Friedrich
Schiller

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Johann Wolfgang von Goethe an Schiller

Sie sagten mir neulich, daß Sie bald zu uns herüber zu kommen gedächten. Ob nun schon, wie ich fürchte, das abermals eingefallene kalte Wetter Sei abhalten wird, so wollte ich doch auf jeden Fall einen Vorschlag thun.

Sie könnten beide bei mir einkehren, oder wenn auch das Frauchen sich lieber wo anders einquartirte, so wünschte ich doch, daß Sie wieder das alte Quartier bezögen. Machen Sie es ganz nach Ihrem Sinne; Sie sind mir beide herzlich willkommen.

Durch den guten Muth, den mir die neuliche Unterredung eingeflößt, belebt, habe ich schon das Schema zum fünften und sechsten Buche ausgearbeitet. Wie viel vortheilhafter ist es, sich in andern als in sich selbst zu bespiegeln.

Kennen Sie die Kantischen Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen von 1771? Es wäre eine recht artige Schrift, wenn die Worte schön und erhaben auf dem Titel gar nicht stünden und im Büchelchen selbst seltner vorkämen. Es ist voll allerliebster Bemerkungen über die Menschen, und man sieht seine Grundsätze schon keimen. Gewiß kennen Sie es schon.

Ist denn von dem abwesenden Herrn v. Humboldt noch keine Nachricht eingegangen? Empfehlen Sie mich in Ihrem Kreise, und fahren Sie fort mich durch Ihre Liebe und Ihr Vertrauen zu erquicken und zu erheben.

Weimar den 18. Februar 1795.

G.

 
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