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Homepage Literatur Schiller, Friedrich Biografien Hoffmeister - Schillers Leben Vorwort Inhalt 1. Teil 1 Kapitel 2. Kapitel 3. Kapitel 4. Kapitel 5. Kapitel Reise nach Mannheim Aufführung der Räuber Beginn des Fiesco Würt.Repertorium Hartes Verbot des Herzogs Zweite Reise nach Mannheim Anschlag auf Dalberg Arrest Bedrängnis Flucht 6. Kapitel 7. Kapitel 8. Kapitel 9. Kapitel 10. Kapitel 2. Teil 3. Teil |
Württembergisches RepertoriumZugleich stiftete sich Schiller für seine Kunstansichten ein eigenes Organ. Da Haugs schwäbisches Magazin damals zu erscheinen aufhörte, so vereinigte er sich mit Abel und Petersen zur Herausgabe der neuen Vierteljahrsschrift: Württembergisches Repertorium für Literatur, von welcher aber nur drei Stücke erschienen. In ihr steht die schon häufig angeführt, durch Reife und Strenge des Urteils sich auszeichnende Selbstrezension der Räuber nach der gedruckten Mannheimer Theaterausgabe1). Dagegen scheinen zwei andere Aufsätze und eine Erzählung im Repertorium minder bedeutend, ungeachtet Körner dieselben mit einigen Auslassungen in Schillers Werke aufnahm. In der Abhandlung: Über das gegenwärtige deutsche Theater2), wird nachgewiesen, welche Nachteile dieser Anstalt durch ein gemeines Publikum, schlechte Dichter und handwerksmäßige Schauspieler erwachsen. Die Darstellung: Spaziergang unter den Linden3), in welcher der schwermütige Wollmar und der lebensfrohe Edwin einander als Freunde gegenüber gestellt sind, ist ein Nachklang der Melancholie an Laura, also aus dem Herzen, nicht aus dem Kunstinteresse des Verfassers geschöpft. Eine großmütige Handlung aus der neuen Geschichte4) endlich erzählt eine wahre Begebenheit, die Schiller wohl von seinem Akademiefreund, Wilhelm von Wolzogen, gehört hatte. Der jüngere Baron von Wurmb ging freiwillig nach Batavia, um der Verbindung seines älteren Bruders mit einem auch von ihm heiß geleibten Fräulein nicht im Wege zu stehen. Seltsame Fügung des Schicksals! Die Schwester dieser Brüder sollte – Schillers Schwiegermutter werden. Hierzu kommen noch sechs, erst neulich wieder ans Licht gezogene, sehr merkwürdige, anonyme Rezensionen5). Es sind meist hingeworfene, witzige, kecke Gedanken eines jungen Mannes von großem Selbstgefühl, doch nicht ohne Gerechtigkeit und Anerkennung. Von Stäudlins Musenalmanach z.B. heißt es, er sei immerhin nicht der schlechteste in Deutschland, und die besseren Gedichte, unter diesen sogar eines vom Herausgeber, werden hervorgehoben6). Hierdurch ist die Nachricht Scharffensteins, dass Schiller durch seine Anthologie jenen Musenalmanach habe zermalmen wollen, durch die Tat widerlegt; von seinem Zwist mit Stäudlin sagt er: „Mir missfällt diese beiderseits läppische Zänkerei7).“ Am merkwürdigsten aber ist die Beurteilung der Anthologie selbst, aus welchem Aufsatz wir oben schon einige Aussprüche mitgeteilt haben. Der Rezensent fügt bei: „Viele Stellen sind von edlem Freiheitsgeist belebt, und feile Lobreden findet man nicht. Eine strengere Feile wäre indes durchaus nötig gewesen, und überhaupt unter den Gedichten selbst eine strengere Wahl. Möchten sich doch unsere jungen Dichter überzeugen, dass Überspannung nicht Stärke, dass Verletzung der Regeln des Geschmacks und des Wohlstandes nicht Kühnheit und Originalität, dass Phantasie nicht Empfindung ist“ etc. In solchen Worten wird man unmöglich, mit Schwab, Eigenliebe, Selbstgefälligkeit finden, die sich unter der Maske der Unparteilichkeit verberge und man kann überhaupt diese Selbstkritiken durchaus nicht von dem bestreben ableiten, „von sich, als einer literarischen Person, reden zu machen.