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Homepage Literatur Schiller, Friedrich Biografien Hoffmeister - Schillers Leben Vorwort Inhalt 1. Teil 1 Kapitel 2. Kapitel Schiller in lateinischer Schule Schiller auf der Solitude Bericht an den Herzog 3. Kapitel 4. Kapitel 5. Kapitel 6. Kapitel 7. Kapitel 8. Kapitel 9. Kapitel 10. Kapitel 2. Teil 3. Teil |
Bericht an den Herzog über sich und die MitschülerSchon war Stiftung dieses Bundes, aber in demselben Jahr 1774, geriet der Herzog Carl auf den, vermutlich von den Jesuiten erborgten Gedanken, jeden der älteren Zöglinge von sich und von allen Genossen derselben Abteilung, eine Schilderung für den Herzog zu Papier bringen zu lassen. Es war vermutlich aufs Kontrollieren abgesehen. Gewisse Gesichtspunkte, z.B. Christentum, Gesinnung gegen den Herzog, Betragen gegen Lehrer und sonstige Vorgesetzte, Reinlichkeit, waren für die Beurteilung festgesetzt. Urteile der Mitschüler über Schiller, und auch dessen eigener vollständiger Bericht an den Herzog haben sich erhalten, und ich habe letzteren in meiner Nachlese zu Schillers Werken aus dem Manuskript mitgeteilt1). Er ist ein unschätzbares Dokument der ringenden, noch unbehilflichen Sprache, der hervorblitzenden Gedankentiefe, der feinen Beobachtungsgabe, der redlichen, wohlwollenden, aufrichtigen und freimütigen Sinnesart des talentvollen fünfzehnjährigen Jünglings. Das einförmige Thema ist trefflich im Ausdruck variiert und gleichsam künstlerisch behandelt. Von einem Mitschüler heißt es, er habe sich durch eine kriechende Demut verächtlich gemacht, die eben so zu fliehen sei, als Hochmut; von einem andern wird gesagt, er verderbe sich durch Auswendiglernen. Sich selbst spricht er nicht frei von Eigensinn, Hitze und Ungeduld, doch beruft er sich auf seine Aufrichtigkeit, Treue und sein gutes Herz. Dass er „die schönen Gaben, die er besitze“, bisher nicht nach Pflicht angewendet habe, entschuldigt er durch die Leiden seines Körpers. Mit Munterkeit habe er die Wissenschaft der Rechte angenommen, und werde sich glücklich schätzen, durch dieselbe seinem Vaterland dereinst dienen zu können, aber weit glücklicher würde er sich halten, wenn er solches als Gottesgelehrter ausführen könnte. So kehrte Schiller der Schmerz, der Laufbahn eines Geistlichen entrissen worden zu sein, immer zurück. Noch in späteren Jahren äußerte er gegen seinen Jugendfreund Conz: Vor einer versammelten Gemeinde über die wichtigsten Angelegenheiten des Lebens und der Menschheit zu reden, stelle er sich als etwas Großes, Erhabenes vor. „Seine Neigungen waren warm und ewig.“ Die Vorleibe für die Theologie mochte in der Militärschule durch den wachsenden Widerwillen gegen die Jurisprudenz noch mehr gesteigert werden. Doch sollte er die letzte Berufswissenschaft damals loswerden. Am Ende des Jahres 1775 wurde nämlich das Institut, welches später den Namen Karlsakademie (oder Karlsschule) erhielt, und von dem Kaiser Joseph sogar zu einer Universität erhoben wurde, in den großen, schönen Kasernenbau hinter dem Schloss in Stuttgart verlegt, welcher noch jetzt den Namen Karlsakademie führt. Das Institut, welches jetzt erst seien volle Ausbildung erhielt, ward unter anderem auch dadurch erweitert, dass die Medizin unter die Lehrfächer aufgenommen wurde. Schiller bestimmte sich, entweder freiwillig infolge eines Aufrufs an die Zöglinge: Sich zu erklären, wer Lust zur Heilkunde hätte, oder, nach einer weniger glaublichen Nachricht, auf Befehl des Herzogs für das Studium der Medizin2). Nach Scharffenstein war es nicht Neigung, was ihn zu diesem Schritt bestimmte, sondern es war ein „Raptus“, oder weil er die Arzneikunde für liberaler und freier heilt. Einige Vertraute redeten ihm zu und er hatte auch die Meinung, dass Seelenlehre, Menschenkunde und Naturforschung, auf die er sich jetzt legen müsse, ihm bei seinen poetischen Beschäftigungen von bedeutendem Nutzen sein würden. 1)
B. 4, S. 4 ff.
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