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Briefe von Wilhelm von Humboldt

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                     1795

Wilhelm von Humboldt an Friedrich Schiller

### Datum überprüfen ### Auleben, den 18 Januar 1795.

Ganz unerwartet, theuerster Freund, schreibt mir Caroline, daß Sie einen Verleger für meine Schrift haben, und ein deutlicher geschriebenes Manuscript wünschen, um es ihm zu schicken.

Sie werden aus meinem letzten Briefe ersehen haben, daß ich jetzt vielmehr einen Aufschub des Drucks wünschte, und, als ich neulich die Abhandlung noch einmal durchging, fand ich in der That nicht bloß viele Stellen, die einer Aenderung, sondern auch einige, die einer gänzlichen Umarbeitung bedürfen. Sie selbst, lieber Freund, waren zuerst dieser Meinung und werden darum um so mehr mit mir darüber übereinstimmen. Je mehr mich auch die vorgetragenen Ideen interessiren, und je günstiger ich sogar von meiner Arbeit urtheile, um so weniger könnte ich mir die Nachlässigkeit verzeihen, ihr nicht diese letzte Sorgfalt gewidmet zu haben. Für jetzt aber und die nächsten Monate habe ich nicht allein ganz heterogene Beschäftigungen, sondern es fehlt mir auch theils an Stimmung, theils sogar an einigen Büchern, um an diese Revision zu gehen. Über Einiges möchte ich sogar durch Gespräch meine Ideen erst klarer machen können. Alles dieß hat mich nun zu dem festen Entschluß gebracht, die Herausgabe, wenn es noch möglich ist, aufzuschieben, und zwar auf unbestimmte Zeit, da, wie lang oder kurz eine bestimmte seyn möchte, alles Gebundenseyn in dergleichen Dingen so unangenehm ist.

Ich kann aus der guten Caroline Brief nicht sehen, inwieferne Sie, mein Theurer, schon sichere Abrede getroffen haben. Haben Sie aber mit dem Buchhändler noch nicht abgeschlossen, und können Sie noch zurückgehen, so bitte ich Sie, ihm zu schreiben, daß der Entschluß über die Zeit der Herausgabe der Schrift geändert sey, daß also jetzt keine weitere sichere Abrede genommen werden könne, daß ich aber, wenn ich mit den noch vorzunehmenden Änderungen fertig wäre, mich an ihn abermals wenden, und bei ihm anfragen würde. Wahrscheinlich würde er doch bei einer zweiten Anfrage gleich geneigt seyn, und wäre er es nicht, so ist vielleicht dann Göschen frei, oder ich finde einen Andern.

Haben Sie aber schon mit ihm abgeschlossen, und wäre es nicht zu ändern, welches mir freilich sehr unlieb wäre, so müßte ich Sie doch bitten, mit ihm die Abrede zu treffen, daß das Buch erst Ostern 1794 oder frühestens Michaelis . J. erschiene. Dieß wäre mein kürzester Termin, und er gewänne ja auch durch die auf seinen Verlagsartikel gewandte Zeit. Indeß wäre mir das Erste bei Weitem immer das Liebste.

Das deutlicher geschriebene Manuscript, Lieber, habe ich gerade verliehen. Indeß ist es ja auch nun, nach meinem jetzigen Entschluß, nicht nötig, Denn zum Druck wäre es ja auch viel zu früh; und sollte er es nur sehen, um sich erst fest zu entschließen, so können sie ja noch zurückgehen und thun es nun ja auf alle Fälle. Auch kann es seyn, daß nach der Umarbeitung nicht einmal die Bogenzahl gleich bleibt.

Werden Sie mir nicht böse, theurer Freund, über die vielen Bemühungen, die meine Angelegenheit Ihnen verursacht. Schon oft hat es mir leid gethan, Sie überhaupt damit beschwert zu haben, und gewiß hätte ich es nicht gethan, wenn ich geglaubt hätte, es koste Ihnen mehr, als eine flüchtige Erwähnung in einem Briefe an Göschen.

Leben Sie innigst wohl, mein theurer unvergeßlicher Freund! Wie unendlich oft sehnen wir uns zu Ihnen hin! Ewig Ihr

H.

Sie haben wohl die Güte, lieber Freund, mir sobald Sie können, nur mit drei Worten den endlichen Ausgang der Sache zu melden, und mir dann das Manuscript zurückzuschicken.

 
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