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Als dram. Dichter
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Quellen

3. Periode: 1789 bis 1799

„Fruchtbar und weit umfassend“, sagt Schiller in seiner akademischen Antrittsrede1), welche er zu Jena im Jahr 1789 vor einer sehr zahlreichen Versammlung hielt, „ist das Gebiet der Geschichte; in ihrem Kreis liegt die ganze moralische Welt. Durch alle Zustände, die der Mensch erlebte, durch alle abwechselnde Gestalten der Meinung, durch seine Torheit und seine Weisheit, seine Verschlimmerung und seine Veredlung begleitet sie ihn – von allem, was er sich nahm und gab, muss sie Rechenschaft ablegen. Es ist keiner unter Ihnen allen, dem nicht die Geschichte etwas Wichtiges zu sagen hätte; alle noch so verschiedenen Bahnen Ihrer künftigen Bestimmung verknüpfen sich irgendwo mit derselben, aber eine Bestimmung teilen Sie alle auf gleiche Weise miteinander, diejenige, welche Sie auf die Welt mitbrachten – sich als Menschen auszubilden – und zu dem Menschen eben redet die Geschichte2)!“ –

Dem Studium derselben widmete sich Schiller damals mit vielem Eifer. „Du glaubst kaum“, schrieb er an einen Freund, „wie zufrieden ich mit meinem neuen Fach bin. Ahnung großer, unbebauter Felder hat für mich so viel Reizendes. Mit jedem Schritte gewinne ich an Ideen und meine Seele wird weiter mit ihrer Welt.“ –

Eine spätere Äußerung über den historischen Stil war folgende: „Das Interesse, welches die Geschichte des peloponnesischen Krieges für die Griechen hatte, muss man jeder neuern Geschichte, die man für die Neuern schreibt, zu geben suchen. Das eben ist die Aufgabe, dass man seine Materialien so wählt und stellt, dass sie des Schmucks nicht brauchen, um zu interessieren. Wir Neuern haben ein Interesse in unsrer Gewalt, das kein Grieche und kein Römer gekannt hat, und dem das vaterländische Interesse bei weitem nicht beikommt. Das letzte ist überhaupt nur für unreife Nationen wichtig, für die Jugend der Welt. Ein ganz anderes Interesse ist es, jede merkwürdige Begebenheit, die mit Menschen vorging, dem Menschen wichtig darzustellen. Es ist ein armseliges, kleinliches Ideal, für eine Nation zu schreiben; einem philosophischen Geiste ist diese Grenze durchaus unerträglich. Dieser kann bei einer so wandelbaren, zufälligen und willkürlichen Form der Menschheit, bei einem Fragmente, (und was ist die wichtigste Nation anders) nicht stillstehen. Es kann sich nicht weiter dafür erwärmen, als so weit ihm diese Nation oder Nationalbegebenheit als Bedingung für den Fortschritt der Gattung wichtig ist.“ –

Zu den historischen Werken, die Schiller in dieser Periode herausgab, gehören seine Sammlung historischer Memoires vom 12ten Jahrhundert an bis auf die neuesten Zeiten3) und seine Geschichte des dreißigjährigen Krieges4).

„Sie hat“, sagt Wieland5), „so viele Leser gehabt, als es in dem ganzen Umfang unsrer Sprache Personen gibt, die auf einigen Grad von Kultur des Geistes Anspruch zu machen haben. Von einem Schriftsteller verfasst, dessen frühere Werke in der dramatischen Dichtkunst sowohl, als in derjenigen, die sich mehr dem eigentlichen Gebiete der historischen Muse nähert, große Erwartungen von dem, was sein Geist in dem Zeitpunkt seiner Reife leisten könnte, erweckt hatten, übertraf sie selbst diejenigen, zu welchen man sich durch seinen ersten Versuch in dem historischen Fach berechtigt hielt, einen Versuch der bereits alles, was unsere Literatur in dieser Art aufzuweisen hatte, hinter sich zurückließ, und natürlicher Weise in allen, denen der Ruhm der Nation nicht gleichgültig ist, den Wunsch erregen musste, dass ein Schriftsteller, der bei seinen ersten Schritten in dieser neuen Laufbahn ein so entschiedenes Talent, sich zu einem Platz neben Hume, Robertson und Gibbon emporzuarbeiten, gezeigt hatte, sich, wo nicht gänzlich, doch hauptsächlich der Geschichte unsres Vaterlandes widmen möchte.“ –

Schiller verlebte die ersten Jahre seines Aufenthalts in Jena in einer sehr heitern Stimmung, welche durch den vertrauten Umgang mit Paulus, Schütz, Hufeland und Reinhold veranlasst wurde. Durch die Bekanntschaft mit dem letztern war Schiller sehr natürlich auf die Kantische Philosophie aufmerksam geworden. Ein Jugendfreund des Dichters, der ihn um diese Zeit (1792) besuchte, hat uns folgende Schilderung mitgeteilt.

Schiller lebte damals ganz in Kants Schriften, eine Liebe, die er schon früher, wie seine ersten Schriften beweisen, für philosophische Untersuchungen sehr geneigt, mit vielen seiner Zeitgenossen, und einer beträchtlichen Anzahl der damaligen Professoren in Jena teilte. Reinhold, der unter die ersten gehörte, welche das Studium der Kantischen Schriften und den Enthusiasmus für sie in Deutschland belebten, lehrte damals Philosophie mit ungeteiltem Beifall in Jena. Mehrere, vorzüglich der jüngere Lehrer dieser Hochschule, versammelten sich wöchentlich einige Male zu abendlichen geselligen Unterhaltungen. Kant und Kantische Philosophie war hier immer der Gegenstand, über den am lebhaftesten gesprochen und gestritten wurde, und Schiller blieb immer so wenig bloß Zuhörer, dass er vielmehr mit seinem feurigen Geist und seinem eindringenden Scharfsinn dem Gespräch oft das größeste Interesse zu geben wusste. – Kants Kritik der Urteilskraft, mit der er sich eigentlich mehr beschäftigte, als mit der Kritik der reinen Vernunft, lag, wenn er auch unpässlichkeitshalber das Bett hüten musste, oder gar, wie er oft scherzen konnte, von Arzneigläsern sich umlagert sah, immer nicht unweit jenes Belagerungsgeschützes, und lächelnd erzählte er einmal seinem Jugendfreund und damaligen Arzt, dem Hofmedikus von H-n, bei einem Morgenbesuch: Sein Bedienter, der bei ihm die Nacht über habe zu wachen gehabt, hätte, um sich auf seinem Posten munter zu halten, beinahe die ganze Kritik der Urteilskraft in einem Zuge durchgelesen6).

Diesen philosophischen Studien Schillers verdanken wir seine Aufsätze: Über Anmut und Würde; über das Pathetische, über den Grund des Vergnügens; über die tragische Kunst; über die ästhetische Erziehung des Menschen; die zerstreuten Betrachtungen über verschiedene ästhetische Gegenstände; über die notwendigen Grenzen beim Gebrauch schöner Formen; über naive und sentimentalische Dichtung; über den moralischen Nutzen ästhetischer Sitten; über das Erhabene und die Gedanken über den Gebrauch des Gemeinen und Niedrigen in d. Kunst, welche teils in d. Neuen Thalia, teils in den Horen zuerst bekannt gemacht, und dann in Schillers kl. pros. Schriften aufgenommen wurden7).

Was Schiller späterhin bei Gelegenheit einer in der Leipziger Lit. Zeit. abgedruckten Rezension der eben erwähnten prosaischen Schriften äußerte, gestattet uns einen eindringenden Blick in seine spätern Ansichten und Überzeugungen.

„Für die beigeschlossenen Zeitungsblätter“, heißt es in einem Brief Schillers an Rochlitz vom 16. April 1801, „die eine Rezension meiner philosophischen Aufsätze enthalten, bin ich Ihnen sehr verbunden. Ich habe alle Ursache, mich der guten Meinung des Verfassers für mich und seines gründlichen Eingehens in meine Ideen zu rühmen.

Der Gang unsres Geistes wird so oft durch zufällige Verkettungen bestimmt. Die metaphysisch-kritische Zeitepoche, welche besonders in Jena herrschte, ergriff auch mich; es regte sich das Bedürfnis nach den letzten Prinzipien der Kunst; und so entstanden jene Versuche, denen ich keinen höhern Wert geben darf und will, als dass sie eine Stufe meines Nachdenkens und Forschens bezeichnen, und eine vielleicht notwendige Entladung der metaphysischen Materie, die, wie das Blatterngift, in uns allen steckt und heraus muss8).“ –

Es findest sich hinsichtlich der genannten Abhandlungen eine merkwürdige Äußerung Goethes. „Schiller“, sagt er, „predigte das Evangelium der Freiheit, ich wollte die Rechte der Natur nicht verkürzt wissen. Aus freundschaftlicher Neigung gegen mich, vielleicht mehr als aus eigener Überzeugung behandelte er in den ästhetischen Briefen die gute Mutter nicht mit jenen harten Ausdrücken, die mir den Aufsatz über Anmut und Würde so verhasst gemacht hatten. Weil ich aber, von meiner Seite hartnäckig und eigensinnig, die Vorzüge der griechischen Dichtungsart, der darauf gegründeten und von dort herkömmlichen Poesie nicht allein hervorhob, sondern sogar ausschließlich diese Weise für die einzig rechte und wünschenswerte gelten ließ, so ward er zu schärferem Nachdenken genötigt, und eben diesem Konflikt verdanken wir die Aufsätze über naive und sentimentale Poesie. Beide Dichtungsweisen sollten sich bequemen, einander gegenüberstehend, sich wechselweise gleichen Rang zu vergönnen. – Schiller legte hierdurch den ersten Grund zur ganzen neuen Ästhetik, denn hellenisch und romantisch, und was sonst noch für Synonymen möchten aufgefunden werden, lassen sich alle dorthin zurückführen, wo vom Übergewicht reeller oder ideeller Behandlung die Rede war9).“

„Einige sind der Meinung“, sagt Fr. Schlegel10), „das Studium der Geschichte sei Schiller schädlich gewesen, auch für seine Kunst. Allein in Zweifeln befangen war er schon früher; und die innere Befriedigung eines solchen Geistes muss doch immer als das Erste gelten, und ist wichtiger, als alle äußere Kunstübung. Und selbst für die Kunst dürften diese großen historischen und philosophischen Zurüstungen Schillers eher zu loben, als zu tadeln sein. – – Ist Schiller in einigen Werken seiner mittleren Periode nicht frei von einer verkehrten Anwendung philosophischer Begriffe über das Wesen der alten Tragödie, oder von historischer Einseitigkeit, so entspringen diese Mängel nicht daraus, dass er sich der Spekulation ergab, sondern nur daraus, dass diese Studien, so ernst er sie auch getrieben, und so gründlich er sie meinte, doch noch nicht zum Ziel gelangt und für seinen Zweck vollendet waren.“ –

Schillers poetische Produkte in dieser Periode seines Lebens waren nicht zahlreich, aber bedeutend, und Fortschritte sowohl in Ansehung der Form als des Inhalts zeigten sich deutlich in den Göttern Griechenlands und in den Künstlern. Seine historischen und philosophischen Studien scheinen ihn damals der Dichtkunst entzogen zu haben, denn in den Jahren 1790 bis 1794 wurde kein einziges Originalgedicht fertig. Nur die Übersetzungen aus Virgils Äneis11) fallen in diese Zeit, und zwar nach einem Krankheitsanfall, der Schiller anstrengende Arbeiten verbot. Er hatte damals eine so große Vorliebe für die Oktaven, dass ihm die antiken Silbenmaße wenig zusagten, und unter andern die Vosssche Hexametrik, wie sich ein Jugendfreund erinnert, die er später erst würdigen und schätzen lernte, als ungefügig und dem Ohr zu wenig schmeichelnd, nicht sehr achtete.

