Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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      Schiller, Friedrich
         Biografien
            Hoffmeister - Schillers Leben

            Vorwort
            Inhalt

            1. Teil
               1 Kapitel
               2. Kapitel
               3. Kapitel
                  Aufenthalt Karlsakademie
               4. Kapitel
                  Die Räuber
                  Austritt aus der Karlsschule
                  Körperliches Erscheinen
                  Beruf als Regimentsmedikus
                  Häusliche Einrichtung
                  Laura
                  Sitten und Sittlichkeit
                  Herausgabe der Räuber
                  Schwan und Dalberg
                  Umarbeitung der Räuber
                  Die Anthologie
                  Redaktion Unterhaltungsblatt
               5. Kapitel
               6. Kapitel
               7. Kapitel
               8. Kapitel
               9. Kapitel
               10. Kapitel
            2. Teil
            3. Teil

Herausgabe der Räuber

   Das Schauspiel sollte unter die Presse. Er selbst nennt als Gründe zuerst „jenen allgewaltigen Mammon, dem die Herberge unter seinem Dach nicht anstehe“, dann die Begierde, das Urteil der Welt kennen zu lernen, endlich wünsche er Poesie und Tragödie „hier schon wegzuräumen“, damit sie ihm später bei einer Professur in der Physiologie und Medizin nicht hinderlich würden. Der Brief an Petersen schließt mit der Nachschrift: „Höre Kerl! Wenn’s reussiert. Ich will mir ein paar Bouteillen Burgunder drauf schenken lassen.“ Da sich kein Buchhändler fand, der für das Ganze fünfzig Gulden geben wollte, so musste es Schiller (wie Goethe seinen Götz von Berlichingen) auf eigene Kosten drucken lassen. Er borgte die erforderliche Summe, indem ein Freund bei dem Darleiher Bürgschaft leistete. Diese erste Ausgabe erschien anonym unter dem Titel: „Die Räuber. Ein Schauspiel. Frankfurt und Leipzig, 1781.“ Die Beschreibung, welche Scharffenstein von dieser ersten Ausgabe gibt, und die sich jetzt überall aufgenommen findet, ist durchaus falsch: Scharffenstein verwechselte die erste Ausgabe mit der zweiten1). Das Papier jener höchst seltenen editio princeps, von welcher ein Exemplar vor mir liegt, steht dem der Cottaschen Sedez-Ausgabe von 1822 durchaus nicht nach, die Lettern sind zwar nicht scharf und rein, aber doch auch nicht stumpf und abgenutzt und den Druck könnte man sogar splendid nennen. Die Titelvignette enthält in Medaillon die Szene, wo Karl Moor die an dem Vater verübten Grausamkeiten erfährt und seine Kameraden herbeiruft. Die Personen sind alle in idealem Kostüm. Der alte Moor, in einem, Brust und Unterarme bloß lassenden Hemd, in einem nur bis über die Knie reichenden Beinkleid, mit nackten Füßen und ohne Kopfbedeckung, liegt ohnmächtig vor der Pforte seines Kerkers in den Armen des auf der Erde sitzenden Hermann. Vor diesen beiden steht Karl Moor, auf dem Haupt eine Mütze mit einer Art Federbusch, in einem weitfaltigen Gewand, welches nur die rechte Hälfte des Oberleibes deckt und die linke ganz entblößt lässt, in einem weiten, nur bis zu den Knien riechenden Beinkleid und endlich in einer römischen Fußbekleidung. Er blickt zum Himmel, wohin er die linke Hand ausgebreitet empor streckt, während er mit der etwas gesenkten rechten ein Schwert hält. Im Hintergrund sieht man die aufgeschreckten Räuber als kaum kenntliche Figuren herbeieilen. Eine zweite Vignette, welche sich auf Karl Moors Gesang „Brutus und Cäsar“ bezieht, befindet sich auf der letzten Seite unter den Schlussworten des Schauspiels. Diese beiden Bilder wurden, wie Scharffenstein beifügt, von einem Kameraden aus der Klasse der Kupferstecher unentgeltlich radiert, sie sind in Zeichnung und Ausführung nur mittelmäßig. Erst die zweite „verbesserte“, aber ungleich schlechter gedruckte Auflage stellt auf dem Titel einen zornig aufsteigenden Löwen mit beigefügter Demonstration: „in Tyrannos“ dar und in der dritten zerreißt ein Löwe einen niedergehaltenen zweiten, mit demselben Motto. Schiller war damals (1782) schon kühner geworden und nannte sich auch als Verfasser.

   Unbeschreibliche Freude machten die ersten vollendeten Exemplare; da sie indessen im Anfang wenig Absatz hatten, sah Schiller den in seiner Wohnstube sich auftürmenden Bücherballen mit komisch bedenklichen Augen an. Doch bald strömten ihm Lob und Bewunderung von allen Seiten zu und der höchste Lohn wurde ihm dadurch zu Teil, dass eine Umarbeitung des Stücks für die Mannheimer Bühne von ihm begehrt wurde.

Ü   Þ


1) Scharffenstein hat noch manche andere Unrichtigkeiten in seine lebensvolle Charakteristik aufgenommen, z.B. dass Schiller seinen Fiesco schon habe fertig aus der Akademie gebracht und dass er an Goethes Werther kein besonderes Behagen gefunden. Dies widerstreitet allen nachrichten in Petersens Nachlass, sowie bei Frau von Wolzogen, die sogar aus dem Mund Schillers versichert (S. 34), dass er auch oft in den von „Siegwart“ erregten Gefühlen geschwelgt habe. Scharffenstein hebt, als Kriegsmann, allein die heroische Seite Schillers hervor. ­

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