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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 883. 884. 885. 886. 887. 888. 889. 890. 891. 892. 893. 894. 895. 896. 897. 898. 899. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
891. NachtDa sagte der Perser zu ihm: "Kannst Du noch keine Ruhe finden? Bist Du noch nicht zufrieden, mit Deiner Raubsucht ungestraft davon gekommen zu sein?", und fing nun von neuem an, auf ihn loszuschlagen, und warf ihn zuletzt zur Tür hinaus. Der Sänger war nun genötigt, den noch übrigen Teil der Nacht in einer Ruine zuzubringen. Am Morgen dachte er über sein Schicksal nach, und sprach: "Es hat sich doch niemand hierbei etwas vorzuwerfen. Denn ich suchte bloß mein eigenes Beste, und es ist ja keine Torheit, für sein Bestes zu sorgen. Hat doch die Gewürzkrämerin auch nur für ihr eigenes Beste sorgen wollen, aber das Geschick vereitelt alle menschliche Vorsicht. Ich habe in diesem Land nichts mehr zu suchen, und werde mich davon machen." Welches er denn auch zuletzt tat. Indessen so artig diese Geschichte auch ist, so ist sie doch in keinem Vergleich mit der Geschichte von dem König und seinem Sohn. Geschichte des Königs und seines Sohnes 1)Ein König wurde einst in seinem spätesten Alter noch Vater eines Sohnes, der mit den Jahren an Schönheit und Verstand alle seines Gleichen weit übertraf. Als er die Jünglingsjahre erreicht hatte, meldete ihm sein Vater, dass er ihm das Reich übergeben wollte, damit er es an seiner Statt verwalte. "Ich sehne mich nämlich," fügte er hinzu, "nach der Zurückgezogenheit, in der ich mich Gott widmen, ein härnes Kleid anziehen und ein ganz religiöses Leben führen will." - "Auch ich," erwiderte der Sohn, "fühle keinen Beruf zum Herrschen, sondern im Gegenteil, wie Du, Liebe zu der Einsamkeit." - "Wohlan," sprach der Vater, "komm, lass uns die Menschen meiden, und uns in die Gebirge begeben, wo wir Gott dienen wollen." Sie verschafften sich sogleich härne Kleider, legten sie an, und begaben sich damit in die Wüste. Als indessen einige Tage vergangen waren, und sie schon Mangel an Lebensmitteln litten, wurden sie von Schwäche und Hunger überfallen, und bereuten ihre Tat, als die Reue ihnen leider nichts mehr nutzte. Der Sohn beklagte sich beim Vater über seinen Hunger und seine Müdigkeit. Der Vater aber sagte: "Ich habe, mein Sohn, meine Pflicht gegen Dich erfüllt, indem ich Dir das Reich anbot. Warum hast Du mir nicht gefolgt? Nun ist keine Möglichkeit da, dass Du je zu Deinem früheren Zustand zurückkehren könntest, denn des Reiches hat sich schon ein anderer bemächtigt, welcher jeden, der darauf etwa Ansprüche macht, zurücktreiben wird. Ich werde Dir aber etwas raten, wobei Du mir willfahren musst." - "Was ist dies?", fragte der Sohn. - "Nimm mich bis in die nächste Stadt mit, führe mich da auf den Markt, und verkaufe mich. Mit dem Geld, was Du für mich erhalten wirst, kannst Du dann tun, was Dir beliebt. Ich aber werde dadurch wenigstens an jemanden gelangen, der mich versorgen wird." - "Wer," sprach der Sohn, "wird Dich kaufen, da Du schon so sehr alt bist? Verkauf mich lieber, denn nach mir wird man sich reißen." Der König erwiderte: "Wenn Du gekauft wirst, so wird man Dich mit Arbeit überladen. Nicht so aber ist es mit mir. Übrigens aber befehle ich Dir, zu tun, was ich Dir sage." Da gehorchte der Sohn, und führte den Vater zu dem berühmten Sklavenhändler Annachas, und sagte zu diesem: "Verkaufe doch diesen Greis." - "Wer wird mir den abkaufen?", erwiderte der Händler, "er ist ja schon über achtzig Jahre alt. Was kannst Du denn?", fragte er hierauf den König. - "Ich kann," antwortete dieser, "das Wesen oder das Vorzügliche in den Juwelen, in den Pferden, in den Menschen, und in allem, was nur einigen Wert