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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 884. 885. 886. 887. 888. 889. 890. 891. 892. 893. 894. 895. 896. 897. 898. 899. 900. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
892. Nacht Da unterbrach ihn der Kaufmann: "Willst Du denn bei den Perlen ein Inneres und ein Äußeres annehmen?" - "Ja wohl," sprach der Greis, "in ihrem Innern ist ein Wurm, der sie aushöhlt. Jene aber ist tadellos, und kann nie zerbrochen werden." - "Mache uns das deutlich," sagte der Kaufmann, "und überhaupt, woran sollen wir erkennen, dass Du die Wahrheit sagst?" - "Wir wollen sie zerbrechen," erwiderte der Greis, "und wenn ich Unrecht habe, so ist hier mein Kopf. Habe ich aber Recht, so ist die Perle für Dich verloren." - "Das gehe ich ein," sprach der Kaufmann. Die Perle wurde hierauf zerbrochen, und es war, wie der Greis gesagt hatte, in ihrem Inneren sie aushöhlender Wurm. Darüber erstaunte der Fürst, und befragte ihn nach der Kunst, wodurch man dieses zu erkennen imstande sei. "Wisse, o Fürst!", antwortete der Greis, "Dass diese Art Perlen in dem Inneren eines Tieres entstehen, welches Almutabattel1) heißt. Ihr Entstehen ist ein Regentropfen. Hält man nun diese Perlen in der Hand, so zeichnen sie sich durch eine lange ausdauernde Kälte aus. Als ich aber diese in der Hand hielt, und ihr schnelles Warmwerden bemerkte, urteilte ich, dass sie hohl sei, und dass sich in ihrem Innern ein Tier befinden müsse: Denn den Tieren teilt sich die Wärme bald mit." Der König erfreut über diese Erklärung, vermehrte sein Jahresgehalt. Kurz darauf kamen zwei Kaufleute mit zwei Pferden. Der eine forderte für das seinige tausend Goldstücke, der andere fünftausend. Der Koch nahte sich nunmehr wieder dem Fürsten, und sagte: "Wir haben von dem Greis schon einige Mal uns guten Rat geholt. Meinst Du, dass wir ihn rufen?" Als ihm der Fürst dazu Befehl erteilt, und der Greis die zwei Pferde gesehen hatte, sprach derselbe: "Dieses hier ist tausend Goldstücke wert, jenes aber zweitausend." - "Was?", sagten die Leute, "jenes da ist zwar offenbar ein guter Läufer, dieses aber ist jung, schneller noch, gedrungener an Gliedmaßen, und hat ein feineres Gesicht, eine reinere Farbe, und eine glättere Haut. Wie kannst Du denn den Preis so niedrig bestimmten?" - "Alles, was ihr sagt, hat seine Richtigkeit, nur dass der Vater des ersteren ein sehr altes Pferd, dieses dagegen der Sohn eines jungen Pferdes ist. Wenn das erstere nach einer starken Anstrengung stehen bleibt, so kommt es nicht bald wieder zu Atem, und der Reiter würde auf ihm bald von seinem Verfolger ereilt werden. Dieses aber, der Sohn eines jungen Pferdes, wenn Du es um die Wette laufen lässt, und absteigst, und Dich wieder auf dasselbe setzt, kommt bald wider zu Atem und läuft unermüdet weiter." Da sagte der Kaufmann: "So verhält es sich auch wirklich. Dieser Greis ist ein vortrefflicher Kenner." Der Fürst befahl sofort, ihm eine Vermehrung seines Jahresgehaltes zu reichen. Als der Greis aber sich nicht fortbegab, sondern stehen blieb, fragte ihn der Fürst: "Warum gehst Du nicht an Deine Arbeit?" - "Meine Arbeit hält mich beim Fürsten zurück." - "Was begehrst Du?" - "Ich wünsche, dass Du mich nach dem Wesen der Menschen fragst, wie Du mich nach den Perlen und Pferden befragt hast." - "Diese Frage brauche ich nicht erst an Dich zu tun," entgegnete der Fürst. "Ich aber," antwortete der Greis, "fühle das Bedürfnis, Dich davon zu unterrichten." - "Nun wohl, so