Das Studium der Griechen war damals für Schiller sehr anziehend geworden, vorzüglich durch Wieland, mit dem Schiller im Jahr 1787 zuerst persönlich bekannt geworden war, und der auf Schillers wieder auflebende Liebe zu den Alten einen großen Einfluss hatte. Wieland war es auch, der ihm riet, sich wiederum mit der griechischen Sprache zu beschäftigen, die Schiller seit den Jahren seines Abzugs von der Karlsakademie vernachlässigt hatte, und ihn dabei aus seiner Bibliothek freundschaftlich unterstützte. So entstand Schillers Übersetzung der Iphigenia in Aulis12) und einiger Szenen aus den Phönizierinnen des Euripides13). Der Agamemnon des Äschylus sollte nachfolgen, allein die Bearbeitung dieses Stückes unterblieb.

Unter mehreren Plänen, die Schiller damals zu künftigen poetischen Arbeiten entwarf, war auch die Idee zu einer Hymne an das Licht und zu einer Theodicee in ihm rege geworden.

„Auf diese Theodicee“, schrieb Schiller, „freue ich mich sehr; denn die neue Philosophie ist gegen die Leibnitzsche viel poetischer, und hat einen größeren Charakter.“ –

Die Idee, einige Situationen aus Wielands Oberon als Oper zu behandeln, kam nicht zur Ausführung. Länger verweilte er bei dem Gedanken, den Stoff zu einem epischen Gedicht aus dem Leben Friedrichs des Großen zu wählen14). Es findet sich darüber folgende Stelle in seinen damaligen Briefen:

„Die Idee, ein episches Gedicht aus einer merkwürdigen Aktion Friedrich des Zweiten zu machen, ist gar nicht zu verwerfen, nur kommt sie sechs bis acht Jahre für mich zu früh. Alle Schwierigkeiten, die von der so nahen Modernität dieses Süjets entstehen, und die anscheinende Unverträglichkeit des epischen Tons mit einem gleichzeitigen Gegenstande, würden mich so sehr nicht schrecken. – Ein episches Gedicht im achtzehnten Jahrhundert muss ein ganz anderes Ding sein, als eines in der Kindheit der Welt. Und eben das ist’s, was mich an diese Idee so anzieht. Unsere Sitten, der feinste Duft unserer Philosophien, unsere Verfassungen, Häuslichkeit, Künste, kurz alles muss auf eine ungezwungene Art darin niedergelegt werden, und in einer schönen harmonischen Freiheit leben, so wie in der Iliade alle Zweige der griechischen Kultur usw. anschaulich leben. Ich bin auch gar nicht abgeneigt, mir eine Maschinerie dazu zu erfinden, denn ich möchte auch alle Forderungen, die man an den epischen Dichter von Seiten der Form macht, haarscharf erfüllen. Diese Maschinerie aber, die bei einem so modernen Stoff, in einem so prosaischen Zeitalter, die größte Schwierigkeit zu haben schient, kann das Interesse in einem hohen Grade erhöhen, wenn sie eben diesem modernen Geiste angepasst wird. Es rollen allerlei Ideen darüber in meinem Kopf trüb durcheinander, aber es wird sich noch etwas Helles daraus bilden15). Aber welches Metrum ich dazu wählen würde, errätst Du wohl schwerlich – kein anderes als Ottave rime. Alle andere, das jambische ausgenommen, sind mir in den Tod zuwider, und wie angenehm müsste der Ernst, das Erhabene in so leichten Fesseln spielen! Wie sehr der epische Gehalt durch die weiche sanfte Form schöner Reime gewinnen! Singen muss man es können, wie die griechischen Bauern die Iliade, wie die Gondolieri in Venedig die Stanzen aus dem befreiten Jerusalem. – Auch über die Epoche aus Friedrichs Leben, die ich wählen würde, hab’ ich nachgedacht. Ich hätte gern eine unglückliche Situation, welche seinen Geist unendlich poetischer entwickeln lässt. Die Haupthandlung müsste, wo möglich, sehr einfach und wenig verwickelt sein, dass das Ganze immer leicht zu übersehen bliebe, wenn auch die Episoden noch so reichhaltig wären. Ich würde darum immer sein ganzes Leben und sein Jahrhundert darin anschauen lassen. Es gibt hier kein besseres Muster, als die Iliade.“ –

Schiller beschäftigte sich, wie schon früher erwähnt worden, damals vorzüglich mit der Lektüre der griechischen Schriftsteller. „Ich lese jetzt fast nichts als Homer“, schrieb er unter andern, „die Alten geben mir wahre Genüsse. Zugleich bedarf ich ihrer im höchsten Grade, um meinen eigenen Geschmack zu reinigen, der sich durch Spitzfindigkeit, Künstlichkeit und Witzelei sehr von der wahren Simplizität zu entfernen anfing.“ –

Mehrere Stellen seiner damaligen Briefe bewiesen, wie sehr Schiller die echte Kritik ehrte, und mit welcher Strenge er sich selbst beurteilte.

„Mein nächstes Stück“, schrieb er unter andern, „das schwerlich in den nächsten zwei Jahren erscheinen dürfte, muss meinen dramatischen Beruf entschieden. Ich traue mir im Drama dennoch am allermeisten zu, und ich weiß, worauf sich diese Zuversicht gründet. Bis jetzt haben mich die Pläne, die mich ein blinder Zufall wählen ließ, aufs Äußerste embarrassiert, weil die Komposition zu weitläufig und zu kühn war. Lass mich einmal einen simpeln Plan behandeln und darüber brüten.“

Ein Jugendfreund, der ihn damals in Jena besuchte, erinnert sich mehrmals von Schiller gehört zu haben: Es brenne ihm recht in der Seele – seine eigenen Worte – bald wieder mit einem neuen Drama aufzutreten und er sei selbst begierig darauf; es müsse sich, ahne er, nach Form und Gestalt ganz unterscheiden von seinen vorigen. Seit er die Griechen studiert, schwebe ihm ein ganz neues Ideal vom Trauerspiel vor16).

Über den Mangel an Leichtigkeit in seinen Produkten, den ihm Wieland zum Vorwurf gemacht hatte, äußerte sich Schiller folgendermaßen: „Ich fühle während meiner Arbeiten nur zu sehr, dass er Recht hat, aber ich fühle auch, woran der Fehler liegt, und dies lässt mich hoffen, dass ich mich sehr darin verbessern kann. Die Ideen strömen mir nicht reich genug zu, so üppig meine Arbeiten auch ausfallen, und meine Ideen sind nicht klar, ehe ich schreibe. Fülle des Geistes und Herzens von seinem Gegenstande, eine lichte Dämmerung der Ideen, ehe man sich hinsetzt, sie aufs Papier zu werfen, und leichter Humor sind notwendige Requisiten zu dieser Eigenschaft; und wenn ich es einmal mit mir selbst dahin bringe, dass ich jene drei Erfordernisse besitze, so soll es mit der Leichtigkeit auch werden.“ –

„Ich bin überzeugt“, heißt es in einem andern Brief“, dass jedes Kunstwerk nur sich selbst, das heißt, seiner eignen Schönheitsregel Rechenschaft geben darf, und keiner andern Forderung unterworfen ist. Hingegen glaube ich auch festiglich, dass es gerade auf diesem Weg auch alle übrigen Forderungen mittelbar befriedigen muss, weil sich jede Schönheit doch endlich in allgemeine Wahrheit auflösen lässt. Der Dichter, der sich nur Schönheit zum Zweck setzt, aber dieser heilig folgt, wird am Ende alle andere Rücksichten, die er zu vernachlässigen schien, ohne dass er es will oder weiß, gleichsam zur Zugabe mit erreicht haben, da im Gegenteile der, der zwischen Schönheit und Moralität, oder was es sonst sei, unstet flattert, oder um beide buhlt, leicht es mit jeder verdirbt.

Folgende Äußerung findet sich in einer andern Stelle seiner damaligen Briefe:

„Ihr Herren Kritiker, und wie ihr euch sonst nennt, schämt oder fürchtet euch vor dem augenblicklichen, vorübergehenden Wahnwitze, der sich bei allen eigenen Schöpfern findet, und dessen längere oder kürzere Dauer den denkenden Künstler von dem Träumer unterscheidet. Daher eure Klagen, über Unfruchtbarkeit, weil ihr zu früh verwerft und zu streng sondert.“ –

Die glückliche Stimmung, die in der damaligen Zeit aus Schillers Briefen hervorging, wurde noch durch den Besitz einer geliebten Gattin erhöht. Im Februar 1790 erhielt er die Hand des Fräuleins von Lengefeld.

„Es lebt sich doch“, schrieb er einige Monate später an einen Freund, „ganz anders an der Seite einer lieben Frau, als so verlassen und allein – auch im Sommer. Jetzt erst genieße ich die schöne Natur ganz und lebe in ihr. Es kleidet sich wieder um mich herum in dichterische Gestalten, und oft regt sich’s wieder in meiner Brust. – Was für ein schönes Leben führe ich jetzt! Ich sehe mit fröhlichem Geiste um mich her, und mein Herz findet eine immerwährende Befriedigung außer sich, mein Geist eine so schöne Nahrung und Erholung. Mein Dasein ist in eine harmonische Gleichheit gerückt; nicht leidenschaftlich gespannt, aber ruhig und hell gehen mir diese Tage dahin. – Meinem künftigen Schicksale sehe ich mit heiterem Mut entgegen; jetzt, da ich am erreichten Ziel stehe, erstaune ich selbst, wie alles doch über meine Erwartungen gegangen ist. Das Schicksal hat die Schwierigkeiten für mich besiegt, es hat mich zum Ziele gleichsam getragen. Von der Zukunft hoffe ich alles. Wenige Jahre, und ich werde im vollen Genuss meines Geistes leben, ja ich hoffe, ich werde wieder zu meiner Jugend zurückkehren, ein inneres Dichterleben gibt sie mir zurück.“ –

Allein eine so glückliche Lage wurde bald durch einen harten Schlag gestört. Zu Anfang des Jahrs 1791 ergriff Schiller eine heftige Brustkrankheit, die seinen körperlichen Zustand für seine ganze Lebenszeit zerrüttete.

