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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 647. 648. 649. 650. 651. 652. 653. 654. 655. 656. 657. 658. 659. 660. 661. 662. 663. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
655. NachtIch war schon mit meinem Vetter verlobt. An dem zur Feier unserer Hochzeit bestimmten Tag ritt er durch die Stadt auf einem schönen Pferd, begleitet von Musikanten und von Einwohnern, welche angezündete Fackeln trugen. Männer, mit dem Säbel in der Hand und den Ellenbogen auf das Kreuz des Pferdes gestützt, ritten ihm zur Seite. Die ganze Stadt und der ganze Palast waren mit dieser Feierlichkeit beschäftigt, und ich hatte nur drei schwarze Verschnittene und einige Frauen zur Wache. Auf einmal hört man ein durchdringendes Geschrei im Nebenzimmer, und ehe ich Zeit dazu habe, nach der Veranlassung zu fragen, sehe ich meinen schrecklichen Schwarzen erscheinen, der mich mit einer Hand fasst und so schnell wie der Tiger, der ein Lamm raubt, mit mir entflieht. Nachdem er meine drei Verschnittenen ermordet und meine Frauen in ihr Gemach eingeschlossen hatte, bedeckte er mich mit dem Schleier einer Sklavin und setzte mich vor sich auf sein an der Pforte des Palastes stehendes Pferd. Mehrere Reiter, die ihn it verhängtem Zügel fliehen sahen, setzten ihm nach. Ich erkannte unter ihnen meinen Vetter; denn die Bewegung des Pferdes hatte meine Schleier fallen machen. Mein Vetter erkannte auch mich und strengte sich aufs neue an, um mich zu befreien. Als nun mein Räuber sich fast eingeholt sah, band er mich über Das Kreuz seines Pferdes und wandte um, um denen, die ihn verfolgten, standzuhalten. Dieser unglückliche Kampf wird meinem Gedächtnis immer gegenwärtig bleiben! Der erste Säbelhieb meines Räubers ließ das Haupt meines Geliebten fliegen. Es rollte auf den Rasen, den es mit seinem Blut färbte, während sein verstümmelter Rumpf, der noch fest auf dem Sattel blieb, von dem Pferd weiter getragen wurde, bis einige Soldaten, die mutig genug waren, ihre Prinzessin rächen zu wollen, den Toten als Preis ihrer Treue in Empfang nahmen. Die übrigen ergriffen die Flucht, und der unerschrockene Sklave, ohne sich mit ihrer Verfolgung aufzuhalten, nahm wieder seinen vorigen Weg. Als wir noch einige Meilen gemacht hatten, begegneten wir Hirten, welche an dem Ort, wo sie die Nacht zubringen wollten, Feuer anmachten. Aber mein Räuber bemächtigte sich, nachdem er einige getötet hatte, ihrer Stelle und ihres Mundvorrats, der in fünf Broten und einem kleinen Schlauch Wein bestand. Da die Herde nicht fern war, so erwürgte er einen fetten Hammel und briet ihn auf glühenden Kohlen. Eins von den Pferden jener unglücklichen Hirten brachte diese Beute bis hierher. Diese Grotte schien ihm sehr passend, um sich auszuruhen und das Verbrechen zu begehen, welches er im Sinn hatte. Da ich mich entschieden weigerte, irgend eine Nahrung zu mir zu nehmen, so zwang mich das Ungeheuer, mich neben ihn zu setzen, während er ganz allein aß. Nach seiner Mahlzeit versuchte er es, mich durch seine unverschämten Liebkosungen und durch seine zugleich zärtlichen und frechen Reden zu rühren. Seien Gebärden wurden bald kühner: Ich stieß ihn zurück. Hierauf nahm er seine Zuflucht zur Gewalt, die ihn ebenso wenig als die Liebkosungen zum Ziel führten. Seien Wut hatte den höchsten Gipfel erreicht, denn ich sollte eben das Schlachtopfer seines Grimmes werden, als der Engel zu meiner Rechten Euch hierher führte, auf dass Ihr mein Befreier würdet." Fortsetzung der Geschichte der Prinzessin Ameny"Eure Abenteuer sind sehr rührend," sagte ich zu der jungen Prinzessin, "und ich schätze mich glücklich, dass ich imstande war, Euch das Leben zu retten. Diese Tat bringt mir nicht minder Vorteil als Euch: Solange der elende Schwarze in dieser Höhle war, konnte ich mich nicht darin ausruhen. Übrigens hat er Mundvorrat mitgebracht, der mir sehr nützlich sein wird. Hunger und Müdigkeit heilen von allen Vorurteilen. Ich werde nicht erröten, von dem zu essen, was ein Sklave übrig gelassen hat. Die muselmännische Religion, zu welcher ich mich bekenne, verbietet zwar, gestohlene Lebensmittel zu essen und Wein zu trinken; aber der Koran ist in Mekka und Medina und nicht in der Wüste im Grunde einer Höhle geschrieben worden." Meine arme Gefährtin hatte sich ein wenig erholt, sie setzte sich neben mich, und wir aßen, bis wir satt waren, das heißt, viel und lange. Unsere Stühle und unser Tisch dienten uns zugleich als Bett: Denn wir streckten uns auf die Erde. |
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