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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 878. 879. 880. 881. 882. 883. 884. 885. 886. 887. 888. 889. 890. 891. 892. 893. 894. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
886. NachtGeschichte von dem Mann aus Chorassan, seinem Sohn und dessen Lehrer"Dieser Mann hatte einen Sohn, dessen Bestes er eifrig wünschte. Der Sohn aber entzog sich den Augen des Vaters, um allen Arten von Ergötzlichkeiten nachzugehen. Einst bat er ihn, er möchte ihm die Pilgerreise nach dem Hause Gottes und den Besuch des Grabes des Propheten, über den Heil und Segen komme, gestatten. Das betrug eine Entfernung von fünfhundert Parasangen. Gleichwohl konnte sein Vater seinen Wünschen nicht widerstehen, weil ohnehin das Gesetz es verlangte, und er es für das Heil seines Sohnes dienlich hielt. Er suchte daher für ihn einen Lehrer, auf den er sich verlassen konnte. Diesem gab er vieles Geld, und ließ ihn dann mit seinem Sohn die Wallfahrt antreten. Als er nach Mekka gelangt war, ließ er sich da zu vielen unüberlegten Ausgaben verleiten. In seiner Nachbarschaft wohnte ein armer Mann, welcher eine ungemein schöne Sklavin hatte, in die sich der junge Mensch so heftig verliebte, dass er darüber in den tiefsten Kummer geriet. Aber auch das Mädchen liebte ihn, und zwar noch heftiger, als er: Weshalb sie sich an eine alte Frau wandte, die sehr freundschaftlich gegen sie gesinnt war, um ihr ihren Herzenszustand zu entdecken. Dieser erzählte sie alles, und endigte mit der Versicherung, dass sie ohne seinen Besitz vor Schmerz sterben würde. Die Alte versprach ihrerseits dem Mädchen, ihr zu diesem Besitz zu verhelfen. Sie verschleierte sich dann sogleich, und verfügte sich zu dem jungen Menschen. Sei schilderte ihm den Zustand des Mädchens, und äußerte, dass ihr Besitzer sehr geldgierig wäre. "Locke ihn daher an," sagte sie, "und erwecke in ihm Verlangen nach Deinem Geld, dann wird er Dir gewiss das Mädchen verkaufen." Er veranstaltete daher ein Fest, ging an einen Ort, wo er seinem Nachbar begegnen musst, und lud ihn dazu ein. Da dieser die Einladung annahm, so führte er ihn sogleich mit in sein Haus, wo sie aßen und tranken, und sich unterhielten. "Ich habe gehört," sagte hierauf der junge Mensch, "dass Du eine Sklavin hast, die Du verkaufen willst." - "Bei Gott," sprach der andere, "ich denke nicht daran, sie zu verkaufen." - "Man hat mir gesagt, Du wolltest tausend Goldstücke für sie haben. Ich gebe Dir aber noch sechshundert mehr." - "Ja, um den Preis sollst Du sie haben," sagte der Nachbar. Sogleich ließen sie Rechtskundige kommen, und der Verkauf wurde gerichtlich abgefasst. Er bezahlte ihm die Hälfte sogleich, und bat ihn, das Mädchen so lange bei sich zu behalten, bis er den ganzen Wert entrichtet haben würde. Sie blieb also bei ihrem Herrn als Unterpfand zurück, der sich schriftlich verpflichtete, sie ihm für die übrige Hälfte der Summe zu überliefern. Der junge Mensch gab nun seinem Lehrmeister tausend Drachmen, und ließ ihn zu seinem Vater reisen, um das nötige Geld von ihm zu erbitten, wobei er ihm die größte Eile empfahl. Der Lehrmeister aber dachte bei sich selbst: "Wie kann ich zu seinem Vater gehen, und ihm sagen, dass sein Geld schon durchgebracht ist, und dass sein Sohn sich verliebt hat? Werde ich mich wohl mit gutem Gewissen ihm vorstellen können, da ich mich doch für seinen Sohn verbürgt habe? Nein, das werde ich nicht tun, sondern ich will diese Pilgerreise weiter fortsetzen, gegen den Willen seines törichten Sohnes, und wenn er sieht, dass kein Geld ankommt, so wird er wohl zu seinem Vater zurückkehren und ich werde aller Unannehmlichkeiten überhoben sein. Dies tat denn auch der Lehrer. Der junge Mensch aber, als er vergeblich die Rückkehr seines Lehrmeisters erwartet hatte, war in