Max Habicht @ www.Wissen-im-Netz.info
Homepage
   Literatur
      Max Habicht
         1001 Nacht

            Vorgeschichte
            Der Esel, der Ochs
               und der Bauer
            Nächte

              ...
              677.
              678.
              679.
              680.
              681.
              682.
              683.
              684.
              685.
              686.
              687.
              688.
              689.
              690.
              691.
              692.
              693.
              ...
            Inhalt nach Titel
            Inhalt nach Nummer

685. Nacht

Man kann sich denken, wie groß die Freude des Prinzen war, als er sich wieder bei derjenigen befand, für welche er so große Gefahren bestanden hatte. In den Armen seiner Geleibten vergaß er bald alle Mühseligkeiten, denen er sich ausgesetzt hatte. Aber mitten in der Freude, welche er empfand, stieg ein Gedanke in ihm auf, der sein Glück trübte: Er gedachte an den Schmerz, dem seine Eltern seit seiner Abreise hingegeben sein mussten. Endlich entschloss er sich, der Prinzessin seinen Kummer mitzuteilen, und diese, um seien Betrübnis zu verbannen, versprach ihm, er sollte seine Eltern denselben Tag noch wieder sehen.

Sie ließ sogleich die vornehmsten der Geister versammeln und eröffnete ihnen, dass sie, durch wichtige Angelegenheiten genötigt, ihr Reich zu verlassen, die Verwaltung desselben ihrem Großwesir anvertraut hätte; und nachdem sie sich ihrer Treue versichert hatte, befahl sie ihren dienstbaren Geistern, sie mit dem Prinzen nach dem Garten zu versetzen, in welchem sie sich zum ersten Mal gesehen hatten: Und dies war in einem Augenblick vollbracht.

Salama und seine Gattin warne ganz in Schmerz über den Verlust ihres Sohnes versunken, als sie zu ihrer größten Überraschung ihn plötzlich wieder vor ihnen erscheinen sahen. Anfangs glaubten sie, es wäre eine Täuschung ihrer Sinne; aber die Beteuerungen des Prinzen und seine zärtlichen Umarmungen ließen sie nicht länger zweifeln, dass sie ihren vielgeliebten Sohn wieder gefunden hätten.

Nachdem die erste stürmische Freude vorüber war, beschäftigte man sich damit, Habibs unerwartete Ankunft überall verkündigen zu lassen. Er empfing die Glückwünsche aller Häupter der Stämme. Man beschenkte die Armen reichlich, und Freudenfeste wurden sieben Tage hindurch gefeiert, nach deren Verlauf man neunzehn von den Rittern, welche Habib in der Wüste verlassen hatten, aufhängen ließ.

Bald darauf bezahlte Salama der Natur seine Schuld. Habib nahm seine Stelle ein und vereinigte unter demselben Szepter die zahlreichen Stämme seines Vaters und das Reich der Inseln Bellur. Dieser große Fürst verlebte mit der schönen Dorrat-al-Ghawas lange und glückliche Jahre; und als er starb, hinterließ er ein blühendes Reich, welches darauf unter die zahlreichen Kinder, die er mit dieser Prinzessin hatte, geteilt wurde."

Noch war der Tag nicht sichtbar, und Scheherasade benutzte die noch übrige Zeit, um dem Sultan von Indien die Geschichte von Ali Dschohari zu erzählen.

Geschichte des Ali Dschohari

"Herr, Ali Dschohari hatte von seinen Voreltern das Amt eines Oberaufsehers bei den Kalifen von Bagdad überkommen, und er verwandte einen großen Teil der unermesslichen Reichtümer, welche dieses Amt ihm verschaffte, zu Wohltaten, welche ihm die Achtung aller Bewohner der Hauptstadt und des Kalifen selber erwarben.

Da Ali Dschohari bei herannahendem Alter nur einen Sohn hatte, auf dessen Erziehung er alle seine Sorgfalt verwandte, so benutzte er das Wohlwollen seines Herren und bat ihn um die Erlaubnis, seinen Dienst zu verlassen. Der Kalif nahm keinen Anstand, ihm diese Gnade zu bewilligen, und vermehrte zugleich durch neue Geschenke die unermesslichen Reichtümer seines Oberaufsehers.

Ü   Þ

© 1999 - 2004 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de