Die Hauptquelle dieses Übels war wohl in Schillers Lebensweise zu suchen. Um nämlich ungestörter studieren zu können, verkehrte er die Ordnung der Natur, widmete den Tag größtenteils den Freuden der Natur und des geselligen Umgangs, und setzte sich erst, wenn die Nacht einbrach an sein Büro, um zu schreiben. Er pflegte dann, um sich munter zu erhalten, starken Kaffee oder Weinschokolade, öfter aber eine Flasche alten Rheinweins oder Champagner neben sich stehen zu haben. Feierlich hörten ihn öfters die Nachbarn in der nächtlichen Stille deklamieren, und wer ihn dann belauschen konnte, welches in Jena von einer, seinem Gartenhäuschen gegenüberliegenden Anhöhe sehr gut anging17), der sah ihn bald in der Stube laut sprechend auf- und niedergehen, bald sich wieder in den Sessel werfen und schrieben, wobei er zuweilen häufiger aus dem neben ihm stehenden Pokale zu trinken pflegte. Im Winter fand man ihn bis früh um vier, auch wohl um fünf Uhr an seinem Schreibtisch, im Sommer bis gegen drei Uhr. Dann ging er zu Bett. Außer demselben fand man ihn nur selten vor neun oder zehn Uhr.

Unter einer solchen, mit der Natur streitenden Lebensweise musste sein Körper erliegen. Nur durch die größte Schonung und Aussetzung aller Geist anstrengenden Arbeiten konnte sein Leben, für das man in der Tat besorgt war, gerettet werden. Es kam alles darauf an, ihn wenigstens auf einige Jahre in eine sorgenfreie Lage zu versetzen. Höchst unerwartet erschien eine plötzliche Hilfe von Dänemark aus, diesem Land, dem auch einst Klopstock die Mittel einer unabhängigen Existenz verdankte, um seinen Messias zu beendigen.

Von dem damaligen Erbprinzen, jetzt regierenden Herzog von Holstein-Augustenburg, und von dem Grafen von Schimmelmann wurde Schiller ein Jahrgehalt von tausend Talern auf drei Jahre, ohne alle Bedingungen und bloß zu seiner Wiederherstellung angeboten. Dies geschah zugleich mit einer Feinheit und Delikatesse, die den Empfänger, wie er schreibt, noch mehr rührte, als das Anerbieten selbst.

Völlige Wiederherstellung seiner Gesundheit erlangte Schiller freilich nicht, wenn er auch von heftigen Anfällen jahrelang befreit bleib. Aber sein Geist siegte über die Schwäche des Körpers, und er vergaß oft sein Übel, wenn ihn eine begeisternde Arbeit anhaltend beschäftigte.

Die Geschichte des dreißigjährigen Krieges hatte in Schiller die Idee geweckt, Gustav Adolph zum Helden eines epischen Gedichts zu wählen, die aber nicht zur Ausführung kam.

„Unter allen historischen Stoffen“, schrieb er darüber, „wo sich poetisches Interesse mit nationalem und politischem noch am meisten gattet, steht Gustav Adolph oben an. – Die Geschichte der Menschheit gehört als unentbehrliche Episode in die Geschichte der Reformation, und diese ist mit dem dreißigjährigen Krieg unzertrennlich verbunden. Es kommt also bloß auf den ordnenden Geist des Dichters an, in einem Heldengedicht, das von der Schlacht bei Leipzig bis zur Schlacht bei Lützen geht, die ganze Geschichte der Menschheit ungezwungen, und zwar mit weit mehr Interesse zu behandeln, als wenn dies der Hauptstoff gewesen wäre.“ –

Die erste Idee zum Wallenstein gehört auch in diese Zeit. Als schon im Jahr 1792 diese Idee zur Ausführung kommen sollte, schrieb Schiller darüber folgendes:

„Eigentlich ist es doch nur die Kunst selbst, wo ich meine Kräfte fühle; in der Theorie muss ich mich immer mit Prinzipien plagen; da bin ich bloß Dilettant. Aber um der Ausübung selbst willen philosophiere ich gern über die Theorie. Die Kritik muss mir jetzt selbst den Schaden ersetzen, den sie mir zugefügt hat. Und geschadet hat sie mir in der Tat, denn die Kühnheit, die lebendige Glut, die ich hatte, ehe mir noch eine Regel bekannt war, vermisse ich schon seit mehreren Jahren18). Ich sehe mich jetzt erschaffen und bilden, ich beobachte das Spiel der Begeisterung und meine Einbildungskraft beträgt sich mit minderer Freiheit, seitdem sie sich nicht mehr ohne Zeugen weiß. Bin ich aber erst so weit, dass mir Kunstmäßigkeit zur Natur wird, wie einem wohlgesitteten Menschen die Erziehung, so erhält auch die Phantasie ihre vorige Freiheit wieder zurück, und setzt sich keine andere, als freiwillige Schranken.“ –

Es vergingen indes noch sieben Jahre bis zur Vollendung des Wallenstein, und man sieht aus Schillers damaligen Briefen, wie nahe er öfters daran war, das Werk ganz aufzugeben.

„Vor dieser Arbeit“, schrieb er unter andern im Jahr 1794, ist mir ordentlich angst und bange, denn ich glaube mit jedem Tag mehr zu finden, dass ich eigentlich nichts weniger vorstellen kann, als einen Dichter, und dass höchstens da, wo ich philosophieren will, der poetische Geist mich überrascht. Was soll ich tun? Ich wage an diese Unternehmung sieben bis acht Monate von meinem Leben, das ich Ursache habe, sehr zu Rate zu halten, und setze mich der Gefahr aus, ein verunglücktes Produkt zu erzeugen. Was ich im Dramatischen zur Welt gebracht, ist nicht sehr geschickt, mir Mut zu machen. Im eigentlichsten Sinn des Worts betrete ich eine mir ganz unbekannte, wenigstens unversuchte Bahn; denn im peitschen habe ich seit drei bis vier Jahren einen völlig neuen Menschen angezogen.“ –

Nicht lange vor diesen Äußerungen hatte Schiller eine Revision seiner Gedichte vorgenommen, vielleicht hätte, sagte er selbst19), bei ihrer Sammlung eine strengere Auswahl getroffen werden sollen. Die wilden Produkte eines jugendlichen Dilettantismus, die unsichern Versuche einer anfangenden Kunst und eines mit sich selbst noch nicht einigen Geschmacks, finden sich hier mit solchen zusammengestellt, die das Werk einer reifern Einsicht sind. Aber bei einer Sammlung von Gedichten, die sich größtenteils schon in den Händen des Publikums befinden, könnte der poetische Wert nicht allein in Betrachtung kommen. Sie sind schon ein verjährtes Eigentum des Lesers, der sich oft auch das Unvollkommene nicht gern entreißen lässt, weil es ihm durch irgend eine Beziehung oder Erinnerung lieb geworden ist, und selbst das Fehlerhafte bezeichnet wenigstens eine Stufe in der Geistesbildung des Dichters. – Der Verfasser dieser Gedichte hat sich, sowie alle seine übrigen Kunstgenossen, vor den Augen der Nation, und mit derselben gebildet; er wüsste auch keinen, der schon vollendet aufgetreten wäre. Er trägt also kein Bedenken, sich dem Publikum auf einmal in der Gestalt darzustellen, in welcher er nach und nach schon vor demselben erschienen ist. Er freut sich, dass ihm das Vergangene vorüber ist, und in sofern er sie überwunden hat, mag er auch seine Schwächen nicht bereuen. – Aus Schillers damaligen poetischen Ansichten erklärt sich die Schärfe, mit der er an die Beurteilung von Bürgers Gedichten20) ging und den an Gesundheit, Hoffnung und Glück verarmten Sänger aufs tiefste verwundete. Dass körperliche Leiden damals eine hypochondrische Stimmung in Schiller erzeugt hätten, ist gänzlich unerwiesen; man sieht vielmehr sehr deutlich aus seinen damaligen Briefen, wie wenig er für begeisternde Wirksamkeit und edleren Lebensgenuss erstorben war.

An der französischen Revolution und dem Schicksal Ludwigs XVI hatte Schiller vielen Anteil genommen. „Weißt Du mir niemand“, schrieb er im Dezember 1792 an einen Freund, „der gut ins Französische übersetzte, wenn ich etwa in den Fall käme, ihn zu brauchen. Kaum kann ich der Versuchung widerstehen, mich in die Streitsache wegen des Königs einzumischen, und ein Memoire darüber zu schreiben. Mir scheint diese Unternehmung wichtig genug, um die Feder eines vernünftigen zu beschäftigen, und ein deutscher Schriftsteller, der sich mit Freiheit und Beredsamkeit über diese Streitfrage erklärt, dürfte wahrscheinlich auf diese richtungslosen Köpf einen Eindruck machen. Wenn ein Einziger aus einer ganzen Nation ein öffentliches Urteil sagt, so ist man wenigstens auf den ersten Eindruck geneigt, ihn als Wortführer seiner Klasse, wo nicht seiner Nation, anzusehen, und ich glaube, dass die Franzosen gerade in dieser Sache gegen fremdes urteil nicht ganz unempfindlich sind. Außerdem ist gerade dieser Stoff sehr geschickt dazu, eine solche Verteidigung der guten Sache zuzulassen, die keinem Missbrauch ausgesetzt ist. Der Schriftsteller, der für die Sache des Königs öffentlich streitet, darf bei dieser Gelegenheit schon einige wichtige Wahrheiten mehr sagen, als ein anderer, und hat auch schon etwas mehr Kredit. Vielleicht rätst Du mir an, zu schweigen, aber ich glaube, dass man bei solchen Anlässen nicht indolent und untätig bleiben darf. Hätte jeder frei gesinnte Kopf geschwiegen, so wäre nie ein Schritt zu unserer Verbesserung geschehen. Es gibt Zeiten, wo man öffentlich sprechen muss, weil Empfänglichkeit dazu da ist, und eine solche Zeit scheint mir die jetzige zu sein.“ –

