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Homepage Literatur Schiller, Friedrich Biografien Hoffmeister - Schillers Leben Vorwort Inhalt 1. Teil 1 Kapitel 2. Kapitel 3. Kapitel Aufenthalt Karlsakademie 4. Kapitel Die Räuber Austritt aus der Karlsschule Körperliches Erscheinen Beruf als Regimentsmedikus Häusliche Einrichtung Laura Sitten und Sittlichkeit Herausgabe der Räuber Schwan und Dalberg Umarbeitung der Räuber Die Anthologie Redaktion Unterhaltungsblatt 5. Kapitel 6. Kapitel 7. Kapitel 8. Kapitel 9. Kapitel 10. Kapitel 2. Teil 3. Teil |
LauraDas Haus, indem Schiller wohnte, gehörte der Witwe des im Jahr 1779 gestorbenen Hauptmanns und Regimentsquartiermeisters Vischer. Diese „Vischerin“ wird in den ungedruckten Nachrichten Petersens, „ein wie an Geist, so an Gestalt gänzlich verwahrlostes Weib, eine wahre Mumie“ genannt. Und dessen ungeachtet wurde sie, in Ermangelung jedes andern weiblichen Wesens, – Schillers Laura. Um dieses begreiflich zu finden, muss man eine andere handschriftliche Bemerkung dieses unschätzbaren Berichterstatters hinzunehmen, welche uns den tiefsten Blick in Schillers Individualität tun lässt. „Schiller hatte keinen Sinn für das Auserwählte, Erlesene; im Sinnlichen war er ohne alles Feingefühl: Kratzende Weine, schlechter Schnupftabak, garstige Weiber.“ Wie hätte sich während des achtjährigen akademischen Gefängnisses ein Sinn für körperliche Schönheit in ihm entwickeln können? Petersen fährt fort: „Die dichterische Beschreibung einer Gegend machte mehr Eindruck auf ihn, als ihr Anblick in der Natur selbst. Er lernte den Gesang der Nachtigall zuerst aus – Gedichten lieben und bewundern.“ Kurz, er war ein in Abgeschlossenheit, durch Lektüre, durchaus ideal gebildetes Gemüt, welches alles Wirkliche damals nur träumerisch auffassen konnte. Es kam dazu, dass er, wie Schwab sagt, jenen Trank im Leib hatte, welcher den Goetheschen Faust in jedem Weib wie Helena erblicken ließ. Schiller entbrannte, auf nicht lange Zeit, zu einem sinnlich platonischen Liebesfieber, welches er in den Laura-Oden verewigt hat. Scharffenstein heißt übrigens, milder urteilend, die Vischerin „ein gutes Weib, das, ohne im mindesten hübsch und sehr geistvoll zu sein, doch etwas Gutmütiges, Anziehendes und Pikantes hatte.“ Letzteres wenigstens für junge Leute. Denn im Jahr 1785 ging sie mit einem adeligen Juristen der Karlsschule aus Wien durch und flüchtete sich gegen die Schweiz zu, wurde aber in Tuttlingen aufgefangen. „Ob sie in der Hoffnung ist“, fügt der alte Schiller in dem Brief an seinen Sohn bei, „das wird bald versichert, bald verneint.“ Die Schillersche Laura war auch mit der Familie auf der Solitude bekannt. Die Schwester Christophie schreib, am 9. September 1783, an ihren Bruder: „Morgen, glaub’ ich, kommt die Vischerin wieder zu uns. Schreib’ ihr doch auch wieder; es ist nicht recht, dass Du so ganz mit ihr abbrichst. Sie ist noch immer so freundschaftlich gegen uns, wie ehemals, und fragt allemal mit so viel Teilnahme nach Dir. Es ist doch ein gutes Weib; sie mag auch sonst ihre Fehler haben, so hat sie Dir doch viele Freundschaft erwiesen.“ Diese späteren Worte der Schwester bestätigen wohl Abels Nachricht: Es sei zwischen Schiller und seiner freilich überschätzten Laura nichts vorgefallen, was Tadel verdient hätte. Nach der Solitude, wo während seiner akademischen Gefangenschaft, im Jahr 1777, seine jüngste Schwester Nannette, geboren worden war, wallfahrtete Schiller jetzt häufig mit einem Freund, wenn er einen guten Tag haben wollte. „Was wurde dort“, ruft Scharffenstein, „für das liebe Wundertier von Sohn, und seine mitgebrachten Kameraden, von der lieben Mutter gebacken und gebraten! Nie habe ich ein besseres Mutterherz, ein trefflicheres, häuslicheres, weiblicheres Weib gekannt.“ |
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