hat, erkennen." Der Sklavenhändler trug ihn hierauf einigen Leuten an, die ihn aber nicht kaufen mochten. Nun kam auch Aarif, der Koch eines Fürsten, und fragte: "Was das für ein Mann wäre?" - "Es ist ein Sklave, der verkauft werden soll." Darüber wunderte sich der Koch, und kaufte ihn der Seltenheit halber, nachdem man ihn von seiner Wissenschaft unterrichtet hatte, für zehntausend Drachmen. Er bezahlte den Preis, und nahm ihn mit nach Hause. Hier duldete er nicht, dass er mit Arbeiten geplagt würde, sondern setzte ihm etwas Bestimmtes aus, was für ihn hinreichend war. Indessen nach einiger Zeit reute ihn dieser Kauf, denn er wusste nicht, was er mit dem Mann anfangen sollte. Nun begab es sich, dass einst der Fürst Lust bekam, sich in seinen Gärten zu belustigen. Er befahl daher dem Koch, ihm zu folgen, oder jemanden in der Stadt zurück zu lassen, der für ihn die Speise besorgte, dass er sie bei seiner Rückkehr fertig fände. Der Koch dachte soeben darüber nach, wen er wohl zurücklassen sollte, als ihn der Greis in diese Gedanken vertieft fand, und zu ihm sagte: "Vertraue mir doch, was Dich bekümmert. Vielleicht finde ich einen Ausweg." Da erzählte ihm der Koch den ganzen Hergang der Sache. "Sei Du deshalb nur ganz unbesorgt," erwiderte der Alte, "vertraue mir bloß einige Diener an, und gehe in Gottes Namen. Ich werde Dir schon alles zu Deiner Zufriedenheit machen." Der Koch reiste hierauf mit dem Fürsten von dannen, nachdem er dem Greis die nötigen Gerätschaften und einen Mann zur Bedienung gegeben hatte. Dieser letztere wurde sogleich vom Greis beauftragt, die Gerätschaften der Küche zu waschen, und hierauf bereitete er eine ganz vorzügliche Speise. Als nun der Fürst zurückkam, wurde ihm die Speise vorgesetzt, und dieser fand daran ein Wohlgefallen, das er noch an keiner anderen Speise gehabt hatte. In seinem Befremden darüber fragte er nach dem Anfertiger der Speise. Man nannte ihm den Greis, den er sogleich vor sich fordern ließ und ihn deshalb befragte. Da ihn seien Antworten befriedigten, setzte er ihm einen Jahresgehalt aus, und legte ihm die Verpflichtung auf, dass er zugleich mit dem Koch für ihn kochen solle. Diesem Befehl gehorchte denn auch der Greis. Nach einiger Zeit gelangten zwei Kaufleute bei dem Fürsten an, deren jeder ein vorzügliches Kleinod, nämlich eine kostbare Perle, besaß. Der eine forderte für seine Perle tausend Goldstücke. Der Fürst wollte sie schätzen lassen, allein niemand vermochte es. Da nahte sich der Koch dem Fürsten, und erwähnte vor ihm, dass der Greis versichert habe, er verstehe die edelsten unter den Kleinodien zu erkennen. "Er hat ja schon bewiesen," fuhr er fort, "dass er gut kochen kann, und wir haben ihn darin erprobt gefunden. Wie wäre es, wenn wir ihn nun rufen ließen, und ihn auch wegen der Kleinodien befragten? Vielleicht würde sich sein Vorgeben auch hierin bestätigt finden." Der Greis sogleich vor den Fürsten geführt, und über die zwei Perlen, die man ihm vorzeigte, befragt. Er erwiderte sogleich: "Was diese Perle hier anbetrifft, so ist sie tausend Goldstücke wert." - "So viel fordert auch ihr Besitzer," unterbrach ihn der Fürst. - "Diese Perle aber hier ist nur fünfhundert Goldstücke wert." - Da lachten die Leute, und wunderten sich, und der Kaufmann sagte zornig zu ihm: "Wie kann denn das sein? Meine ist ja viel größer, viel reiner, und besser gerundet, und sie sollte weniger als jene kosten?" Doch der Greis sprach: "Ich habe gesagt, was ich zu sagen habe." - "Aber an äußerem Ansehen," sagte hierauf der Fürst, "sind ja beide Perlen einander ganz gleich. Warum sollte sie denn nur halb so viel als jene wert sein?" - "Du hast ganz Recht," erwiderte der Greis, "aber in ihrem Inneren ist ein Wurm." |
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