Ein Jugendfreund Schillers, der ihn um diese Zeit (1792) besuchte, und sich einige Monate in Jena aufhielt, hat einige Züge aus seinem damaligen Leben mitgeteilt21). „Öfters“, sagt er, „genoss ich des geistreichen Umgangs mit Schiller, in seinem Haus, an seinem Tisch, auf Spaziergängen. Er war die Humanität selbst, sowie seine treffliche Gattin ein Muster edler Gefälligkeit und Bescheidenheit war. – Schiller führte mit seiner Gattin um diese Zeit keine eigene Haushaltung. Beide nahmen die Kost in dem Jagemannschen (jetzt Netzischen) Haus am Markt, wo Schiller damals wohnte. Dort speisten auch der damalige D. Legens und jetzige Konsistorialrat Niethammer und der Dekan Göritz (damals Erzieher eines jungen Adeligen aus Frankfurt). Die Tafel war einfach frugal, und durch Schillers sokratischen Ernst und Scherz gewann sie die schönste Würze. Schiller sprach nicht viel, aber was er sprach, gediegen, mit Würde, mit Anmut, er liebte den gemäßigten Scherz; ein Feind des Leeren, und gleichförmig und heiter, wie er war, wenn ihn nicht Anfälle seiner Kränklichkeit verstimmten, hörte man nur selten ein Wort, einen Ausdruck von ihm, der an den glühenden, brausenden Schiller, wie er sich in seine frühern Schriften, Kabale und Liebe, Fiesko, den Räubern besonders, oft darstellte, jetzt erinnert hätte: Wie z. B. als er über eine niederträchtige, kund gewordene Tat eines damals in Jena angesehenen Mannes, die einer der Gesellschaft während des Essens erzählte, lebhaft entrüstet, aber doch mit edler Haltung selbst lächelnd sagen konnte: „Es ist zu verwundern, dass solche Menschen nicht im Gefühle ihrer Nichtswürdigkeit verwesen!“ – Solche kräftige Bilder hörte man nur zuweilen von ihm; oft auch, wenn er von Personen sprach, die er wahrhaft achtete, z. B. von des Kirchenrat Griesbachs Verschwiegenheit in Geschäftssachen. „Seine Brust ist verschlossen, wie ein Archiv!“ – Der Ernst, wenn schon ein milder Ernst, blieb stets vorherrschend bei ihm, und die Sehnsucht nach dem Höhern, Ideellen, von der er ganz durchdrungen war, begleitete ihn oft auch zum Anteil an harmlosen Spielen und Ergötzlichkeiten, denen er sich zuweilen hingab, zum Billard, zum Tarok, selbst zum Kegelschub. Ich erinnere mich, bei einem solchen Zeitvertreib in einem Garten vor der Stadt ihn gesehen zu haben, wie er auf einmal, von dem Kegelspiel sich weg wendend, die Augen zum schönen Abendhimmel emporhub, und auf die Bemerkung eines der Mitspielenden: Ein trefflicher Abend! Wehmütig entgegnete: „Ach! man muss doch das Schöne in die Natur erst hineintragen!“

„Die Liebe zum Vaterland“, schrieb Schiller in der Mitte des Jahres 1793, „ist sehr lebhaft in mir geworden.“ – Er reiste nach Schwaben und verlebte dort vom August bis zum Mai 1794 im Kreis seiner Eltern und Jugendfreunde vergnügte Tage. Er hielt sich abwechselnd in Ludwigsburg und Heilbronn auf, und schrieb von dem letztgenannten Ort aus an den Herzog von Württemberg, gegen den er sich durch seine Entfernung von Stuttgart vergangen hatte. Er erhielt keine Antwort, aber die Nachricht, dass er vom Herzog ignoriert werden würde. Dies bestimmte ihn zur Fortsetzung seiner Reise, und er fand in der Folge, dass er nichts dabei gewagt hatte. Als er einige Zeit nachher die Nachricht von dem Tod des Herzogs erfuhr, betrauerte er ihn mit dem innigsten Gefühl der Dankbarkeit und Verehrung.

In Ludwigsburg war es, wo Schiller die Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen22) schrieb. Sie erschienen in der Folge unter Fichtes Einflüssen, umgearbeitet in den Horen23) und mehrere, die das erste Manuskript mit dem Abdruck vergleichen konnten, wollten behaupten, die einfachere Darstellung in dem ersten Entwurf hätte sie mehr angesprochen24).

Ein anderes Erzeugnis seiner in Ludwigsburg zugebrachten Sommermuse ist seine geistreiche Rezension der Matthissonschen Gedichte25). Die Ansichten über malerische Poesie dankten ihre Entstehung einer Unterredung mit einem seiner Stuttgarter Freunde, dem Geschmack- und einsichtsvollen R- p. – Manche Ideen in jener Rezension sind nur erweiterte R…sche26).

In Ludwigsburg wurde Schiller auch das süße Glück der ersten Vaterfreude zuteil. „Es war ein erhebender Anblick“, erzählt Conz a. a. O. No. 7, S. 52, „den hohen Mann in den einfach wahren Ausdrücken väterlicher Lust und Liebe an seinem Erstgebornen, seinen Goldsohn, wie er ihn oft nannte, zu beobachten. – Zufällig oder absichtlich, ich weiß nicht wie, war ihm auch in jener Zeit Quintilian in die Hände gefallen. Er studierte ihn aufmerksam, und durch das Vaterinteresse gespornt, hauptsächlich des trefflichen Römers Grundsätze über die Erziehung. – Mehrmals sprach er mit Begeisterung darüber, und äußerte, er wolle seinen Sohn nach den Maximen, wie sie Quintilian auseinander setzt, erziehen.

Schiller war damals Willens, ein tragisches Theater der Griechen herauszugeben, in dem die besten Tragödien der Alten metrisch übersetzt werden sollten; allein bald nach seiner Ankunft in Jena führte er einen andern, schon lang entworfnen, aber nun reif gewordenen Plan aus. Er wünschte nämlich die vorzüglichsten Schriftsteller Deutschlands zu einer Zeitschrift zu vereinigen, die alles übertreffen sollte, was jemals von dieser Gattung geleistet worden. So begann, durch einen geachteten Verleger unterstützt27), die Herausgabe der Horen28), nachdem die Thalia mit dem Jahrgang 1793 geschlossen worden war. Die Aussichten für die neue Zeitschrift schienen günstig, und auf die Einladung, daran teilzunehmen, erfolgten von mehreren Seiten viel versprechende Antworten.

Zu den auswärtigen Freunden, mit denen Schiller im Briefwechsel stand, gehörte ganz vorzüglich der Freiherr von Dalberg. Er, der so warmen und tätigen Anteil an den Jugendschicksalen des Dichters genommen hatte, blieb auch späterhin sein wahrer Freund und Verehrer. „Wenn ich es je dahin bringe“, schrieb Schiller noch in Mannheim, „der Welt wichtig zu werden, so weiß ich auch gewiss, dass ich denjenigen nicht vergesse, dem ich alles, alles schuldig bin.“ – Er hielt dies Versprechen aufs treulichste, und übersandte noch ein Jahr vor seinem Tod dem Freiherrn von Dalberg ein Exemplar seines Schauspiels Wilhelm Tell mit einer sehr schmeichelhaften Zueignung, die sich mit den Worten schließt:

– „solch ein Bild darf ich Dir freudig zeigen,
Du kennst’s, denn alles Große ist Dein eigen29).“

Wilhelm von Humboldt, der Bruder des berühmten Reisenden, war damals nach Jena gekommen, und lebte dort mit Schiller in der genauesten Verbindung. Ganz vorzüglich aber war es das innige Verhältnis mit Goethe, das um diese Zeit sich immer fester knüpfte, und Schiller eine reiche Quelle des reinsten Lebensgenusses darbot. Es finden sich mehrere Stellen in Schillers Briefen darüber.

„Bei meiner Zurückkunft (von einer damaligen kleinen Reise) fand ich einen sehr herzlichen Brief von Goethe, der mir mit Vertrauen entgegenkommt. Wir hatten vor sechs Wochen über Kunst und Kunsttheorie ein Langes und Breites gesprochen, und uns die Hauptideen mitgeteilt, zu denen wir auf ganz verschiedenen Wegen gekommen waren. Zwischen diesen Ideen fand sich eine unerwartete Übereinstimmung, die umso interessanter war, weil sie wirklich aus der größten Verschiedenheit der Gesichtspunkte hervorging. Ein jeder konnte dem andern etwas geben, was ihm fehlte, und etwas dafür empfangen. Seit dieser Zeit haben diese ausgestreuten Ideen bei Goethe Wurzel gefasst, und er fühlt jetzt ein Bedürfnis, sich an mich anzuschließen, und den Weg, den er bisher allein und ohne Aufmunterung betrat, mit mir fortzusetzen. Ich freue mich sehr auf einen für mich so fruchtbaren Ideenwechsel.

Ich werde künftige Woche auf vierzehn Tage nach Weimar reisen, und bei Goethe wohnen. Er hat mir so sehr zugeredet, dass ich mich nicht weigern konnte, da ich alle mögliche Freiheit und Bequemlichkeit bei ihm finden soll. Unsere nähere Berührung wird für uns beide entscheidende Folgen haben, und ich freue mich innig darauf.

Wir haben eine Korrespondenz miteinander über gemischte Materien beschlossen, die eine Quelle von Aufsätzen für die Horen werden soll. Auf diese Art meint Goethe, bekäme der Fleiß eine bestimmte Richtung, und ohne zu merken, dass man arbeite, bekäme man Materialien zusammen. Da wir in wichtigen Sachen einstimmig, und doch so ganz verschiedene Individualitäten sind, so kann diese Korrespondenz wirklich interessant werden.“ –

Mit dem folgenden Jahr 1795 kehrte Schiller zur Dichtkunst, die er einige Zeit verlassen hatte, mit erneuerter Liebe zurück, und die meisten und trefflichsten poetischen Produkte, die er teils in die Horen, teils in den Musenalmanach einrücken ließ, fallen in diese Periode30). So unter andern das Reich der Schatten oder das Ideal und das Leben31), die Elegie oder der Spaziergang32) und die Ideale33).

Die Elegie hielt Schiller für eins seiner gelungensten Werke. „Mir deucht“, schrieb er darüber, „das sicherste empirische Kriterium von der wahren poetischen Güte meines Produkts dieses zu sein, dass es die Stimmung, worin es gefällt, nicht erst abwartet, sondern hervorbringt, also in jeder Gemütslage gefällt. Und dies ist mir noch mit keinem meiner Stücke begegnet als mit diesem.

Das Reich der Schatten ist, mit der Elegie verglichen, bloß ein Lehrgedicht. Wäre der Inhalt so poetisch ausgeführt worden, wie der Inhalt der Elegie, so wäre es in gewissem Sinne ein Maximum gewesen. – Und das will ich versuchen, sobald ich Muße bekomme. Ich will eine Idylle schreiben, wie ich hier eine Elegie schrieb. Alle meine poetischen Kräfte spannen sich zu dieser Energie an – das Ideal der Schönheit objektiv zu individualisieren, um daraus eine Idylle in meinem Sinne zu bilden. Ich teile nämlich das ganze Feld der Poesie in die naive und die sentimentalische. Die naive hat gar keine Unterarten (in Rücksicht auf die Empfindungsweise nämlich) die sentimentalische hat ihrer drei: Satire, Elegie, Idylle. In der sentimentalischen Dichtkunst (und aus dieser heraus kann ich nicht) ist die Idylle das höchste, aber auch das schwierigste Problem. Es wird nämlich aufgegeben, ohne Beihilfe des Pathos, einen hohen, ja den höchsten poetischen Effekt hervorzubringen. Mein Reich der Schatten enthält dazu nur die Regeln; ihre Befolgung in einem einzelnen Falle würde die Idylle, von der ich rede, erzeugen. Ich habe ernstlich im Sinne, da fortzufahren, wo das Reich der Schatten aufhört. Die Vermählung des Herkules mit der Hebe würde der Inhalt meiner Idylle sein. Über diesen Stoff hinaus gibt es keinen mehr für den Poeten, denn dieser darf die menschliche Natur nicht verlassen, und eben von diesem Übertritt des Menschen in den Gott würde diese Idylle handeln. Die Hauptfiguren wären zwar schon Götter, aber durch Herkules kann ich sie noch an die Menschheit anknüpfen, und eine Bewegung in das Gemälde bringen. Gelänge mir dieses Unternehmen, so hoffte ich dadurch mit der sentimentalischen Poesie über die naive selbst triumphiert zu haben.