der größten Verzweiflung. Beinahe hätte er sich das Leben genommen, wenn nicht das Mädchen zu ihm geschickt hätte, um ihn nach allem zu befragen. Auf seinen Bericht erwiderte sie: "Wahrscheinlich ist Dein Abgesandter umgekommen, oder Dein Vater hat ihn im ersten Zorn getötet. Ich will Dir aber all mein Geschmeide und meine Kostbarkeiten geben. Verkaufe alles, und bezahle mich damit, dann wollen mir zusammen zu Deinem Vater reisen." Sie gab ihm hierauf alles, was sie hatte, er verkaufte es, und entrichtete davon das übrige ihres Kaufpreises. Nur noch hundert Drachmen bleiben ihm, welche er als Almosen spendete. Ganz entzückt nahm er nun das Mädchen zu sich. Jedoch schon am anderen Morgen zerfloss er in Tränen. Von dem Mädchen nach der Ursache seiner Betrübnis befragt, antwortete er: "Ich weiß nicht, wie es mit meinem Vater steht, ob er vielleicht gar tot ist? Ich bin doch sein einziger Erbe und ich weiß nicht, wie ich hinreisen soll, da ich keine Pfennig mehr habe." Da sprach das Mädchen zu ihm: "Ich besitze ein schönes Armband, welches Du verkaufen kannst. Kaufe dafür kleine Perlen: Diese zerstoße, und mache davon große Perlen. Damit kannst du viel Geld verdienen, und es wird dir dann nicht schwer fallen, Dein Vaterland zu erreichen." Der junge Mann ging mit dem Armband zum Goldschmied, und sagte zu diesem: "Zerbrich dieses Armband und kaufe mir es ab." Dieser antwortete: "Der König verlangt soeben ein echtes Armband wie dieses. Ich gehe jetzt sogleich zu ihm, und bringe Dir den Preis." Der König lobte es sehr, und bewunderte die schöne Arbeit. Zugleich aber rufte er ein altes Weib, das sich in seinem Schloss befand, und trug ihr auf, ihm die Besitzerin dieses Armbandes zu verschaffen. Sie versprach es ihm. Um ihr Versprechen auszuführen, verkleidete sie sich als eine Betschwester, ging zum Goldschmied, und fragte ihn, wer der Besitzer des Armbandes wäre, das der König bei sich hätte. Da antwortete er ihr, es wäre ein Fremder, der ein hiesiges Mädchen gekauft hätte, und an dem und dem Ort wohnte. Sogleich begab sich die Alte in das Haus des jungen Menschen, und klopfte an die Türe. Das Mädchen öffnete, grüßte sie, und da sie an ihr die Kleidung der Frommen erblickte, fragte sie, was ihr beliebe. "O," erwiderte das Weib, "vergönnt mir ein einsames Gemach, denn ich wohne sehr weit von hier, und ich muss jetzt mein Gebet und die vorgeschriebenen Waschungen verrichten." - "Tritt herein," antwortete das Mädchen, und die Alte fing sogleich ihre religiösen Handlungen an. Dann zog sie den Rosenkranz hervor, und betete. Als sie geendigt hatte, fragte das Mädchen sie, woher sie käme? "Ich komme von dem Götzen der Abwesenden aus dem und dem Tempel. Keine Frau kann vor diesen Götzen treten, die, wenn sie einen Bekannten abwesend hat, nicht von ihm Nachricht einziehen könnte." Da rief das Mädchen aus: "Wir haben auch einen Abwesenden, und das Herz meines Herrn hängt ganz an ihm. Ich habe große Lust zu dem Götzen zu gehen, um ihn wegen ihm zu befragen." Da sprach die Frau: "Warte bis morgen, und bitte Deinen Mann um Erlaubnis. Ich werde Dich abzuholen kommen." Als nun die Frau weggegangen, und der Mann zurückgekommen war, erhielt das Mädchen von ihm die Erlaubnis, mit der Alten zu gehen. Diese kann auch wirklich, holte sie ab, und brachte sie an die Pforten des königlichen Schlosses, welches die junge Frau nicht wusste. Als sie nun eingetreten waren, und sie Schönheit des Innern bemerkte, und schön ausgeschmückte Zimmer erblickte, die ihr gar nicht für Götzen geeignet schienen, erweckte dies Besorgnis in ihr. Nun aber erschien der König, der, von ihrer Schönheit bezaubert, sich ihr alsbald nahte, um diese zu küssen. Da fiel sie vor Schrecken in Ohnmacht, und sträubte sich mit Händen und Füßen. |
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