den richtigen Standpunkt versetzt. „Jene Briefe (an den Herzog und den General Augé) hatten den sehr wichtigen Zweck, meine Familie zu sichern, und meinen gewaltsamen Schritt in das möglichst-rechtmäßige Feld hinüber zu spielen. Dieses Ziel scheine ich wirklich erreicht zu haben, und hiermit bleibt auch die ganze Maschinerie auf sich beruhen. Wenn ich die Einwilligung des Herzogs in meine Forderungen ohne alle Zweideutigkeit erhalten hätte, so hätte ich natürlich nicht nur zurückgehen müssen, sondern auch mit Ehre und Vorteil können, und mein ganzer Plan hätte ein neues Ansehen gewonnen.“

   Glücklicherweise haben sich noch die Konzepte zweier Zuschriften an den Herzog erhalten1). Der erste Brief ist noch in Stuttgart am 1. September 1782 geschrieben, aber höchstwahrscheinlich dem herzog nicht übersandt worden, der zweite, unvollständig erhaltene, ist jene Vorstellung, von welcher Streicher sagt, Schiller habe sie nach Tisch im Haus Meiers in Mannheim auf dessen drängen in einem Nebenzimmer aufgesetzt. An der Einleitung sagt er, die Verzweiflung habe ihn gezwungen, diesen schrecklichen Weg einzuschlagen, um das Herz seines gnädigsten Herrn zu rühren, da dieser es ihm bei Androhung des Arrests verweigert habe, gegen sein strengstes Verbot, „literarische Schriften“ herauszugeben und noch weniger sich mit Ausländern einzulassen, eine schriftliche Gegenvorstellung zu machen seine Umstände aber eine Milderung dieses Verbots höchst notwendig machen. „Meine bisherigen Schriften“, fährt dann der Bitsteller ganz im Sinn und beinahe in den Worten jener ersten Zuschrift fort, „haben mich in den Stand gesetzt, den Jahrgehalt, welchen mir Eure Durchlaucht gnädigst zu erteilen geruhten, jährlich mit ungefähr fünfhundert Gulden zu verstärken, welche ansehnliche Zulage für meine Gelehrtenbedürfnisse höchst notwendig war. Zu gleicher Zeit glaubte ich, es meinen Talenten und der Welt, die sie schätzte, schuldig zu sein, eine Laufbahn fortzusetzen, auf welcher ich kein gewöhnliches Glück zu machen, und meinem Durchlauchtigsten Erzieher, er ersten Quelle meiner Bildung, Ehre zu erwerben, die gewisse Aussicht hatte. Da ich bisher nach dem Urteil anderer mich als den ersten und einzigen Zögling Eurer Herzoglichen Durchlaucht kannte, der die Augen der großen Welt auf sich gezogen hatte, so fürchtete ich mich umso weniger, meine Gaben in Ausübung zu bringen, und setzte alle Kräfte darauf, dasjenige Werk zu sein, das den Meister lobt. Dass ich meine Laufbahn verlassen soll, welche mir außerdem, dass sie mein Einkommen um ein Großes vermehrt, den Weg der Ehre öffnet, fiel mir allzu hart, als dass ich nicht das Letzte gewagt haben sollte, das Herz meines Durchlauchtigsten Fürsten und Vaters zu rühren. Ich musste befürchten, in Strafe zu fallen, wenn ich das Verbot übertreten und Eurer Herzogl. Durchl. Schreiben würde, darum bin ich hierher geflüchtet, fest überzeugt, dass nur das Bild meines Unglücks dazu gehört, das Herz Eurer Herzogl. Durchlaucht zur Gnade zu lenken. Ich weiß, dass ich in der großen Welt nichts gewinnen kann, dass ich mich in mein Unglück stürzte, ich habe keine Aussichten mehr, wenn Eure Herzogl. Durchlaucht die höchste Gnade nicht haben sollten, mich zurückkommen zu lassen, und mir zu vergeben.“

   Das Ende des Briefes fehlt, welcher beweist, dass selbst Schillers Flucht nur das letzte Mittel sein sollte, ein Verbot von sich abzuwehren, welches ihn selbst vernichtet hätte und so erscheint diese Flucht als die reinste Tat des Genius, auf die mildeste Weise vollbracht. Diese Bittschrift wurde in einen Brief an den General Augé, Schillers Regimentschef, eingelegt, welcher ersucht wurde, sie zu übergeben, und – zu unterstützen. Nach zwei erwartungsvollen Tagen langte die Antwort des Generals an; er habe den Auftrag erhalten, ihn wissen zu lassen: Da Seine Herzogliche Durchlaucht bei Anwesenheit der hohen Verwandten jetzt sehr gnädig gesinnt wären, so möge er nur zurückkommen. So beschied ihn auch ein späterer Brief Augés auf Schillers neue Anfrage. Seien Bitte an den Herzog war nicht einmal erwähnt, geschweige erhört. Er konnte nicht unter das frühere, unerträgliche Joch wieder zurückkehren, er hätte sich auch lächerlich gemacht. Unterdessen war auch Frau Meier von Stuttgart wieder zu Hause eingetroffen, welche die Nachricht mitbrachte, dass man allgemein vermute, der Herzog werde seine Auslieferung verlangen. Schiller entgegnete, da er nicht eigentlich Militär gewesen sei, so könne seine Entfernung nicht als ein eigenmächtiges Verlassen der Fahne betrachtet werden. Doch wurde für gut befunden, dass der Flüchtling sich nirgends zeigte, sondern sich auf seine Wohnung und das Meiersche Haus beschränkte.

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1) Nachträge zu Schiller, von Boas, B. 2, S. 445 ff. ­

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