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Homepage Literatur Schiller, Friedrich Biografien Hoffmeister - Schillers Leben Vorwort Inhalt 1. Teil 1. Kapitel Eltern und Geschwister Häusliche Erziehung Unterricht in Lorch 2. Kapitel 3. Kapitel 4. Kapitel 5. Kapitel 6. Kapitel 7. Kapitel 8. Kapitel 9. Kapitel 10. Kapitel 2. Teil 3. Teil |
Erstes KapitelEltern und GeschwisterSchillers Mannsstamm ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit bis ins siebte Glied aufwärts und in die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts verfolgt worden. Die Vorfahren seines Vaters waren, wie es scheint, angesehene und nicht unbemittelte Landleute, welche in dem württembergischen Dorf Bittenfeld am Neckar, nördlich von Waiblingen, und früher südlich von dieser Ghibellinenstadt im Remstahl, in dem Dorf Großheppach wohnten. Des Dichters Großvater war Bäcker und Schultheiß des Dorfes, sein Urgroßvater Mitglied des Gerichts und ebenfalls Bäcker. Aus dem Bauern- und Handwerkerstand ging der deutsche Dichter hervor. Übrigens ist der Name Schilcher oder Schiller schon von Alters her in Deutschland weit verbreitet, wie denn ein Jörg Schilcher, später Schiller, unter den besseren Meistersängern des fünfzehnten Jahrhunderts genannt wird, und im sechzehnten Jahrhundert Bernhard Schiller als Lehrer der Arzneikunst zu Freiburg im Breisgau berühmt war. Der Name soll, gleich den römischen Beinamen Strabo und Pätus, ursprünglich en Schieler bezeichnet haben1). Schillers Vater, Johann Kaspar, war am 27. Oktober 1723 in Bittenfeld geboren, wo ein Bruder desselben noch im Anfang unseres Jahrhunderts ebenfalls Schultheiß war, und sich auf den Ruhm seines Neffen nicht wenig einbildete. Da Johann Kaspar Schiller seinen Vater schon als Knabe verlor, so wurde er, nachdem er die Schule verlassen hatte, zu einem Chirurgen gebracht, bei dem er nach damaliger Weise Wundarzneikunst lernte, zugleich aber die Verrichtungen eines Barbiers übernehmen musste. Als zweiundzwanzigjähriger Jüngling ging er in dem österreichischen Erbfolgekrieg als Feldscherer mit einem bayerischen Husarenregiment in die Niederlande. Da er hier durch seine Kunst nicht hinreichend beschäftigt, aber tätigen Geistes war, ließ er sich als Unteroffizier in kleinen militärischen Unternehmungen gerne gebrauchen. Nach dem Aachener Frieden 1748 kehrte er in sein Vaterland zurück, und ließ sich in Marbach, einem fünf Stunden von Stuttgart und eine Meile von Ludwigsburg entfernten, an einem Rebhügel am Neckar freundlich gelegenen Landstädtchen, nieder. er heiratete hier die Mutter des Dichters. Aber sein Geschäft ernährte ihn mit seiner Frau nur kümmerlich, und lag unter seiner Kraft und Strebsamkeit. Als daher der siebenjährige Krieg ausgebrochen war, ließ er sich 1757 als Fähnrich und Adjutant in dem württembergischen Regiment Prinz Louis anwerben, welches mit anderen Regimentern in mehreren Feldzügen des siebenjährigen Kriegs einen Teil der österreichischen Armee ausmachte. In Böhmen erlitt dieses Korps durch Seuche einen bedeutenden Verlust, und Schiller fand in dieser schlimmen Lage Gelegenheit, seine große Tätigkeit zu entwickeln. Er übernahm bereitwillig jeden Auftrag, und, da Wundärzte und Geistliche fehlten, vertrat er zugleich beide Stellen. Sich selbst heilt er durch viele Bewegung und Mäßigkeit gesund. Als er darauf in ein anderes württembergisches Korps versetzt wurde, welches in Hessen und Thüringen stand, benutzte er die freie Muße, um seine mangelhafte Jugendbildung möglichst zu vervollständigen. Sein Eifer wurde belohnt. Am Ende des siebenjährigen Kriegs hatte er es bis zum Hauptmann gebracht. Seine Frau scheint während dieser Feldzüge, von ihrem Mann unterstützt, bei ihren Eltern in Marbach gelebt und ihr Gatte sie nur zuweilen zur Zeit der Winterquartiere besucht zu haben. Sie hieß Elisabetha Dorothea, und war die Tochter eines Bürgers und Bäckers, Georg Friedrich Kodweiß, zu Marbach, dessen Vater und Großvater