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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 910. 911. 912. 913. 914. 915. 916. 917. 918. 919. 920. 921. 922. 923. 924. 925. 926. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
918. NachtDie Alte übergab nunmehr die Turbanbinde dem jungen Mann, und der Seidenhändler versöhnte sich mit seiner Frau, und beschenkte sie mit kostbaren Stoffen und Schmuck, worüber sie viel Freude hatte. Als der König diese Geschichte von seinem Kammerherrn gehört hatte, wurde er beschämt, und sprach: "Fahre fort, Deinen Dienst wie gewöhnlich zu verrichten, und Dein Land zu bebauen, denn der Löwe ist zwar hineingekommen, er hat aber darin nichts verletzt, und wird nie dahin zurückkehren." Hierauf beschenkte er ihn mit Ehrenkleidern, und machte ihm noch außerdem ein beträchtliches Geschenk, und der Kammerherr begab sich froh wieder zu seiner Frau, welches eine Freude für die ganze Familie war. Aber diese Geschichte ist nicht halb so unterhaltend, wie die Geschichte von der schönen Frau mit dem garstigen Mann. Geschichte von der schönen Frau mit dem hässlichen Mann 1)Ein Araber hatte eine große Anzahl Kinder. Unter diesen war ein Knabe von einer so ausgezeichneten Schönheit, und von so viel Verstand, dass man seinesgleichen nicht finden konnte. Als er das gehörige Alter erreicht hatte, verheiratete ihn sein Vater mit einer seiner Nichten. Diese war eben nicht von besonderer Schönheit, auch hatte sie nicht die feinsten Sitten, deshalb gefiel sie auch dem jungen Mann nicht. Allein der Verwandtschaft wegen hatte er alle mögliche Geduld mit ihr. Eines Tages war er ausgegangen, um eines seiner Kamele aufzusuchen, welches sich verirrt hatte. Es war darüber etwas spät geworden, und er sah sich daher genötigt, einen Araber um Nachtherberge anzusprechen. In dieser Absicht begab er sich daher in das Zelt eines Stammes, und ein kleiner Mann, sehr hässlich von Gesicht, empfing ihn, begrüßte ihn, und bat ihn, sich bei ihm niederzulassen. Er unterhielt ihn sehr angenehm, und als die Speise fertig war, reichte sie ihm die Frau des hässlichen Mannes selbst dar. Ihre Schönheit, ihre Anmut, und ihre unbeschreiblichen Reize setzten den angekommenen Fremdling in das größte Erstaunen, so dass er sich nicht enthalten konnte, bald ihren hässlichen Mann, bald sie selbst anzublicken. Da er sich zu lange mit diesem Vergleich aufhielt, merkte es der Ehemann und sprach: "Mein guter Freund, jetzt beschäftige Dich mit nichts, als mit Essen. Was Dich in Staunen setzt, werde ich Dir nachher erzählen." Als sie aufgehört hatten zu essen, erinnerte ihn der Fremde an die Erzählung, und der Araber begann auf folgende Weise: "Ich war von Jugend an, wie Du mich jetzt siehst, sehr hässlich, meine Brüder dagegen waren sehr schön, deshalb liebte sie mein Vater mehr als mich, und erzeigte ihnen sehr viel Gutes, während er mich ganz vernachlässigte. Er übertrug mir Arbeiten, mit denen man sonst nur die Sklaven beauftragt, während er meinen Brüdern nicht das mindeste Geschäft zu verrichten gab. Eines Tages verirrte sich eine Kamelin meines Vaters. Da trug er mir denn auf, dass ich sie suchen, und nicht ohne sie zurückkehren sollte. Ich bat ihn, einen meiner Brüder zu schicken. Allein er tat es nicht, sondern ergrimmte über mich, ergriff eine Peitsche, und schlug mich. Da stand ich denn auf, setzte mich auf ein Kamel und ritt davon, mit dem festen Vorsatz, mich in die Wüste zu begeben, und nie mehr zu meinem Vater zurückzukehren. Schon war es Mitternacht, als ich an einem Zelt anlangte, wo ich auf meine Bitte gastfreundliche Aufnahme fand. Es gehörte der Familie meiner Gattin hier, und ihr Vater, ein sehr ehrwürdiger Greis, nahm mich sehr herzlich auf. In der Nacht nötigte mich ein Bedürfnis, aufzustehen, und aus dem Zelt zu gehen. Da die Hunde des Stammes mich nicht kannten, so liefen sie mir nach und bellten mich an. Überhaupt wusste in diesem Dorf niemand etwas von mir, als diese Frau. Ich suchte den Hunden zu entgehen, war aber dabei so unglücklich, in eine Grube zu fallen, in welcher Wasser war, und die eine bedeutende Tiefe hatte. Ein Hund indessen, der mir eiligst nachgefolgt war, fiel mit mir zugleich in diese steile Grube herab. Meine Frau, die damals ein freies Mädchen, voll Kraft und Entschlossenheit war, fühlte, als sie mein Unglück erfuhr, sich von Mitleid gedrungen, mir zu Hilfe zu eilen. Sie kam also mit einem Strick, ließ das eine Ende zu mir herab, und rief mir zu, mich an demselben fest zu halten. Ich tat es, und suchte, während sie mich zog, an der steilen Wand der Grube hinauf zu klettern. Allein als ich bis an die Hälfte gekommen war, glitt sie ab und fiel mit mir zugleich hinunter. So bleiben mir denn eine lange Zeit zusammen in der Grube, sie, ich und der Hund. Als der Morgen anbrach, und ihre Angehörigen sie nicht sahen, suchten sie sie in dem Dorf und fanden sie nicht. Da sie aber auch mich mit ihr zugleich vermissten, glaubten sie, ich wäre mit ihr entflohen. Sie hatte vier Brüder, schnell wie der Adler. Diese bestiegen ihre Rosse und trennten sich, um mich und sie aufzusuchen. Unterdessen war es schon hoch am Tage geworden, und der Hund fing an, jämmerlich zu heulen und zu bellen, welches die übrigen Hunde im Dorf nach ihrer Art beantworteten. Sie suchten dann ihren Genossen auf, und kamen bis an den Rand der Grube, an welcher sie stehen bleiben, und ein fürchterliches Geheul erhuben. Als der Greis diesen Lärm der Hunde hörte, kam er ebenfalls zu der Grube hin. |
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