sage es." Da sprach der Greis: "Ich benachrichtige Dich, dass Du der Sohn eines Bäckers bist." - "Wo hast Du das gesehen?" - "Das habe ich in der Konstellation und in den Mansionen des Mondes gesehen." Hierauf begab sich der Fürst sogleich zu seiner Mutter, welche ihn benachrichtigte, dass ihr erster Gemahl zwar König gewesen, dass sie aber nach dessen Tod heimlich einen Bäcker geheiratet habe, dessen Sohn er sei, dass sie ihn indessen immer als Prinzen habe erziehen lassen, aus Furcht, dass Reich möchte aus ihrer Familie kommen. Der Fürst begab sich nunmehr zum Greis und sagte: "Du hast ganz Recht, ich bin der Sohn eines Bäckers, aber zeige mir doch an, wie Du dies vermuten konntest." - "Ich sah wohl ein," erwiderte der Greis, dass, wenn Du der Sohn eines Königs gewesen wärst, Du mir Kostbarkeiten und Juwelen gespendet hättest. Wärst du aber der Sohn eines Kadi gewesen, so würdest Du mich Drachmenweise belohnt haben. Wärst Du der Sohn irgend eines Kaufmanns, so hättest Du mich mit vielem Geld beschenkt. Allein ich sah, dass Du Deine Wohltaten an mir durch Zulagen an Brot zu erkennen gabst, da habe ich denn gleich gemerkt, dass Du der Sohn eines Bäcker sein müsstest." Der Fürst sagte hierauf: "Du hast recht geurteilt," gab ihm vieles Vermögen und überhäufte ihm mit Würden. Diese Geschichte gefiel dem König Schach Bacht sehr wohl, doch versicherte ihn der Wesir Arrachuan, dass sie nichts sei gegen die Geschichte des reichen Mannes, der seine schöne Tochter mit einem armen Greis verheiratet hatte. Der König wurde auf diese Geschichte neugierig, und er befahl dem Wesir, den anderen Tag wieder zu kommen. Geschichte des reichen Mannes, der seine Tochter an einen armen Greis verheiratet hatte 2)Ein reicher Kaufmann hatte eine Tochter, die schön war, wie der Vollmond. Als sie achtzehn Jahre erreicht hatte, nahm ihr Vater einen alten armen Mann zu sich, den er sehr gut aufnahm, ihm sein ganzes Zutrauen schenkte, und ihn zu seinem Trinkgenossen machte. Nach einiger Zeit eröffnete er ihm, dass er sich vorgenommen habe, ihn mit seiner Tochter zu verheiraten. Der Arme schlug es aber, seiner Armut wegen, ab. "Ich bin zu arm für sie," sagte er, "und für Dich bin ich zu gering." Der Reiche aber drang in ihn, ohne indessen von ihm eine andere Antwort erhalten zu können. Endlich aber willigte er doch mit der Bedingung ein, dass er ihm die Ursache sagte, warum er eben ihn zum Schwiegersohn verlangte. "Finde ich, dass Dein Grund richtig ist," fügte er hinzu, "so nehme ich Dein Anerbieten an. Wo nicht, so geschieht es niemals." Da antwortete ihm der Reiche: "Wisse, dass ich aus China gebürtig bin, und ich meiner Jugend ein schöner Mann war. Ich hatte viel Vermögen, konnte aber die Frauen im allgemeinen gar nicht leiden. Ich gelangte in die Jünglingsjahre. Da träumte mir, ich wäre in einer Versammlung, wo jedem sein Teil von Glücksgütern zugeteilt, und immer dabei ausgerufen wurde: Das ist das Teil von dem, dieses von jenem. Endlich hörte ich auch meinen Namen rufen, und zugleich wurde mir ein abscheulich hässliches Weib zugeführt. Ich erwachte ganz erschrocken, und schwur, mich nie zu verheiraten, aus Furcht, einst ein so hässliches Weib zu bekommen. Hierauf reiste ich in dieses Land mit Waren, die ich mit vielem Vorteil verkaufte. Ich blieb hier die ganze Zeit, während welcher ich mir Freunde erwarb, und mir Handlungsdiener, der vielen Geschäfte wegen, annehmen musste. 1)
Ein mir unbekanntes Tier.
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