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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 720. 721. 722. 723. 724. 725. 726. 727. 728. 729. 730. 731. 732. 733. 734. 735. 736. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
728. Nacht"Wie, mein Bruder," erwiderte dieser, "habt Ihr mich im Verdacht einer so unredlichen Handlung haben können? Haltet Ihr mich für fähig, ein mir von Euch anvertrautes Gut zu behalten? Es ist da, ganz und unberührt, und wenn ich es Euch nicht schon diesen Morgen zurückgestellt habe, so geschah es, weil ich Eure Seele gewöhnen wollte, die Widerwärtigkeiten, welche die Vorsehung Euch zuschicken könnte, mit Ergebung zu ertragen. Da, nehmt Euer Gold und lasst uns zusammen gehen, denn ich muss zu dem Herrn Kadi, der mich mit seiner Güte beehrt und mich gebeten hat, diesen Abend zu ihm zu kommen." "Wir können in Gesellschaft gehen," sagte der Kaufmann, "denn ich habe gerade auch mit ihm zu reden." Beide begaben sich miteinander auf den Weg. Sobald der Kadi sie erblickte, sagte er zu dem Kaufmann: "Ihr scheint zufrieden mit dem Herrn Abdallah." "Man kann es nicht mehr sein," antwortete der Kaufmann. "So muss ich ihn denn auch zufrieden stellen," fuhr der Kadi fort. "Ich habe ihm diesen Morgen eine Belohnung versprochen, und ein Beamter muss sein Wort halten." Und zu gleicher Zeit befahl er, ihm zweihundert Stockschläge auf die Fußsohlen zu geben, was denn auch auf der Stelle vollstreckt wurde. Auf solche Weise, Herr Kadi," fügte Akil hinzu, "entlarvte einer Eurer Amtsgenossen die Heuchelei und Zweizüngigkeit eines Schurken. Ich hoffe, Ihr werdet ebenso glücklich die Frechheit dieses Ungläubigen zuschanden machen, welcher den Diebstahl zu leugnen wagt, dessen er sich schuldig gemacht hat: Geruht ihn nur durchsuchen zu lassen, und Ihr werdet ihn bald des begangenen Verbrechens überführen." Der Kadi befahl sogleich den Polizeidienern, die Kleider des Juden zu durchsuchen, und man fand bei ihm eine Börse mit Zechinen. Der Angeklagte behauptete, diese Börse gehörte ihm ganz rechtmäßig. Seinerseits versicherte Akil, er erkenne vollkommen den ihm gestohlenen Beutel. In dieser Verwicklung der Umstände gebot der Richter beiden Teilen, anzugeben, was in der streitigen Börse enthalten sein sollte. "Es sind hundert Zechinen darin," antwortete der Jude, "welche ich diesen Morgen genau gezählt habe." "Du lügst, frecher Schelm," entgegnete Akil, "es sei denn, dass Du gegen die Gewohnheit Deiner Glaubensgenossen mehr wiedergibst, als man Dir geliehen hat: Es sind nur neunzig darin. Aber mein Siegelring muss sich dabei befinden, wenn Du ihn nicht herausgenommen hast, und das wird hinreichend sein, den Streit zu entscheiden." Diese Beschuldigung machte den unglücklichen Juden ganz verwirrt. Aber er wurde noch mehr bestürzt, als er sah, dass sein Ankläger recht hatte. Vergeblich wollte er etwas dagegen einwenden: Der Kadi ließ ihm auf der Stelle die Bastonade geben und dem Akil das in Anspruch genommene Geld zustellen. - Haram konnte sich nicht enthalten, seinem Genossen wegen seiner Gewandtheit und Kühnheit Glück zu wünschen. Er gestand, es würde ihm schwer werden, seinen Nebenbuhler zu übertreffen. Aber gleichwohl wollte er es versuchen und gab ihm ein Stelldichein noch denselben Abend bei dem Palast des Königs. "Akil," sprach er hier zu ihm, "Du hast einen Juden und einen Kadi hinters Licht geführt. Ich aber will ein noch größeres Stück unternehmen, und der König selber ist es, an den ich mich machen will. Ich kenne alle Irrgänge des Palastes, und mit Hilfe einer Strickleiter, mit der ich mich versehen habe, wird es uns leicht werden, in die inneren Gemächer des Harems einzudringen. Fühlst Du dich kühn genug, mich zu begleiten?" Akil war über die Verwegenheit dieses Unterfanges erschrocken. Aber er schämte sich, zurückzutreten, und er half seinem Gesellen die Strickleiter auf eine der Mauern des Palastes werfen. |
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