Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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      Schiller, Friedrich
         Biografien
            Hoffmeister - Schillers Leben

            Vorwort
            Inhalt

            1. Teil
               1 Kapitel
               2. Kapitel
               3. Kapitel
                  Aufenthalt Karlsakademie
               4. Kapitel
                  Die Räuber
                  Austritt aus der Karlsschule
                  Körperliches Erscheinen
                  Beruf als Regimentsmedikus
                  Häusliche Einrichtung
                  Laura
                  Sitten und Sittlichkeit
                  Herausgabe der Räuber
                  Schwan und Dalberg
                  Umarbeitung der Räuber
                  Die Anthologie
                  Redaktion Unterhaltungsblatt
               5. Kapitel
               6. Kapitel
               7. Kapitel
               8. Kapitel
               9. Kapitel
               10. Kapitel
            2. Teil
            3. Teil

Häusliche Einrichtung

   Schiller bezog auf der jetzigen Eberhardstraße oder wie sie damals hieß, auf dem kleinen Graben, in einem Haus, welches am Enthüllungstag seines Standbildes mit einer Inschrift geschmückt war, ein Zimmerchen auf dem Erdgeschoss. Sein Stubengenosse war einige Zeit der Leutnant Kapff, den wir früher als den ersten seiner Abteilung kennen lernten und welcher zugleich mit ihm aus der Akademie getreten war. Schiller hatte ihn 1774 als einen unverschämten, bösartigen, unzufriedenen, großsprecherischen Kameraden geschildert; dass er es aber besonders gewesen, der jetzt, „als ein verdorbener Mensch“, Schiller in Sinneslust hineinriss, ist unerwiesen1). Schiller, der in seinen Räubern die Rechte der Natur proklamiert hatte, setzte sich jetzt über alles hinweg, was ihm bloß die Konvention zu Pflichten und Tugenden gestempelt zu haben schien und wie alles andere, so sollte er auch die sittliche Reinheit nicht ererben, sondern, nachdem er sie eingebüßt, im Verlauf des Lebens wieder erringen. Vorerst wurden, was Petersen ausdrücklich geltend macht, seien sittlichen Gefühle durch die Lust am Schönen und Erhabenen gereinigt und gestärkt: Dies war seine Religion, die ihn auch im Sinnentaumel der himmlischen Mächte nicht vergessen ließ.

   Übrigens war die Wirtschaft in dem kleinen Parterre-Zimmer originell und toll genug. „Wir waren arm“, erzählt Scharffenstein, „und hatten meistens gemeinschaftliche frugale, aber durch jugendliche, gute Laune sehr gewürzte Abendmahlzeiten, die wir selbst bereiten konnten, denn eine Knackwurst und Kartoffelsalat war alles. Der Wein war freilich ein schwieriger Artikel und noch sehe ich des guten Schillers Triumph, wenn er uns mit einigen Dreibätznern aus dem Erlös seiner selbst verlegten Räuber überraschen und erfreuen konnte. Da war die Welt unser! – Ich erinnere mich, dass, als die Räuber am literarischen Himmel schon gezündet hatten, einige reisende Belesprits in schöner Equipage vor das Quartier angefahren kamen, z.B. Leuchsenring2). So schmeichelhaft ein solcher Zuspruch nachher dünkte, war er doch im ersten Augenblick nicht sehr erbaulich, denn man fand sich in dem größten, nichts weniger als eleganten Negligé, in einem nach Tabak und Allerhand stinkenden Loch, wo außer einem großen Tisch, zwei Bänken und an der Wand hängener schmalen Garderobe, angestrichenen Hosen etc. nichts anzutreffen war, als in einem Eck ganze Ballen der Räuber, in dem anderen ein Haufen Kartoffeln mit leeren Tellern, Bouteillen und dergleichen untereinander. Eine schüchterne, stillschweigende Revue dieser Gegenstände ging jedes Mal dem Gespräch voran.“ Dazu kam, dass der Aufwärter, den sich Schiller aus den zweihundertvierzig Grenadieren ausgesucht hatte, der Fourierschütz Kronenbitter, eine höchst seltsame, groteske Gestalt war.

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1) Wenigstens sagen „die ungedruckten, sehr glaubwürdigen Nachrichten“ (Petersens), auf die sich Schwab beruft (S. 79), von Kapff kein Wort. – Er starb später in Ostindien. ­
2) Über ihn s. Varnhagens Memoiren, B. 4, S. 170 ff.
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