Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
Homepage
   Literatur
      Schiller, Friedrich
         Biografien
            Hoffmeister - Schillers Leben

            Vorwort
            Inhalt

            1. Teil
               1 Kapitel
               2. Kapitel
               3. Kapitel
               4. Kapitel
               5. Kapitel
                  Reise nach Mannheim
                  Aufführung der Räuber
                  Beginn des Fiesco
                  Würt.Repertorium
                  Hartes Verbot des Herzogs
                  Zweite Reise nach Mannheim
                  Anschlag auf Dalberg
                  Arrest
                  Bedrängnis
                  Flucht
               6. Kapitel
               7. Kapitel
               8. Kapitel
               9. Kapitel
               10. Kapitel
            2. Teil
            3. Teil
 

Bedrängnis

   Dieser Arrest fällt spätestens vom Anfang bis in die Mitte Juli 1782. Am 15. Juli dieses Jahres benachrichtigte Schiller seinen Patron in Mannheim von der erlittenen Strafe und bat ihn inständig, wenn er etwas für ihn tun wolle, seine Schritte zu beschleunigen, indem er zuerst den Gedanken andeutete, sich durch die Flucht zu retten. „Warum ich möglichste Beschleunigung der Hilfe jetzt doppelt wünsche“, spricht er, „hat eine Ursache, die ich keinem Brief anvertrauen darf. Diese einzige kann ich Ihnen für ganz gewiss sagen, dass in etlichen Monaten, wenn ich nicht das Glück habe, zu Ihnen zu kommen, keine Aussicht mehr da ist, dass ich jemals bei Ihnen leben kann. Ich werde alsdann gezwungen sein, einen Schritt zu tun, der mir unmöglich machen würde, zu Mannheim zu bleiben.“ Die Festungsstrafe besonders, sei es nun, dass sie ihm der Herzog bei seiner ersten, oder, was leicht möglich ist, erst jetzt bei seiner zweiten Unterredung androhte, schwebte wie ein Schreckbild vor seinen Augen. Sein Freund Zumsteeg (wenn die Nachricht gegründet ist)1) bestärkte ihn in seinen Befürchtungen, indem er, welcher als Tonkünstler in den ersten Familien der Stadt eingeführt war, ihn von der Gefahr unterrichtete, welche ihm drohe. „Ich muss eilen“, schrieb Schiller damals2), „dass ich von hier wegkomme, man möchte mir am Ende gar in Hohenasperg, wie dem ehrlichen Schubart, ein Logis anweisen. Man redet von besserer Ausbildung, der ich bedürfen soll. Es kann sein, dass man mich in Hohenasperg anders bilden würde; allein man lasse mich bei meiner jetzigen Ausbildung, die ich gern in geringerem, aber mir wohlgefälligerem Grad besitzen will – denn so verdanke ich sie doch meinem freien Willen und der Zwang verachtenden Freiheit.“

   Zu dem peinlichen Gedränge, in welchem sich Schiller befand, kamen auch das Verhältnis zur „Laura“, und seine bedeutenden Schulden. Letztere hatten sich, nach Streicher, durch den Selbstverlag der Anthologie bis zweihundert Gulden vermehrt – nach Petersens glaubwürdigerem Zeugnisse betrug ihre Summe sogar sechshundert Gulden. Es kam dazu, dass sein Vater nach dem Grundgesetze der Militärakademie für seinen Sohn einen Revers hatte ausstellen müssen, dass er sich gänzlich den Diensten des Württembergischen Hauses widmen, und ohne erhaltene gnädigste Erlaubnis nicht aus denselben treten werde; auch fühlte sich Schiller durch langjährige Wohltaten und vielfaches Wohlwollen dem Herzog zu Dank verpflichtet, welcher leicht seinen Zorn auf seine Eltern fallen lassen konnte.

Ü   Þ


1) Bei Schwab S. 103. ­
2) Woher aber Döring S. 54 diesen Bericht hat, weiß ich nicht.
­

© 1999 - 2004 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de