Friedrich
Schiller

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Johann Wolfgang von Goethe an Schiller

Ohngeachtet einer lebhaften Sehnsucht Sie wiederzusehen und zu sprechen, konnte ich diese Woche doch nicht vom Platze kommen. Einige Schauspieler die ich in Gastrollen beurtheilen wollte, das üble Wetter und ein Rheumatism, den ich mir durch Verkältung zugezogen hatte, haben mich stufenweise gehindert und noch seh' ich nicht, wann und wie ich abkommen werde.

Lassen Sie mich indessen sagen daß ich fleißig war, daß der größte Theil des vierten Buchs abgegangen ist und daß der Procurator auch durchgearbeitet ist. Ich wünsche daß die Art, wie ich die Geschichte gefaßt und ausgeführt, Ihnen nicht mißfallen möge.

Wenn mein Roman in seinen bestimmten Epochen erscheinen kann, will ich zufrieden sein; an eine Beschleunigung ist nicht zu denken. An den Horen den Theil zu nehmen den Sie wünschen, wird mich nichts abhalten. Wenn ich Zeit und Stunde zusammennehme und abtheile, so kann ich dies Jahr vieles bei Seite bringen.

Von zweiten Stücke der Horen habe noch nichts gehört, das erste spukt aber schon genug in Deutschland.

Meyer dankt für die Redaction seiner Ideen; es ist nur weniges was anders gestellt sein könnte, doch das wird uns niemand herausfinden. Er arbeitet jetzt an einer Darstellung Perugins, Bellins und Mantegnas.

Aus der Beilage sehen Sie welche Monatsschriften künftig in unser Haus kommen. Ich lasse die Inhaltstafel jedes Stücks abschreiben und füge eine kleine Recension dazu. Wenn wir's nur einmal ein halb Jahr haben, so können wir unsre Collegen schon übersehen.

Wenn wir uns streng und mannigfaltig erhalten, so stehen wir bald oben an, denn alle übrigen Journale tragen mehr Ballast als Waare; und da uns daran gelegen ist unsre Arbeit zu weiterer eigner Ausbildung zu benutzen, so kann nur gutes dadurch entstehen und gewirkt werden.

Für die übersendeten Horen-Exemplare danke ich vielmals. Die zweite Sendung ist mit der ersten übereinstimmend; vier auf Schreibpapier und eben so viel auf Postpapier.

Jakobi entschuldigt sich daß er noch nichts geschickt hat.

Ich wünsche daß gutes Wetter mir einen schnellen Ritt zu Ihnen erlauben möge, denn ich verlange sehr nach einer Unterredung und nach Ihren bisherigen Arbeiten. Empfehlen Sie mich den Ihrigen.

Weimar den 11. März 1795.

G.

 
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