Eine solche Idylle würde eigentlich das Gegenstück der hohen Komödie sein, und sie auf einer Seite (in der Form) ganz nahe berühren, indem sie auf der andern und im Stoff das direkte Gegenteil davon wäre. Die Komödie schließt nämlich gleichfalls alles Pathos aus, aber ihr Stoff ist die Wirklichkeit; der Stoff dieser Idylle ist das Ideal. Die Komödie ist dasjenige in der Satire, was das Produkt quaestionis in der Idylle (diese als ein eigenes sentimentalisches Geschlecht betrachtet) sein würde. Zeigte es sich, dass eine solche Behandlung der Idylle unausführbar wäre – dass sich das Ideal nicht individualisieren ließe – so würde die Komödie das höchste poetische Werk sein, für welche sich sie immer gehalten habe, bis ich anfing, an die Möglichkeit einer solchen Idylle zu glauben.

Denken Sie sich aber den Genuss, in einer poetischen Darstellung alles Sterbliche ausgelöscht, lauter Licht, lauter Freiheit, lauter Vermögen – keinen Schatten, keine Schranken, nichts von dem allen mehr zu sehen. – Mir schwindelt, wenn ich an diese Aufgabe, wenn ich an die Möglichkeit ihrer Auflösung denke. Ich verzweifle nicht ganz daran, wenn mein Gemüt nur erst ganz frei, und von allem Unrat der Wirklichkeit recht rein gewaschen ist; ich nehme dann meine ganze Kraft und den ganzen ätherischen Teil meiner Natur noch auf einmal zusammen, wenn er auch bei dieser Gelegenheit rein sollte aufgebraucht werden. Fragen Sie mich aber nach nichts. Ich habe bloß noch ganz schwankende Bilder davon, und nur hie und da einzelne Züge. Ein langes Studieren und Streben muss mich erst lehren, ob etwas Festes, Plastisches daraus werden kann.“ –

Diese Ideen wurden nicht realisiert, da bald darauf Schillers Liebe fürs Dramatische wieder erwachte. Die Geschichte der türkischen Belagerung von Malta sollte zum Stoffe eines Trauerspiels dienen, bei dem er viel von dem Gebrauch des Chors erwartete. Der Plan von diesem Stück, den Malthesern, befindet sich in Schillers Nachlass34) und die Ausführung wurde damals bloß aufgeschoben, weil er sich im Mai 1796 für den Wallenstein entschied.

Es finden sich in Schillers Briefen mehrere Äußerungen über dies dramatische Produkt, die wir teils hier, teils in der angehängten Übersicht, der poetischen Werke Schillers einschalten wollen.

„Ich sehe mich“, schrieb Schiller, „auf einem sehr guten Wege, den ich nur fortsetzen darf, um etwas Gutes hervorzubringen. Dies ist schon viel, und auf alle Fälle sehr viel mehr, als ich in diesem Fach sonst von mir rühmen konnte. Vordem legte ich das ganze Gewicht in die Mehrheit des Einzelnen; jetzt wird alles auf die Totalität berechnet, und ich werde mich bemühen, denselben Reichtum im Einzelnen mit ebenso vielem Aufwand von Kunst zu verstecken, als ich sonst angewandt, ihn zu zeigen, um das Einzelne recht vordringen zu lassen. Wenn ich es auch anders wollte, so erlaubt es mir die Natur der Sache nicht, denn Wallenstein ist ein Charakter, der – als echt realistisch – nur im Ganzen, aber nie im Einzelnen interessieren kann. Er hat nichts edles, er erscheint in keinem einzelnen Lebensakt groß, er hat wenig Würde und dergleichen. – Ich hoffe aber nichts desto weniger auf rein realistischem Weg einen dramatischen großen Charakter in ihm aufzustellen, der ein echtes Lebensprinzip hat. Vordem habe ich, wie im Posa und Carlos die fehlende Wahrheit durch schöne Idealität zu ersetzen gesucht; hier im Wallenstein will ich es probieren, und durch die bloße Wahrheit für die fehlende Idealität (die sentimentalische nämlich) entschädigen.

Die Aufgabe wird dadurch schwer, aber auch interessanter, dass der eigentliche Realismus den Erfolg nötig hat, den der idealistische Charakter entbehren kann. Unglücklicherweise aber hat Wallenstein den Erfolg gegen sich. Seine Unternehmung ist moralisch schlecht, und sie verunglückt physisch. Er ist im Einzelnen nie groß, und im Ganzen kommt er um seinen Zweck. Er kann sich nicht, wie der Idealist, in sich selbst einhüllen und sich über die Materie erheben, sondern er will die Materie sich unterwerfen, und erreicht es nicht.

Dass sie mich auf diesem neuen, und mir nach allen vorhergegangenen Erfahrungen fremden Weg mit einiger Besorgnis werden wandeln sehen, will ich wohl glauben. Aber fürchten Sie nicht zu viel. Es ist erstaunlich, wie viel Realistisches schon die zunehmenden Jahre mit sich bringen, wie viel der anhaltende Umgang mit Goethe, und das Studium der Alten, die ich erst nach dem Carlos habe kennen lernen, bei mir nach und nach entwickelt hat. – Dass ich auf dem Weg, den ich nun einschlage, in Goethes Gebiet gerate und mich mit ihm werde messen müssen, ist freilich wahr; auch ist es ausgemacht, dass ich hierin neben ihm verlieren werde. Weil mir aber auch etwas übrig bleibt, was mein ist, und er nie erreichen kann, so wird sein Vorzug mir und meinem Produkte keinen Schaden tun, und ich hoffe, dass die Rechnung sich ziemlich heben soll. Man wird uns, wie ich in meinen mutvollsten Augenblicken mir verspreche, verschieden spezifizieren, aber unsere Arten einander nicht unterordnen, sondern unter einem höhern idealistischen Gattungsbegriff einander koordinieren.“ –

„Noch immer“, schrieb Schiller acht Monate später an einen andern Freund, „liegt das unglückselige Werk formlos und endlos vor mir da. Keines meiner alten Stücke hat so viel Zweck und Form als der Wallenstein jetzt schon hat, aber ich weiß jetzt zu genau was ich will, und was ich soll, als dass ich mir das Geschäft so leicht machen könnte. – Es ist mir fast alles abgeschnitten, wodurch ich diesem Stoffe, nach meiner gewohnten Art, beikommen könnte, von dem Inhalte habe ich fast nichts zu erwarten, alles muss durch eine glückliche Form bewerkstelligt werden.

Du wirst dieser Schilderung nach, fürchten, dass mir die Lust an dem Geschäft vergangen sei, oder, wenn ich dabei wider meine Neigung beharre, dass ich meine Zeit dabei verlieren werde. Sei aber unbesorgt, meine Lust ist nicht im Geringsten geschwächt, und ebenso wenig meine Hoffnung eines trefflichen Erfolgs. Gerade so ein Stoff musste es sein, an dem ich mein neues dramatisches Leben eröffnen konnte. Hier, wo ich nur auf der Breite eines Schermessers gehe, wo jeder Seitenschritt das Ganze zu Grunde richtet, kurz, wo ich nur durch die einzige innere Wahrheit, Notwendigkeit, Stetigkeit und Bestimmtheit meinen Zweck erreichen kann, muss die entscheidende Krise mit meinem poetischen Charakter erfolgen. Auch ist sie schon stark im Anzug, denn ich traktiere mein Geschäft ganz anders, als ich ehemals pflegte. Der Stoff und Gegenstand ist so sehr außer mir, dass ich ihm kaum eine Neigung abgewinnen kann; er lässt mich beinahe kalt und gleichgültig, und doch bin ich für die Arbeit begeistert. Zwei Figuren ausgenommen, an die mich Neigung fesselt, behandle ich alle übrigen, und vorzüglich den Hauptcharakter, bloß mit der reinen Liebe des Künstlers, und ich verspreche Dir, dass sie dadurch um nichts schlechter ausfallen sollen. Aber zu diesem bloß objektiven Verfahren war und ist mir das weitläufige und freudlose Studium der Quellen so unentbehrlich, denn ich musste die Handlung, wie die Charaktere, aus ihrer Zeit, ihrem Lokal, und dem ganzen Zusammenhang der Begebenheiten schöpfen, welches ich weit weniger nötig hätte, wenn ich mich durch eigenen Erfahrung mit Menschen und Unternehmungen aus dieser Klasse hätte bekannt machen können. Ich suche absichtlich in den Geschichtsquellen eine Begrenzung, um meine Ideen durch die Umgebung der Umstände streng zu bestimmen und zu verwirklichen. Davor bin ich sicher, dass mich das Historische nicht herabziehen oder lähmen wird. Ich will dadurch meine Figuren und meine Handlung bloß beleben; beseelen muss sie diejenige Kraft, die ich allenfalls schon habe zeigen können, und ohne welche ja überhaupt kein Gedanke an dieses Geschäft von Anfang an möglich gewesen wäre.“ –

Es vergingen indes noch zwei Jahre und beinahe vier Monate, ehe Schiller den Wallenstein endigte. Unter mehreren kleineren Gedichten, die in dieser Zeit entstanden, waren auch die Xenien35). Über ihre Entstehung äußerst sich ein geachteter Schriftsteller folgendermaßen:

„An Goethes Seite begann für Schiller eine neue und schönere Jugend. Hohe Begeisterung für alles Treffliche, lebendiger Hass gegen falschen Geschmack überhaupt, und gegen jede Beschränkung der Wissenschaft und Kunst, berauschender Übermut im Gefühl einer vorher kaum geahnten Kraft, war damals bei ihm die herrschende Stimmung. Daher seine Vereinigung mit Goethe zu einem Unternehmen, das Schiller selbst auf folgende Art beschreibt:

Die Einheit kann bei einem solchen Produkt bloß in einer gewissen Grenzenlosigkeit, und alle Messung überschreitenden Fülle gesucht werden, und damit die Heterogenität der beiden Urheber in dem Einzelnen nicht zu erkennen sei, muss das Einzelne ein Minimum sein. Kurz, die Sache besteht in einem gewissen Ganzen von Epigrammen, deren jedes ein Monodistichon ist. Das meiste ist wilde Satire, besonders auf Schriftsteller und schriftstellerische Produkte, untermischt mit einzelnen poetischen und Philosophischen Gedanken-Blitzen. Es werden nicht unter 600 solcher Monodistichen werden, aber der Plan ist, auf 1000 zu steigen. Sind wir mit einer bedeutenden Anzahl fertig, so wird der Vorrat, mit Rücksicht auf eine gewisse Einheit, sortiert, überarbeitet, um einerlei Ton zu erhalten, und jeder wird dann von seiner Manier etwas aufzuopfern suchen, um sich dem andern mehr anzunähern.“ –

Dieser Plan kam nicht zur Ausführung. „Nachdem ich“, schrieb Schiller im Julius 1798, „die Redaktion der Xenien gemacht hatte, fand sich, dass noch eine erstaunliche Menge neuer Monodistichen nötig sei, wenn die Sammlung auch nur einigermaßen den Eindruck eines Ganzen machen sollte. Weil aber etliche Hundert neue Einfälle, besonders über wissenschaftliche Gegenstände, einem nicht so leicht zu Gebote stehen, auch die Vollendung des Meisters Goethe eine starke Diversion macht, so sind wir übereingekommen, die Xenien nicht als ein Ganzes, sondern zerstückelt dem Almanach einzuverleiben. Die ernsthaften, philosophischen und poetischen werden daraus vereinzelt, und bald in größeren, bald in kleinern Ganzen vorn im Almanach angebracht. Die satirischen folgen unter dem Namen Xenien nach.“

Was die Xenien betrifft, so wäre wohl eine strengere Auswahl dabei zu wünschen gewesen. Schiller war allerdings damals gereizt. Die Horen waren von mehreren Seiten mit Kälte, Gleichgültigkeit, ja Geringschätzung aufgenommen worden, und es musste Schiller erbittern, wenn er da, wo er im Vertrauen auf den Beistand der ersten Schriftsteller, sich eine große Wirkung versprochen hatte, nur zu oft Mangel an Empfänglichkeit und kleinliche Ansichten fand36).