ebenfalls Bäcker, der letztere aber zugleich auch Bürgermeister von Marbach gewesen war. Weiter aufwärts lässt sich das Geschlecht der „Kodweißin“, der Mutter unseres Dichters, nicht verfolgen, und nur eine Familiensage leitet es von einem verarmten adeligen Geschlecht von Kottwitz ab, welches aus Norddeutschland in Schwaben eingewandert sei. Georg Friedrich Kodweiß hatte sich als Wirt und Holzmesser ein kleines Vermögen erworben, dasselbe aber durch eine große Neckarüberschwemmung wieder eingebüßt. der Mann kam hierdurch so sehr herunter, dass er zuletzt seine Zuflucht zu einer Torwartsstelle nehmen und in einem Hause wohnen musste, welches damals eine armselige Hütte war2). Von solchen Eltern entstammte Schiller. Ihre Ehe war die ersten acht Jahre kinderlos, bis sie endlich durch sechs Sprösslinge beglückt wurde, von denen aber zwei bald nach der Geburt starben. Elisabetha Christophine Friederike wurde am 4. September 1757, zwei Jahre vor ihrem großen Bruder, geboren, und lebt allein von ihren Geschwistern noch jetzt im glücklichen Greisenalter in Meiningen. Auch die zweite Schwester, das dritte Kind der Eltern, Dorothea Luise, 1767 geboren, überlebte den Bruder; der Jüngsten, Nanette, aber war nur ein kurzes Erdenlos beschieden. Diese Schwestern werden wir dem liebenden Bruder, durch unsere ganze Darstellung, zeitlebens innigst verbunden sehen. Johann Christoph Friedrich Schiller erblickte am 11. November3) 1759 in dem Geburtsstädtchen seiner Mutter, in Marbach, das Licht der Welt. Die Mutter hatte ihren Gatten, der damals Leutnant im Infanterieregiment des Generalmajors Romann war, in dem Lager besucht, wo er bei den gewöhnlichen Herbstübungen des württembergischen Militärs sich aufheilt und in seinem Zelte fühlte sie die ersten Anzeichen ihrer nahen Niederkunft. So wäre Schiller beinahe in einem Lager geboren worden; doch gelang es der Mutter noch, nach Marbach in das Haus ihrer Eltern (diese wohnten damals noch nicht in dem Torwartshaus, sondern in ihrem früheren Haus an dem Marktplatz, in der Nähe eines großen Brunnens) zu kommen, wo sie von dem Knaben entbunden wurde. Der fromme Vater empfing, wie er selbst schreibt, das große Geschenk des Himmels mit dem Gebet, dass Gott ihm an Geistesstärke zulegen möge, was er selbst aus Mangel an Unterricht nicht habe erreichen können. Hatte Kaspar Schiller sich im Verlauf der Jahre auch mancherlei, namentlich medizinische, militärwissenschaftliche und landwirtliche Kenntnisse angeeignet, so empfand er doch das Ungenügende seines Wirkens umso bestimmter, je tüchtiger er von Charakter war. Zur Taufe in der Pfarrkirche zu Marbach wurde der Knabe gehoben, unter anderen, von dem Gönner des Schillerschen Hauses, einem Kammerherrn und Obersten, Christoph Friedrich von Gabelenz, und von einem weitläufigen Vetter, Johann Friedrich Schiller, der im Marbacher Taufbuch als Studiosus philosophiae aufgeführt ist. Von beiden Paten erhielt der Täufling seine Vornamen Johann Christoph Friedrich. Jener damals schon ziemlich bejahrte Student der Philosophie ist uns deswegen merkwürdig, weil er bald für einen väterlichen Oheim, bald für einen Bruder des Dichters gehalten wurde, der doch der einzige Sohn seiner Eltern war. ER scheint ein abenteuerlicher Mensch gewesen zu sein, der sich bald nachher in Aufträgen eines Ministers des Herzogs Carl von Württemberg in Holland aufhielt, dann als Übersetzer namhafter englischer Werke in London lebte, und zuletzt, um 1790, eine Buchdruckerei in der ehemaligen Karthause bei Mainz besaß. Seine (zuerst im Jahr 1777 erschienene) Übersetzung von Robertsons Geschichte von Amerika ist fälschlich für eine Arbeit des Dichters Schiller ausgegeben worden4). So beschränkt sich die Verwandtschaft und Einerleiheit dieses Doppelgängers von Schiller auf eine ferne Vetterschaft, und auf große Übereinstimmung des Namens. 1)
G. Schwabs Leben Schillers S. 2 ff. u. S. XIV.
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