“ Schon eine oben angeführte Stelle Abels widerstreitet dieser Meinung. Schiller hatte zeitlebens das Bedürfnis über seine Arbeiten zu sprechen, um sich über den Wert derselben aufzuklären und diese Selbstrezensionen sind nichts anderes, als die Resultate solcher Unterredungen mit seinen Freunden. Wenn es auch, wie Schwab sagt, in Sachen der Poesie etwas ganz anderes ist ums Wissen, als ums Können, so fühlte Schiller es früh, dass er nur durch das Wissen zum höchsten Grad des Könnens gelangen könne. Dieser wissenschaftliche Trieb aber, sich über fertige oder vorgeworfene Gedichte auszusprechen, gleichviel, ob im Privatgespräch oder vor dem Publikum, und die Ansichten seiner Freunde, jetzt Abels, Petersens, später Körners, Humboldts, Goethes, einzuholen, ist zugleich ein schöner Zug seines süddeutschen Charakters. Schiller konnte nichts in sich verschließen, er war ein Mann der Öffentlichkeit. Und wenn Goethe mit seinen Jugendprodukten, wie er selbst erzählt, immer ganz zufrieden war, so hatte Schiller an den seinigen mehr zu tadeln, als zu loben: Goethe ließ sich zum Dichter werden, Schiller machte sich zum Dichter. Die Räuber hatten mittlerweile eine ungeheure Sensation gemacht. Schon im Februar 1782 waren die achthundert Exemplare der ersten Auflage vergriffen, und es wurde die zweite mit dem Namen des Verfassers veranstaltet. Auf unreife Knaben und Jünglinge, erzählt Böttiger, wirkten sie wie ein Absud von Tollwurzel und in einer großen Handelsstadt entstand eine Verschwörung von Knaben, die sich die Räuber zu einem Kreuz- und Querzug in den Böhmerwald zum Vorbild nahmen. Räuberdramen und Banditenromane überschwemmten bald unsere Literatur, und die Polizei sah sich an manchen Orten bewogen, die fernere Aufführung der Räuber zu untersagen. Besonders aber war der Eindruck unbeschreiblich, den diese gigantische Erstgeburt eines Zöglings der Karlsschule in dem harmlosen, unschuldigen Stuttgart hervorbrachte, wo man Bürgers Gedichte und Wielands Erzählungen für das Äußerste hielt, was die Poesie sich in sittlicher Beziehung erlauben dürfe; und dieser Eindruck konnte durch die bald darauf erschienene Anthologie nur verstärkt werden. Wenigstens schien er sich in dem Gedicht: An die schlimmen Monarchen, als einen exzentrischen Kopf zu bezeichnen. Mehrere Stellen der Räuber konnten auf den Herzog und seine nächste Umgebung ohne Mühe gedeutet werden. Der Herzog, welcher ganz von dem Selbstgefühle seiner fürstlichen Eigenmacht erfüllt war, und als unbedingter Verehrer der poetischen Schule der Franzosen wohl feinen, scharfen Verstand, aber keinen Geschmack hatte, fand in den Räubern nur revolutionäre Auswüchse und ästhetische Kruditäten. Dieses sittlich-poetische Ungeheuer war ihm umso mehr ein Gräuel, da dessen Verfasser sein eigenes Geschöpf war, und es wurde ihm bei Schillers wachsendem Ruhm ganz unheimlich. Er ließ ihn (wenigstens erzählt dies Frau von Wolzogen) vor sich kommen, warnte ihn auf väterliche Weise vor Verstößen gegen den besseren Geschmack, und verlangte, dass er ihm seine poetischen Produkte vor ihrem Druck zeigen sollte. Dies war ihm unmöglich und seine Weigerung wurde natürlich nicht gut aufgenommen. 1)
Jetzt abgedruckt in meiner Nachlese zu Schiller, Bd. 4, S. 96 ff.
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