Dass eine solche gereizte Stimmung damals in ihm vorherrschend gewesen, sieht man auch sehr deutlich aus einer Rechtfertigung gegen einige Angriffe, die Schiller wegen der harten Rezension der Bürgerischen Gedichte erfahren hatte. „Jene Rüge“, sagt er37), „konnte bloß einem wahren Dichtergenie gelten, das von der Natur reichlich ausgestattet war, aber versäumt hatte, durch eigne Kultur jenes seltne Geschenk auszubilden. Ein solches Individuum durfte und musste man unter den höchsten Maßstab der Kunst stellen, weil es Kraft in sich hatte, demselben, sobald es ernstlich wollte, genug zu tun; aber es wäre lächerlich und grausam zugleich, auf ähnliche Art mit Leuten zu verfahren, an welche die Natur nicht gedacht hat, und die mit jedem Produkt, das sie zu Markte bringen, ein vollgültiges Testimonium paupertatis aufweisen.“ –

Es ist hier vielleicht der Ort, Schillers Urteil über Tiecks Minnelieder einzuschalten, wie es Falk in seiner Zeitschrift Elysium und Tartarus nach mündlichen Äußerungen des Dichters mitteilte38).

„Wenn die Sperlinge auf dem Dach“, heißt es, „je auf den Einfall kommen sollten, zu schrieben, oder einen Almanach für Liebe und Freundschaft herauszugeben, so lässt sich zehn gegen eins wetten, er würde ungefähr ebenso beschaffen sein. Welch’ eine Armut an Ideen, die diesen Minneliedern zum Grunde liegt! Ein Garten, ein Baum, eine Hecke, ein Wald und ein Liebchen; ganz Recht! Das sind ungefähr die Gegenstände alle, die in dem Kopf eines Sperlings Platz haben. Und die Blumen, die duften, und die Früchte, die reifen, und ein Zweig, worauf ein Vogel im Sonnenschein sitzt und singt, und der Frühling, der kommt, und der Winter, der geht, und nichts, was da bleibt, als – die Langeweile.“

Im Jahr 1797 entstanden Schillers erste Balladen, durch einen Wetteifer mit Goethe veranlasst. Beide Dichter teilten sich in die Stoffe, die sie gemeinschaftlich ausgesucht hatten. Schiller versuchte sich in spätern Jahren noch öfters in dieser Gattung, während andere kleine Gedichte seltener von ihm erschienen.

Mit dem Jahr 1799 hörte die Herausgabe des Musenalmanachs auf. Die Horen hatten schon früher geendigt. Außer einigen Beiträgen, die Schiller zu Goethes Propyläen lieferte, widmete er sich ganz den dramatischen Arbeiten. Über den Wallenstein, dessen Beendigung in diese Zeit fällt, schrieb er im Mai 1799 an einen seiner Freunde in Weimar:

„Sie sprechen in ihren Bemerkungen mehreres so treffend aus, was ich in das Stück habe legen wollen, und dem Takt des Zuschauers überlassen musste herauszufühlen, dass mich diese Versicherung meiner gelungenen Absicht notwendig erfreuen muss. Freilich konnte die Intention des Poeten nicht überall deutlich erscheinen, da zwischen ihm und dem Zuschauer der Schauspieler stand; nur meine Worte und das Ganze meines Gemäldes können gelten. – Wenn die Wallensteinschen Stücke ein Jahr lang gedruckt durch die Welt gelaufen sind39) kann ich vielleicht selbst ein Paar Worte darüber sagen. Jetzt liegt mir das Produkt noch zu nahe vor dem Gesicht, aber ich hoffe jedes einzelne Bestandstück des Gemäldes durch die Idee des Ganzen begründen zu können.

Eine nähere Schilderung der Vorgänge bei der ersten Aufführung des Lagers und Wallensteins im J. 1798 möge hier eine Stelle finden40).

Das erneuerte Schauspielgebäude zu Weimar, nach Goethes Ideen, und unter der Leitung Thourets, Architekten aus Stuttgart ausgeführt, sollte mit Wallensteins Lager eröffnet werden. Die Schauspielergesellschaft war von Lauchstädt zurückgekehrt, und Schiller von Jena herübergekommen, um beim Einstudieren des Lagers selbst gegenwärtig zu sein. – Bei den Proben wirkten Goethe und Schiller vereint; jener hatte die äußere Anordnung übernommen, da Schiller fürs Gruppieren u. dergl. überhaupt kein solches Talent hatte, als Goethe, bei dem sich gleich alles plastisch gestaltete. Die Generalprobe wurde schon im Theaterkostüm gehalten, und das rege Leben, das sich der Schauspieler und des kleinen Teils des Publikums, dem es erlaubt worden war, der Probe beizuwohnen, bemächtigte, war so groß, dass Schiller in der Loge nicht länger als ruhiger Zuschauer verweilen konnte, sondern sich unter die Spielenden mischte, und noch hie und da eine Bemerkung einschob. – Hinsichtlich des Reiterliedes verdient es vielleicht bemerkt zu werden, dass von den Kompositionen, die Schiller durch Zelter, Zumsteeg u. a. zugesandt erhalten hatte, ihn keine befriedigte, bis er endlich durch Cotta eine Komposition erhielt, die ein Freund desselben, Hr. Dr. Zahn in Calw fürs Pianoforte gesetzt hatte. Man kann wohl sagen, dass sie recht eigentlich zum Volkslied wurde, das auch noch jetzt nicht ganz verklungen ist. –

Die wirkliche Vorstellung übertraf alles, was man sich davon versprochen hatte; sie war ein Ganzes, wo jeder verständig hervortrat, oder sich unterordnete. Wer auch die herrlichen dichterischen Ideen im Prolog, die Aufschlüsse, welche Schiller über die dramatische Kunst gibt, nicht ganz verstand, der freute sich doch an dem Wohlklang der edlen Worte, die der Schauspieler Vohs mit Innigkeit, Anmut und Würde sprach. Er hatte das Kostüm angelegt, was er späterhin als Max Piccolomini trug. – Die Aufführung des Lagers ging trefflich vonstatten, doch gebührte unter den Darstellern Genast der Preis, als Kapuziner, und Leißring, als erstem Jäger. –

Während der Vorbereitungen zu der Aufführung der Piccolomini, die zum Geburtstag der Herzogin, dem 30. Januar 1799, gegeben werden sollten, ereignete sich ein Vorfall, der Schiller verdrießlich, und mehrere seiner Bekannten verlegen machte. Er hatte einigen Freunden das Manuskript mitgeteilt, allen aber die strengste Diskretion empfohlen, weil er den Verpflichtungen nach, die er mit verschiedenen Theaterdirektionen hatte, nicht wünschen konnte, dass sein Stück in Abschriften zirkuliere. Auf einmal erfuhr man, es sei auf einer Privatbühne in Kopenhagen gespielt worden, und man habe es dort aus Weimar erhalten. Die Sache klärte sich endlich auf. Ein gewisser dienstfertiger Mann hatte, um sich seinen Kopenhagener Freunden gefällig zu zeigen, und ihnen den Genuss dieses Kunstwerks zu verschaffen, binnen einer Nacht eine Abschrift davon nehmen lassen; denn nur solange hatte ihm der Regisseur Schall, der den andern Morgen das Buch an Schiller abliefern musste, solches überlassen, um seine Theateranzeigen, die er davon fertigen wollte, vollständiger zu machen.

Die Leseproben zur Aufführung der Piccolomini hatten bewiesen, dass es kein leichtes Unternehmen sei, den verbannten Vers wieder auf dem Theater einzuführen, und die richtige Deklamation desselben den Schauspielern, die sich vom rhythmischen Gang ganz entwöhnt hatten, begreiflich zu machen. Das vereinte Streben Goethes und Schillers besiegte diese Schwierigkeit. Den jüngern Schauspielern wurde der Unterschied zwischen Skandieren, rhythmisch sprechen oder die Verse wie Prosa herabrollen, begreiflich gemacht; auch die Ältern fügten sich; nur einige, die unbelehrbar waren, wurden bei Seite geschoben. Es entstanden dadurch einige Lücken, wie denn die Herzogin von Friedland unbesetzt blieb, bis Goethe auf Schiller auf den Einfall kamen, die Rolle durch eine ganz junge Schauspielerin, Mlle. Malcolini zu besetzen, die mit vieler Fähigkeit den Unterricht annahm, und in der Folge, als Madame Wolf, eine Zierde der Weimarschen Bühne wurde41). – Das Probieren dauerte fleißig fort; auch mit dem Kostüm beschäftigte man sich ernstlich. Hut, Stiefel und Wamms eines schwedischen Offiziers, die sich in einer alten Rüstkammer zu Weimar fanden, entzückten Schiller, und Goethe erfreute sich auch höchlich, als er durch den günstigen Zufall, die Verlegenheit, wie der gravitätische Questenberg zu kleiden sei, auf einmal gehoben sah. Bei einem Besuch in Jena, wo Goethe, wie damals immer, auf dem Schloss wohnte, richtete er von ungefähr seine Augen auf den ungeheuren eisernen Ofen im Zimmer und siehe da! Die Platte trägt die Jahrzahl von Wallensteins Abfall und die unvergleichlichsten Figuren, nach denen nun „die alte Perücke42)“ die bei alle dem kein Zerrbild ist, gekleidet wurde.

