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Homepage Literatur Schiller, Friedrich Biografien Hoffmeister - Schillers Leben Vorwort Inhalt 1. Teil 1 Kapitel 2. Kapitel 3. Kapitel Aufenthalt Karlsakademie 4. Kapitel Die Räuber Austritt aus der Karlsschule Körperliches Erscheinen Beruf als Regimentsmedikus Häusliche Einrichtung Laura Sitten und Sittlichkeit Herausgabe der Räuber Schwan und Dalberg Umarbeitung der Räuber Die Anthologie Redaktion Unterhaltungsblatt 5. Kapitel 6. Kapitel 7. Kapitel 8. Kapitel 9. Kapitel 10. Kapitel 2. Teil 3. Teil |
Umarbeitung der RäuberDalberg bat den Dichter, sein Schauspiel für ein bestimmtes Honorar bühnengerecht zu machen, diese Umarbeitung werde dann die Mannheimer Theaterdirektion, wie sie es auch bei anderen für sie eingerichteten Schauspielen zu tun pflegte, in eigenen Verlag nehmen. Schiller erklärte, „er werde es für ein ausnehmendes Glück schätzen, sich Seiner Exzellenz wärmster Literatur-Liebe mit allem, was er sei, zu eigen zu machen.“ Er nannte es einen längst gehegten Lieblingsgedanken, sich dereinst in Mannheim, dem Paradies der dramatischen Muse, niederzulassen, da er durch das mittelmäßige Stuttgarter Stadttheater niemals einen lebendigen Augenschein von der Theatermechanik bekommen werde. Er meinte mit der Arbeit in vierzehn Tagen fertig zu sein, wurde aber durch vermehrte Lazarettbesuche, da eine Ruhrepidemie im Regiment ausgebrochen war und durch das tägliche Erscheinen auf der Wachparade unangenehm gestört, so dass er die in der zweiten Hälfte August begonnene „Theatralisierung“ erst am sechsten Oktober 1781 abschicken konnte. Er hätte mit weit mehr Vergnügen ein ganz neues Stück schaffen mögen! Und nun eröffnete sich noch bis Ende des Jahres eine weitläufige Korrespondenz über den umgeschmolzenen verlorenen Sohn (wie der Dichter sein Stück nach der Parabel der Bibel auch nannte), in welcher Dalberg Einwürfe machte und Veränderungen vorschlug, gegen die sich Schiller sträubte, bis er sie sich doch endlich alle gefallen lassen musste. Von dieser theatralischen Form der Räuber (welche in Mannheim bei Schwan 1782 zuerst erschien) kann sich jetzt der Leser aus meiner Nachlese zu Schillers Werken1) einen genauen und vollständigen Begriff machen; es ist aber zu bemerken, dass das Mannheimer Theatermanuskript der Räuber (von welchem ich eine genaue Abschrift besitze) von jener gedruckten Theaterausgabe an manchen Stellen bedeutend abweicht. So z.B. gab Schiller es Dalberg nur für die Aufführung, nicht für den Druck zu, dass Amalia sich selbst ermordet: Er nannte das einen alltäglichen Behelf schlechter Dramatiker und meinte, dass es den Karl Moor zugleich als Banditenführer und feurigen Liebhaber trefflich charakterisiere, wenn er seine Geleibte ersteche. Nur einige Abweichungen der Umarbeitung von dem ursprünglichen Text mögen hier angeführt werden. In der Theaterausgabe wird Franz von der abgeschickten Räuberschar in Ketten vor seinen Bruder in den Wald gebracht und verurteilt, im Turm zu verhungern2). In den letzten Szenen schickt Karl die übrigen Räuber, außer Kosinsky und Schweizer, von sich fort und entlässt dann auch diese mit rührender, versöhnender Anrede, um sich endlich allein selbst auszuliefern, welche Katastrophe Schiller selbst die Krone des Stücks nennt. Dann ist im vierten Akt eine Szene ganz neu gedichtet, in welcher sich Franz und sein Helfershelfer Hermann entzweien und ein Monolog, der durch Ifflands und Flecks meisterhaften Vortrag berühmt wurde und jetzt fast ganz vergessen ist3). Der Pastor Moser fehlt in der Theaterausgabe ganz und der Pater ist, um in dem katholischen Mannheim kein Ärgernis zu geben, durch eine Magistratsperson vertreten. Die fünf Akte sind in sieben zerlegt, welche beinahe viereinhalb Stunden spielten. Endlich war es dem Dichter unerträglich, sein Schauspiel, welches in dem Jahr der Prager Schlacht (1757) und in dem folgenden spielt, ganz aus der gegenwärtigen Welt herauszuheben und es in die Zeit des von Maximilian gestifteten Landfriedens zurückzusetzen. Aber er mochte Triftiges sagen, was er wollte, er musste sich endlich auch hierin dem Verlangen des „Kenners“ fügen, doch machte er seinem Unwillen in der öfters erwähnten anonymen Selbstkritik Luft4): „Die Zeit wurde verändert, Fabel und Charaktere blieben. So entstand ein buntfarbiges Ding, wie die Hosen des Harlekin; alle Personen sprechen zu studiert, jetzt findet man Anspielungen auf Sachen, die ein paar hundert Jahre nachher geschehen oder gestattet werden durften.“ So sah sich Schiller durch diese auferlegte Umarbeitung, durch den Widerspruch, den sie erfuhr und durch die Aussichten, die sich ihm eröffneten, plötzlich in eine höchst fördernde Bildungsschule versetzt, und, was bisher bloß Nebenbeschäftigung gewesen war, wuchs rasch auch äußerlich zur Bestimmung seines Lebens an. 1)
Band 1, S. 54 bis 124.
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