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Briefe von Wilhelm von Humboldt

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                     1795

Wilhelm von Humboldt an Friedrich Schiller

Tegel, den 28 Juli 1795.

Schon nach Ihrer lieben Frau letztem Briefe an die meinige fürchtete ich, Ihre Krämpfe möchten sich bei dem üblen Wetter und Ihren Arbeiten häufiger einstellen, und leider sehe ich meine Besorgniß nur zu gegründet. Schonen Sie sich ja, theurer Freund, es ist ja für die Horen völlig, und für den Almanach auch fast ganz gesorgt, und die Arbeit ist nun für den Augenblick minder dringend. Doppelt schmerzt es mich jetzt, nicht in Jena zu seyn, es wäre Ihnen gewiß noch willkommener, ein paar Stunden täglich zu verplaudern, und wenn Goethe nicht da ist, so haben Sie schlechterdings Niemand.

Jacobi’s Aufsatz amüsirt mich doppelt, da er meine Kunst zu rathen so anhaltend beschäftigt. Ihre Frau hat vergessen, mir auch nur den Titel zu schreiben, und außerdem, daß ich aus dem Briefe sehe, daß ein Brief an Ernestinen über die Kantische Moral eine Fortsetzung davon seyn soll, weiß ich nun schlechterdings nichts. Indeß werde ich ihm doch noch heute antworten, weil ich ihn gern bei recht gutem Muth erhalten möchte.

Mein Leben ist seit meinem letzten Briefe so in seiner Einförmigkeit fortgegangen. Ich bin ein paarmal in Berlin gewesen, aber ohne eben etwas Interessantes zu erfahren. Zum Arbeiten bin ich wenig gekommen, obgleich meine Gesundheit um sehr Vieles besser ist, als Anfangs und als in Jena. Aber es sind der Zerstreuungen so viele, und alle darf ich nicht einmal, wegen der fortdauernden Kränklichkeit meiner Mutter, entfernen. Indeß denke ich noch ernstlich an die Louise und habe wieder allerlei Ideen dazu gesammelt.

Ramler habe ich wieder einmal nicht gefunden. Meyer ist, wie ich von sicherer Hand weiß, schon von Michaelis zu Beiträgen aufgefordert worden. Er hat aber zu einem Bekannten von mir hernach geäußert: „Sie hätten ihn neulich in Jena sehr kalt aufgenommen, und wenn Sie Beiträge wünschten, hätte er erwartet, daß Sie sich unmittelbar an ihn wenden würden.“ Bei so bewandten Umständen habe ich es für besser gehalten, ihn nicht weiter zu beunruhigen, und habe ihn nicht besucht. Mit so vornehmen Herren ist es schlimm umzugehen. Eben dieser Meyer hat auch geäußert, er habe Ihnen die Idee zum Geisterseher gegeben. Daraus ist denn freilich begreiflich, warum Sie, da Sie wahrscheinlich das Erhaltene verbraucht haben, keine Fortsetzung liefern können. Er ist eigentlich der Herausgeber des Archives der Zeit und zugleich Verfasser der meisten Aufsätze darin. In den letzten Stücken ist unter dem Titel „Flüchtiger Anblick der deutschen Literatur“ etwas über Wieland und Goethe, wovon mir beim Blättern as letzte recht gut schien. Es ist von ihm selbst.

Gentz, der sich Ihnen vielmals empfiehlt, und auch noch immer etwas zu liefern verspricht, hat mir das Posseltsche politische Journal bei Cotta überaus gelobt. Er erklärt es geradezu für das beste jetzt. Ich habe ihn gebeten, es, wo möglich, in der A. L. Z. zu recensiren, und er hat es mir versprochen, wenn er es nur bekommen könnte. Sie könnten ja wohl machen, daß es ihm bald angetragen würde. Es würde für Cotta gewiß vortheilhaft seyn.

Ueber die Elegien habe ich noch gar nichts Rechtes gehört, das Einzige ausgenommen, daß, wie Sie auch schon vermutheten, Niemand Anstoß daran nimmt. Von Ihren Briefen ist altum silentium.

Leben Sie wohl, liebster Schiller, und werden Sie wieder recht gesund und heiter. Danken Sie der lieben Lolo für ihren gütigen Brief recht herzlich, und bitten Sie sie, mir, im Fall Sie verhindert wären, fernere Nachricht zu geben. Meine Frau grüßt Sie beide. Tausend Küsse an Carl! die kleine Li spricht oft von ihm.

H.

 
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