Schon früh am Tag strömten aus der Nachbarschaft, zumal von Jena, Theaterfreunde herbei. – Man drängte sich ins Theater, und konnte es kaum erwarten, bis der Vorhang aufflog. – Die ersten Darsteller der so überaus dankbaren Rollen des Max und der Thekla konnten für Muster gelten. Vohsens schönem Naturell war die erste Rolle vollkommen angemessen; sein treffliches Organ behielt den vollen Wohlklang; Gebärde und Stellung zeigten Anstand und Mäßigung; nur etwas weniger weich hätte man ihn gewünscht. Dagegen wollten viele die Thekla zu kalt, zu fest finden. Schiller war jedoch mit ihr vollkommen zufrieden, und gewiss ist’s, dass Mlle. Jagemann, welche Wallensteins „starkes Mädchen43)“, besonders hervorhob, durch diese Art, die Rolle aufzufassen, der eigentlichen Idee des Dichters sehr nahe kam. – Auch wird schwerlich eine der ersten Theklas das Lied mit einer so schönen Stimme, so kunstreich gesungen, so einfach und ausdrucksvoll vorgetragen haben. – Schiller hatte gehofft, dass Schröder die Rolle des Wallensteins auf der Weimarschen Bühne übernehmen werde; allein er sah sich darin getäuscht. Indes fasste Graff den Charakter gut auf, und übertraf viele Wallensteine nach ihm, unter andern auch Iffland, der diese Rolle ganz vergriff. Octavio ließ viel zu wünschen übrig; auch manche Nebenrollen waren nicht in den besten Händen; allein sie störten nicht, indem sich doch ein harmonischer Geist durch das Ganze hindurch zog. – Die Piccolomini spielten in der ersten Aufführung sehr lang; erst in der folgenden wurde gestrichen. Die Einteilung der beiden Teile des Wallensteins war damals anders, als jetzt; die Piccolomini schlossen erst nach den zwei ersten Akten des Wallensteins. – An der Länge fanden manche vieles zu tadeln, wie überhaupt nicht alle gleich von der Vortrefflichkeit der Gattung, von der dichterischen Begeisterung und den großartigen Gesinnungen des Dichters in diesem Schauspiel so ergriffen wurden, als sich’s erwarten ließ. Es gab indes auch Beurteiler, welche eine aufrichtige Freude an dem Schönen und Edlen, an dem richtigen Weg, welcher der dramatischen Dichtkunst eröffnet wurde, empfangen. Nur waren ihrer gleich zu Anfang wenige; die gewaltige Erscheinung hatte zu sehr Geist und Gemüt und Einbildungskraft bewegt, als dass eine unbefangene Ansicht möglich gewesen wäre. – Schiller selbst war mit der Darstellung sehr zufrieden, und in seiner Freude, die er den Schauspielern wiederholt äußerte, fügte er zu dem Mahl im zweiten Akt noch einige Flaschen Champagner hinzu, die er selbst unter dem Mantel hinauftrug44).

In den letzten Jahren seines Aufenthalts in Jena, pflegte Schiller in seinem, unfern von dem Wesselhöftschen Haus (der damaligen Expedition d. Allgem. Lit. Zeitung) gelegenen Garten, den er 1796 gekauft hatte, den Sommer zuzubringen. Der erwähnte Garten liegt vom Jenaschen Marktplatz an gerechnet, südwestlich bei der Stadt, zwischen dem Engelgatter und dem Neutor, an einer Schlucht, durch welche sich ein Teil des Leutrabachs um die Stadt zieht45). Das Wohnhaus lag vorn in der Mitte; Schiller hatte sich ein kleines Häuschen mit einem einzigen Zimmer an der obern Ecke nach der Leutra zu bauen lassen46). Es war sein Lieblingsaufenthalt, wenn er sich im Garten befand, und ein großer Teil seiner damaligen Produkte wurde dort gedichtet. Im Winter wohnte er, ebenfalls abgesondert von dem Gewühl der Menschen, im Griesbachischen Haus hinten hinaus nach dem Stadtgraben, vorher im Schrammschen in der Jenergasse, auch in dem Cramerschen unweit dem alten Fechtboden.

Ehe wir diese dritte Periode schließen, wollen wir einen blick auf Schillers theoretische Studien werfen, worüber sich folgende Äußerung in seinen Briefen findet:

„Ich habe vor einiger Zeit Aristoteles Poetik gelesen, und sie hat mich nicht nur nicht niedergeschlagen und eingeengt, sondern wahrhaft gestärkt und erleichtert. Nach der peinlichen Art, wie die Franzosen den Aristoteles nehmen, und an seine Forderungen vorbeizukommen suchen, erwartet man einen kalten, illiberalen und steifen Gesetzgeber in ihm, und gerade das Gegenteil findet man. Er dringt mit Festigkeit und Bestimmtheit auf das Wesen, und über die äußern Dinge ist er so lax, als man sein kann. Was er vom Dichter fordert, muss dieser von sich selbst fordern, wenn er irgend weiß, was er will; es fließt aus der Natur der Sache. Die Poetik handelt beinahe ausschließend von der Tragödie, die er mehr als irgendeine andere poetische Gattung begünstigt. Man merkt ihm an, dass er aus einer sehr reichen Erfahrung und Anschauung heraus spricht, und eine ungeheure Menge tragischer Vorstellungen vor sich hatte. Auch ist in seinem Buch absolut nichts Spekulatives, keine Spur von irgendeiner Theorie; es ist alles empirisch, aber die große Anzahl der Fälle, und die glückliche Wahl der Muster, die er vor Augen hat, gibt seinem empirischen Aussprüchen einen allgemeinen Gehalt, und die völlige Qualität von Gesetzen.“

