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Homepage Literatur Schiller, Friedrich Biografien Hoffmeister - Schillers Leben Vorwort Inhalt 1. Teil 1 Kapitel 2. Kapitel 3. Kapitel Aufenthalt Karlsakademie 4. Kapitel Die Räuber Austritt aus der Karlsschule Körperliches Erscheinen Beruf als Regimentsmedikus Häusliche Einrichtung Laura Sitten und Sittlichkeit Herausgabe der Räuber Schwan und Dalberg Umarbeitung der Räuber Die Anthologie Redaktion Unterhaltungsblatt 5. Kapitel 6. Kapitel 7. Kapitel 8. Kapitel 9. Kapitel 10. Kapitel 2. Teil 3. Teil |
Sitten und SittlichkeitMit welchem Stolz mochten die Eltern zu ihrem genialen Sohn aufblicken, obgleich in dem Vater manche Bedenklichkeiten aufstiegen. So hochfahrend und anspruchsvoll die Eleven waren, die mit Schiller in die Welt traten, so beugten sie sich doch, wie Scharffenstein sagt, vor der imponierenden Superiorität seines Geistes. Er war nicht allein in den theoretischen, philosophischen Wissenschaften professormäßig bewandert, sondern sein tiefer Sinn schien ihnen auch ihren Gehalt für das Leben gewürdigt zu haben. Dabei lebte er mit seinen freunden in dem kordialsten, ungebundensten Verkehr, welcher jene Virtuosität des Gesprächs in ihm begründete, die nachher ein Humbodlt, Gentz, Goethe an ihm bewunderten. Winters wurde beinahe alle Abende mit Manille, einem leichten Kartenspiel, Sommers mit Kegelspiel im „Ochsen“ in Stuttgart zugebracht und es ist eine – unquittierte Rechnung von dem Ochsenwirt für „den Doktor Schiller und den Bibliothekarius Petersinn“ übrig, woraus hervorgeht, dass unser Freund gewöhnlich ein halbes, auch wohl ein ganzes „Maß“ Wein trank, und meistens Schinken und Salat dazu aß, auch seinen „Bruder Hoven“ redlich bewirtete. Welcher Ton unter den Genossen herrschte, mag aus folgendem Billet erhellen, welches, wie Petersen meint, Sievers im Götz von Berlichingen geschrieben haben könnte: „Seid mir schöne Kerls. Bin da gewesen und kein Petersen, kein Reichenbach. Tausendsakerlot! Wo bleibt die Manille heut? Hol’ Euch alle der Teufel! Bin zu Haus, wenn ihr mich haben wollt. Adies, Schiller.“ Wie in allem, so liebte er auch leicht im Genuss das Extreme. „einen Schnupfer, wie Schiller“, sagt Petersen, „wird man nicht leicht finden. Hatte er bisweilen gerade keinen Tabak, so kitzelte er seine Geruchsnerven mit Staub.“ Die Extravaganzen, welche der losgebundene, unerfahrene junge Mann in dieser Zeit beging, waren einzelne, zum Teil rohe Kraftstücke, die aber noch weniger gut „rezensiert“ wurden, als seine medizinischen. Abel erzählt, es habe sich damals in Stuttgart wirklich das Gerücht verbreitet, dass Schiller sich Ausschweifungen überlasse; da aber seine Verbindung mit dem akademischen Zögling auch jetzt noch fortdauerte und einer der häufigsten Gesellschafter Schillers, mit dessen Wissen, ihm von allem, was in dieser Hinsicht vorfiel, Nachricht gab, so könne er mit Zuversicht sagen, dass ihm hierin nicht ganz, aber doch größtenteils Unrecht geschehen. Zwei oder drei Mal habe der zutrauensvolle, des Weins gar nicht gewohnte Mann in einer lustigen Gesellschaft, die ihn dazu aufmunterte und sogar täuschte, zu viel getrunken. Hauptsächlich sei dies geschehen, als der General seines Regiments den Offizieren ein Essen gab, zu dem er auch eingeladen war und welches so geendet habe, dass er von dem Haus des Generals in sein Logis getragen werden musste. Von diesem Tag sei das Gerücht, dass er sich zu betrinken pflege, allgemein gewesen. In Rücksicht einer zweiten Art von Ausschweifung habe er nicht ein einziges zuverlässiges Faktum gehört; zwischen ihm und seiner Laura sei nichts vorgefallen, was Tadel verdient hätte. Dagegen sei es allerdings wahr, dass sein Ungewohnheit und Unfähigkeit, mit dem Geld umzugehen, ihn in einige, wiewohl nicht bedeutende (?) Schulden stürzte.“ Freilich muss das Urteil des „engelgleichen Mannes“, wenn man Petersens Nachlass glauben darf, in Betreff des zweiten Punktes zu mild sein; aber das ist unbezweifelt, dass die Sage seiner Landsleute gleichsam vereinzelte rohe Versuchsstücke, die nicht verborgen bleiben, mit Unrecht auf das ganze damalige Leben Schillers ausdehnten. Denn nachdem er seine Räuber und die Anthologie herausgegeben hatte, waren auf ihn aller Augen in Stuttgart gerichtet. Eine Frau, an deren haus Schiller nach seinem Austritt aus der Akademie öfters vorbeiging, pflegte zu sagen: Der Regimentsarzt Schiller trete einher, als ob der Herzog der geringste seiner Untertanen wäre1). Den Räubern wurde sogleich nach Schillers Austritt aus der Akademie die letzte Feile gegeben. Seinem poetischen Gewissensrat Petersen gab er eine Beurteilung des Stücks auf „nach dramatischer Behandlung, Verwicklung, Entwicklung, Charakteren, Dialog, Interessen, etc.“, und „wenn die Rezension unter sechs Bogen ist“, schrieb er ihm, „so muss ich schon das Maul krümmen.“ Abel erzählt: „Noch immer erinnere ich mich eines Spaziergangs, den er mit seinem innigsten Freund, Bibliothekar Petersen und mir machte und auf dem die Fehler des Stückes der Gegenstand der ganzen Unterredung waren. Mit Verleugnung aller Eigenliebe und mit großem Scharfsinn spürte er selbst allen Fehlern nach und ohne allen Schein eines Missvergnügens oder Unwillens hörte er den Tadel seiner Freunde.“ Aber wenn er solche Ausstellungen auch willig anhörte, so nahm er doch wenig Rücksicht auf sie. 1) Diesen köstlichen Ausspruch der Frau verdanken wir Abel. |
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