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941. Nacht

Geschichte des Kalifen Harun Arraschyd und der Tochfatulkuloub 1)

Der Kalif Harun Arreschyd, welcher in Bagdad residierte, hatte unter seinen nächtlichen Erzählern einen gewissen Abdullah ben Nafé ganz besonders ausgezeichnet, und konnte ihn fast gar nicht entbehren. Indessen bemerkte Abdullah nach einiger Zeit, dass der Kalif sich weniger um ihn bekümmerte, und dass er, ganz gegen seine Gewohnheit, oft ganze Tage lang nicht nach ihm fragte. Dies schmerzte ihn außerordentlich, und er sagte bei sich selbst: "Ach, wie kommt es, dass das Gemüt des Fürsten der Gläubigen sich so geändert hat, dass er mich keines Blickes mehr würdigt, dass ich nicht mehr an ihm die Heiterkeit sehe, die ihm sonst so eigen war." In seiner Betrübnis sagte er folgende Verse her:

"Wer in seiner Familie oder in seinem Land nicht mehr geschätzt wird, für den gibt es nichts besseres, als die Entfernung.
Fliehe also ein haus, in welchem Du gering behandelt wirst, und betrübe Dich nicht, wenn du solche Freunde verlässt.
Siehe, wie der rohe Ambra im Bergwerk auf dem Boden herum liegt. Ist er aber zu Tage gefördert, so wird er als Schmuck am Hals getragen.
Das Collyrium, dieses wohltätige Augenpulver, ist an dem Ort seines Entstehens nur ein unbedeutender Stein, der auf die Straße geworfen wird.
Ist er aber aus seiner Grube gezogen, so erreicht er die höchste Ehrenstelle, denn man trägt ihn in den Augen."

Abdullah ben Nafé konnte diesen Zustand nicht länger ertragen, sondern er verließ die Hauptstadt des Fürsten der Gläubigen, ohne irgend jemand von seinem Vorhaben zu unterrichten, und ohne irgend eine Bedienung mitzunehmen. So durchreiste er die entferntesten Gegenden, und die Staubmeere der Wüsten, ohne sich ein bestimmtes Ziel vorzusetzen. Unterwegs stieß er auf eine Karawane, die nach Indien reiste, und schloss an dieselbe sich an. Die Reise war sehr glücklich, und sie langten ohne alles Ungemach in Indien an, wo er sich in einer namhaften Stadt eine Wohnung mietete. Hier nahm er viele Tage lang keine Speise zu sich, und kein Schlaf erquickte ihn; und zwar geschah dies nicht etwa wegen Mangel an Geld, sondern seine trüben Gedanken verhinderten ihn, Schlaf und Speise zu genießen. Wie konnte es auch anders sein, wenn er bedachte, wie der wandelbare Stern des Glücks sich gegen ihn gewendet, und wie das Wohlwollen des Fürsten, unseres Herrn, sich in Gleichgültigkeit gegen ihn verwandelt hatte. Nach Verlauf einer längeren Zeit hatte er in jenem Lande einige Bekanntschaften gemacht, und Freunde gefunden, an die er sich inniger anschloss, und mit denen er sich häufig belustigte. Als nächtlicher Erzähler des Fürsten der Gläubigen war er wohl fähig, sie mit den reizendsten Geschichten zu unterhalten, ihnen die niedlichsten Verse herzusagen, und die interessantesten Begebenheiten mitzuteilen. Sein Ruf erscholl bis zum König Gamhour, dem Beherrscher von Kasch'amar in Indien. Dieser schickte nach ihm, und ließ ihn zu sich einladen. Er begab sich auch sogleich zu ihm, warf sich vor ihm zur Erde, und der Fürst empfing ihn auf das gnädigste und wohl wollendste. Er befahl nämlich, ihn drei Tage lang in dem Schloss, das für Fremde bestimmt ist, zu bewirten, und am vierten schickte er einen Kammerherrn zu ihm, und ihn zu sich zu laden. Als er vor dem König erschien, empfing ihn dieser abermals auf eine höchst ausgezeichnete Weise, und der Dolmetscher erhielt Befehl, ihm folgendes zu sagen: "Der König Gamhour hat von Dir Kunde erhalten, und gehört, dass Du ein vortrefflicher Gesellschafter und ein angenehmer Unterhalter seiest. Er wünscht Dich bei sich in dieser Eigenschaft anzustellen, die ihn aufheitern können." Abdallah ben Nafé nahm dieses Anerbieten dankbar an, und erfüllte den Wunsch des Königs zu dessen völliger Zufriedenheit. Dieser erhob ihn nun von einer Ehrenstelle zur anderen, bekleidete ihn mit Ehrenpelzen, und wies ihm eine prächtige Wohnung in seinem eigenen Palast an, denn er konnte sich kaum auf eine Stunde von ihm trennen. so brachte er eine lange Zeit damit hin, dass er ihm alle Nächte Gesellschaft leistete, und ihn unterhielt, und wenn der größte Teil der Nacht vorbei war, und der Schlaf den König anwandelte, so verließ ihn dieser nie, ohne ihm zu sagen: "Von meiner Seite sollst Du nie Änderung erfahren, und von meiner Person Dich nie trennen." diese Äußerungen der Huld nahm er stets mit großem Dank auf. -

Der König hatte einen sehr schönen und liebenswürdigen Sohn, welcher der Fürst Muhammed genannt wurde. Dieser war wohl unterrichtet, sprach ganz vortrefflich, und hatte viele Bücher studiert. Sein Lieblingsvergnügen aber war die Unterhaltung durch Verse, durch Erzählungen und Geschichten. Da er der einzige Sohn des Königs Gamhour war, so liebte dieser ihn unaussprechlich. Der Prinz spielte unter andern auch sehr gut die Laute und andere Instrumente. Auch hatte er sich angewöhnt, jedes Mal, wenn der König schlafen ging, die Stelle seines Vaters einzunehmen, und Abdullah zu bitten, ihn mit Erzählungen zu unterhalten. In dieser Lage, geliebt von Vater und Sohn, brachte Abdullah ben Nafé lange Zeit zu. eines Tages, als der König sich zum Schlaf entfernt hatte, näherte sich ihm sein Sohn und sprach. -

Hier bemerkte Scheherasade den Morgen. In der folgenden nicht fuhr sie folgendermaßen fort:

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1) D.i. Geschenk der Herzen. ­

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