Ü   Þ


1) Was heißt und zu welchem Zweck studiert man Universalgeschichte. Zuerst im deutsch. Merkur 1789, Novemb. S. 105 u. f.; dann in Schillers kl. Pros. Schriften, T. 1, S. 54-98, und in d. Werken. T. A. Bd. 16, S. 1-34. O. A. Bd. VII., S. 1-32. ­
2) Auf dem Katheder soll Schiller die Gabe des mündlichen Vortrags gefehlt haben. Dies konnte nur wegen Ungewohnheit des öffentlichen Vortrags sein; denn wie vortrefflich, beredet, anhaltend und echt belehrend er sprechen konnte, wissen seine Freunde. Seine Schwächlichkeit hinderte ihn an ununterbrochenen Vorträgen von Tag zu Tag. Er wollte sich daher einst mit einem jüngern Professor verabreden, dass sie zusammen ein und dasselbe Kollegium lesen möchten. Es hätte viel Gutmütigkeit und Freundschaft gegen ihn dazu gehört, da statt seiner erscheinen zu wollen, wo auch er erwartet werden konnte. (S. Woltmann’s deutsche Blätter, Januar 1813, Heft 2, S. 155)
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3) Erste Abteil. Bd. 1-4. Zweite Abteil. Bd. 1-29, Jena, 1790-1806. Nur der Plan des Werks, und einige (in d. Werk. wieder abgedruckte Aufsätze) gehören Schiller, der größere Teil, Woltmann, Paulus u. a. Man vergl. über d. histor. Memoires. Allgem. Lit. Zeit. 1792. Bd. 1. No. 52. 1794, Bd. 1, No. 106. 1795, Bd. 1, No. 8. 1799, Bd. 3, No. 291. 1801, Bd. 2, No. 156. 1803, Bd. 3. No. 250.
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4) Zuerst als historischer Kalender f. Damen auf d. J. 1791. Leipz. 1790-92. 3 Teile 12 mit Kpfr. Neue verbesserte Auflage. Ebendas. 1802. 2 Bd. 8.; dann in d. Werk. T. A. Bd. 14 u. 15. O. A. Bd. VI. Vergl. Allgem. Lit. Zeit. 1790. Bd. 4. No. 339. 1792. Bd. 1. No 66. 1794. Bd. 1. No. 96. Goth. gel. Zeit. 1790. St. 99. 1792. St. 12. u. 101. – Eine Fortsetzung des Werks lieferte Woltmann: Schillers Geschichte des 30jähr. Kriegs. T. 3. u. 4. Leipzig 1809-9. 8. (auch unter dem Titel: Geschichte des westfälischen Friedens) Eine englische Übersetzung erschien von Blaquiere (London 1799.) eine französische unter dem Titel: Histoire de la guerre de trente ans par Mr. Schiller, trad. de l’Allemand; à Berne 1794. 8. Eine italienische unter dem Titel: Storia della guerra de trent’ anni, seritta in lingua tedesca da Federigo Schiller, e tradotta in lingna italiana da Antonio Benci. 2 Tom. Firenze 1822. (in der Vorrede, P. I-XXVI. Befindet sich ein kurzer Abriss von Schillers Leben und s. literar. Bedeutsamkeit.)
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5) In d. Vorrede zur Gesch. d. 30jährigen Krieges, in dem histor. Kalender für Damen. Leipzig 1790-92.
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6) Vergl. Conz: Einiges über Schiller (in d. Zeit. f. d. eleg. Welt. Januar 1823, No. 4, S. 29. No. 6, S. 42). ­
7) In d. Werk. T. A. Bd. 17, S. 165-371, Bd. 18, S. 1-416. O. A. Bd. VIII. Abt. 1, S. 1-235, Abt. 2, S. 1- 249.
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8) Vergl. d. Leipziger Frauenzimmer-Almanach z. Nutzen u. Vergnügen auf d. J. 1819. S. 11-12.
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9) Zur Naturgesch. U. Morphologie. Bd. 1, Heft 2, S. 107 u. f.
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10) In s. Gesch. d. alten u. neuen Literatur. Wien 1815. Bd. II. S.516.
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11) Zuerst in d. Neuen Thalia 1792, St. 1, S. 1-78, St. 2, S. 131-172, St. 6. S. 298-323, dann in den Gedichten, T. 1. S. 207 u. f. T. 2, S. 845 u. f.; und in d. Werken. T. A. Bd. 1, S. 209-302. O. A. Bd. III, S. 445-486 (mit einer Vorerinnerung des Verfassers).
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12) Zuerst in d. Thalia, Bd. 2, Heft 6, S. 1-58. Heft 7, S. 1-69; dann in Schillers Theater, Bd. 4, S. 499 u. f. u. in d. Werk. T. A. Bd. 4, S. 179-292. O. A. Bd. 4. S. 3-119.
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13) Zuerst in d. Thalia. Bd. 2, Heft 8, S. 1-41; dann in den Gedichten Bd 2. S. 341 u. f. und in d. Werken T. A. Bd. 4. S.293-327. O. A. Bd. 4, S. 119-155.
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14) Vergl. Conz: Einiges über Schiller (in d. Zeit. f. d. eleg. Welt. Januar 1823, No. 5 S. 36) Noch in späteren Jahren 1797 und 98 trug sich Schiller aufs lebhafteste mit dieser Idee, und legte sie im Gespräch mit jener ganz eigentümlichen Begeisterung dar, die ihn zu dem ausführlichsten Detail hinriss, wenn er künftige Pläne als poetischer Denker entwickelte. (S. Woltmanns deutsche Blätter, Januar 1813, Heft 2, S. 153)
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15) Schwerlich ist dies geschehen; denn auch späterhin, wenn Schiller über seinen epischen Plan ausführlich redete, schwieg er von dieser Maschinerie, oder den Mitteln derselben. Nur einmal, wenn die Erinnerung nicht trügt, ließ er etwas von einer geheimen Gesellschaft fallen, bei welcher das Depot unsrer Kultur sein sollte. (Woltmann a. a. O. S. 154.)
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16) Vergl. Conz: Einiges über Schiller (in d. Zeit. f. d. eleg. Welt, Januar 1823, No. 6, S. 41).
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17) Wir werden es an einem andern Ort näher beschreiben.
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18) Ähnliche Äußerungen erinnert sich ein Jugendfreund Schillers aus seinem Mund gehört zu haben. (Vergl. Conz: Einiges über Schiller in der Zeit f. d. eleg. Welt, Januar 1823, No. 6, S. 41).
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19) In der (in d. Werken nicht abgedruckten) Vorrede zum zweiten Teil von Sch. Gedichten. Leipzig 1803 (der erste Teil erschien 1800; eine unechte Ausgabe. Sämtliche Gedichte von Fr. Schiller. Jena und Weimar 1800-1801, 3 Bd.) vergl. N. Allgem. Deutsche Biblioth. Bd. 61, St. 2, S. 297 st. F. Goth. gel. Zeit. 1800, Bd. 2, 652; und ganz vorzüglich Neue Biblioth. D. schön. Wissenschaften, Bd. 65, St. 1, S. 80 – 124, wo man interessante kritische Bemerkungen über mehrere einzelne Gedichte Schillers findet.
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20) In der Allgem. Lit. Zeit. v. J. 1791, Bd. 1, N. 13, S. 97-103, N. 14, S. 105-110. Bürgers Antikritik befindet sich in d. Intell. Bl. 1791, N. 46, S. 383-87, und die Verteidigung des Rezensenten ebendas. S. 387-92. Diese Rezension Schillers wurde späterhin in die kl. Pros. Schriften. T. 4, S. 193-224, und in die Werke (T. A. Bd. 18, S. 448-71. O. A. Bd. VIII, Abt. 2, S. 268-90) aufgenommen.
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21) Conz: Einiges über Schiller (in der Zeit. f. d. eleg. Welt, Januar 1823, No. 4, S. 29-30.
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22) Sie wurden an den jetzt regierenden Herzog von Holstein-Augustenburg geschrieben, der Schiller, wie früher erwähnt worden, eine nicht unbedeutende Pension zur Wiederherstellung seiner Gesundheit ausgesetzt hatte.
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23) V. J. 1795. St. 1 u. 2; später in d. kl. Pros. Schriften, T. III, S. 44-309 und in d. Werken. T. A. Bd. 18. S. 1-175. O. A. Bd. VIII, Abt. 1, S. 235-406.
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24) Conz: Einiges über Schiller (Zeit. f. d. eleg. Welt, Januar 1823, No. 6, S. 42.
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25) In d. Allgem. Lit. Zeit. v. J. 1794, Bd. III, N. 298 u. 299.; dann in Schiller kl. pros. Schriften, T. 4, S. 298-399; und in d. Werk. T. A. Bd. 18, S. 501 u. f.
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26) Siehe Conz a. a. O. S. 43.
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27) Schiller hatte während seines Aufenthalts in Ludwigsburg und Stuttgart die Bekanntschaft mit der Cottaschen (damals noch Cotta-Zahnschen) Buchhandlung angeknüpft.
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28) Tübingen 1795-97. Schiller war der Herausgeber dieser Monatsschrift genannt. Eigentlich sollte die Herausgabe einer Gesellschaft überlassen sein, deren Mitglieder, außer ihm, Goethe, Wilhelm von Humboldt, Fichte und Woltmann waren. (S. des letztern deutsche Blätter, Januar 1813, Heft 2, S. 157.)
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29) S. d. Gedicht: Wilhelm Tell (in Sch. Werken. T. A. Bd. 2, S. 300. O. A. Bd. IX. Abt. 1, S. 296.)
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30) „In beiliegendem XII. Stücke der Horen“, schrieb Schiller an Louise Brachmann, „finden Sie einige Ihrer Gedichte abgedruckt, und ich ergreife diese Gelegenheit, Ihnen für diese schönen Beiträge, sowie für Ihre gütige Zuschrift Dank zu sagen. Unter dem Heer von Gedichten, welche dem Herausgeber eines Almanachs von allen Enden unsres versereichen prosaischen Deutschlands zufließen, ist die Erscheinung einer schönen und wahren poetischen Empfindung, sowie sie in mehreren ihrer Gedichte lebt, eine desto angenehmere Überraschung, und dieses Vergnügen haben mir vorzüglich Ihre Gaben der Götter gewährt. Besonders aber erregten sie mir den Wunsch Ihrer persönlichen Bekanntschaft, und wenn Sie mir dazu einige Hoffnung geben können, so werden Sie mir viele Freude machen.“ –
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31) In d. Werk. T. A. Bd. 2, S. 144. O. A. Bd. IX. Abt. 1, S. 141.
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32) In d. Werk. T. A. Bd. 2, S. 164. O. A. Bd. IX. Abt. 1, S. 161.
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33) In d. Werk. T. A. Bd. 2, S. 20. O. A. Bd. IX. Abt. 1, S. 20.
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34) In den Werken. T. A. Bd. 10, S. 309-29. O. A. Bd. XII., S. 400-418.
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35) Sie wurden in dem Musenalmanach f. d. J. 1797 Tübingen 1796 eingerückt; nur ein sehr kleiner Teil dieser Epigramme, deren Zahl sich mit denen von Goethe über vierhundert beläuft, ist in Schillers Werk aufgenommen worden (T. A. Bd. 2. O. A. Bd. IX. Abt. 1) – Der kleine, schmale Weg, der zwischen Gärten zu Schillers ehemaligen Graten führt, wurde damals von einigen witzigen Köpfen die Xeniengasse genannt; ein Name, der auch noch wohl jetzt hie und da, vorzüglich bei denen, die diesen Garten kennen, nicht ganz verschollen ist.
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36) Man vergl. Woltmanns deutsche Blätter, Januar 1813, Heft 2, S. 158. – Beurteilungen der Horen lieferten: die Allgem. Lit. Zeit. 1795, Bd. 1, No. 28 u. 29, 1796, Bd. 1, No. 4-6. Die Neue Biblioth. d. schön. Wissenschaften, Bd. 55, St. 2, S. 283-330, u. a. m. Über die Xenien vergl. man: Allgem. Lit. Zeit. 1796, Bd. 2, No. 167. Neue Biblioth. D. schön. Wissenschaften, Bd. 58, St. 1, S. 285-317. Neue allgem. deutsche Biblioth. Bd. 51, St. 1, S. 235-240. – Unter der nicht kleinen Zahl von Schriften, welche gegen die Xenien erschienen, nennen wir: Kraft und Schnelle des alten Peleus (von Gleim) Halberstadt 1797. Parodien auf die Xenien. Ein Körbchen voll Stachelrosen, den Herren Goethe und Schiller verehrt, 1797 (ohne Druckort) Trogalien zur Verdauung der Xenien, Kochstädt 1797. Mückenalmanach für das J. 1797 (Pest.) Ein Paar Worte zur Ehrenrettung unsrer deutschen Martiale, 1797. Gegengeschenke an die Sudelköche zu Jena und Weimar, von einigen dankbaren Gästen, 1797. Anhang zu Schillers Musenalmanach f. d. J. 1797 von Friedr. Nicolai, Berlin 1797, u. a. m.
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37) In einer Note zu s. Aufsatz: Über naive und sentimentale Dichtung (in Sch. Werken. T. A. Bd. 18, S. 332. O. A. Bd. VIII. Abt. 2, S. 156)
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38) Schillers Vorwurf trifft Tieck den Dichter wenigstens insofern, als er seiner Bearbeitung dieser mitunter ziemlich gedankenleeren Minnelieder aus dem schwäbischen Zeitalter dadurch einen ganz wunderlichen Anstrich gab, dass er die Ursprache halb beibehielt, halb modernisierte.
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39) Die erste Ausgabe (Erster Teil Wallenstein Lager. Die Piccolomini. Zweiter Teil Wallensteins Tod) erschien zu Tübingen 1800. 8. N. A. 1801. Dritte 1802; dann in Sch. Theater. Bd. III, S. 3-452 und in d. Werk. T. A. Bd. 6. O. A. Bd. IX. Abt. 2. – Vergl. Allgem. Lit. Zeit. 1801, Bd. 1, No. 34 u. 35. Götting. gel. Anz. 1800, Bd. 2, S. 1273 u. f. Leipz. Jahrb. d. neuesten Lit. 1800, Bd. 2, S. 169-179. Neue Biblioth. d. schön. Wissensch. Bd. 71, St. 2, S. 261. Merkels Briefe an ein Frauenzimmer über die wichtigst. Produkte der schön. Literat. H. 5., Br. 21, S. 333-48, H. 6, Br. 24, S. 381-96. Süvern über Schillers Wallenstein in Hinsicht auf griech. Tragödie, Berlin 1800. Kritische Bemerkungen über Sch. Wallenstein in d. Eunomia von Feßler und Rhode 1801, Januar No. 3, Vorstellung von Wallensteins Lager auf d. Weimarschen Hoftheater (in d. Biblioth. d. redenden u. bildenden Künste, Bd. 3, St. 2, S. 416-418. Aufführung des Lagers u. Wallensteins 1793 (im Morgenbl. Septemb. 1822, No. 223-25) L. Tieck: Über die Piccolomini u. Wallensteins Tod (in d. Bericht über das Königl. Theater in Dresden. Abendzeit 1823, No. 22-28). – Eine Bearbeitung des Wallenstein für die Bühne erschien zu Mannheim 1802; eine andere von K. F. Fleischer (Glogau 1802). Früher schon hatte Halem denselben Stoff in Prosa bearbeitet (Göttingen 1786). Eine englische Übersetzung erschien unter dem Titel: The Piccolomini ort he first part of Wallenstein, a Drama in 5A. transl. from the German of Schiller, by Coleridge. The Death of Wallenstein, a Tragedy etc. transl. by the same. London 1800. (Vergl. Allgem. Lit. Zeit. 1802. Intell. Bl. S. 1342) Eine franz. Übersetzung: Wallenstein, Tragedie par F. Schiller. Imitée en vers francois par Benj. De Constant (Amsterdam 1808).
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40) Vergl. Morgenbl. Septemb. 1822, No. 223-25.
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41) Sie ist seit mehreren Jahren, nebst ihrem Gatten, einem ebenfalls ausgezeichneten Schauspieler, bei dem Königl. Theater zu Berlin angestellt.
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42) S. Sch. Werke. T. A. Bd. 6, S. 16. O. A. Bd. IX. Abt. 2, S. 17
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43) S. Sch. Werke. T. A. Bd. 6, S. 383. O. A. Bd. IX. Abt. 2, S. 404
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44) Sie hätten übrigens bald Unheil angerichtet; denn da der Schauspieler Vohs zwei Gläser, aufgeregt vom lebhaften Spiel, getrunken hatte, bekam er einen Anflug von Rausch, so dass es gut war, dass der Akt bald schloss, und er Zeit gewann, sich zu sammeln.
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45) Schillers Garten bei Jena, Zeichnung von Rour, Poesie von Wilhelmi, Nürnberg, 1816. gr. Fol., früher in 4. Weimar 1806, auch als Stammbuchsblatt von L. Heß, (Kupferstecher zu Jena). Man vergl. Güldenapfels Literar. Museum f. d. Großherzogl. Sächs. Lande, Jena 1816, Bd. 1, S. 334. Jetzt heißt jener Garten wegen des dort eingerichteten Observatoriums, der Garten der Sternwarte.
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46) Dies Häuschen ist vor einigen Jahren, da es bereits sehr baufällig war, eingerissen worden; doch befindet sich unweit davon in einer in der Mauer angebrachten Nische eine Urne zum Andenken des Dichters.
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