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Briefe von Wilhelm von Humboldt

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                     1795

Wilhelm von Humboldt an Friedrich Schiller

Tegel, den 2 October 1795.

Herzlichen Dank, mein theurer Freund, für Ihre letzten Gedichte. Sind Sie wirklich  durch mich veranlaßt worden, dem Almanach noch dieses Geschenk zu machen, so ist dieß gewiß der einzige recht wesentliche Dienst, den ich diesem habe leisten können. Er ist jetzt überreich (wenn dieß je möglich wäre) durch Sie begabt, er wird aber auch sicherlich sehr viel Glück machen. Da ich es dem Almanach nicht unvortheilhaft hielt, wenn man, vorzüglich bei seinem späteren Erscheinen, eine Idee im Voraus von ihm hätte, so habe ich hier und da eine Kleinigkeit daraus, und neuerlich auch den Druck und das Aeußere einigen meiner Bekannten, Leuten von ganz verschiedenem Schlage, gezeigt, und Alle versichern, daß dieser Almanach, nach solcher Probe, einzig seyn werde.

Unter Ihren Gedichten sind der Abend1 und das Schlußgedicht von sehr großer Schönheit. In dem ersteren herrscht ein sehr einfacher und reiner Ton, das Bild malt sich sehr gut vor dem Auge des Lesers, und das Ganze entläßt ihn, wie man sonst nur von Stücken der Griechen und Römer scheidet. Das Sylbenmaß ist sehr angenehm, und sie habe es trefflich behandelt. Ueberall schmiegt sich ihm der Ausdruck wie von selbst an, und nirgends ist mir eine Härte aufgestoßen.

Das Schlußgedicht gibt dem Almanach eine eigene Rundung. Er beginnt und schließt nun mit Ihren, und mit zwei passenden und in sich so schönen Stücken. In Ihren Stanzen herrscht eine unnachahmliche Anmuth und Zartheit, und das Gleichniß in der dritten gibt eines überaus poetischen Schluß.

Auch die Kleinigkeiten dieser Lieferung haben meinen vollkommenen Beifall. In Ihrer vorletzten Lieferung ist mir Columbus das Liebste gewesen; der Schluß ist so überraschend und enthält eine große und kühne Idee.

Dasselbemal schickten Sie mir zwei Stücke von Hölderlin: der Gott der Jugend und an die Natur. Das erstere hatte ich schon früher bekommen, und das letztere hatten Sie durchstrichen. Ich bin nun in Ungewißheit, ob Sie es früher durchstrichen hatten, und nun doch gedruckt wissen wollen, oder ob Sie vergessen hatten, daß Sie mir den Gott der Jugend schon zugeschickt hatten, und eines nur mitgeschickt haben, weil es auf demselben Blatte stand. Ich behalte es, bis ich Antwort erhalte, um so mehr zurück, als es mir, ob es gleich gewiß nicht ohne poetisches Verdienst ist, doch im Ganzen matt scheint, und so sehr an die Götter Griechenlands erinnert, eine Erinnerung, die ihm sehr nachtheilig ist.

Doppelt begierig bin ich, nach dem, was Sie mir jetzt sagen, auf Ihre Elegie. Aber wie schmerzt es mich, daß wir nicht die Freude haben werden sie zusammen zu lesen, worauf Sie sie zurückbehalten! Ich kann nicht, ohne eine recht innige Wehmuth, daran denken, auf einmal so lange von Ihnen getrennt zu seyn. Denn leider ist mir jetzt auch die letzte Hoffnung verschwunden.

Doppelter Dank sey dafür Ihren Briefen, die mich immer wieder erheitern, und so süß beschäftigen. Ihr

H.


1 Es ist das Gedicht Der Abend gemeint. ^

 
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