Max Habicht @ www.Wissen-im-Netz.info
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630. Nacht

Dies reizte die Neugier des Kalifen, er setzte sich an den Torweg und befahl dem Mesrur, er sollte rufen und einen Becher mit kaltem Wasser zur Löschung des Durstes armer Reisender verlangen. Als dies geschehen war, kam ein Sklave, betrachtete die ihm Unbekannten und meldete dem Hausherrn, dass drei ehrsam aussehende Männer eine Erfrischung verlangt hätten, worauf ihm befohlen wurde, sie ins Haus zu laden. Der Kalif nahm die Einladung an, wurde mit seinen beiden Begleitern in ein prächtiges Gemach geführt und dort von einem jungen Mann von feinem und artigem Benehmen sehr gastfreundlich empfangen und zum Sitzen genötigt. An den vier Seiten des Zimmers war auf seidene Vorhänge mit goldenen Buchstaben derselbe Vers gemalt, der sich an dem Torweg befand. Es wurde nun ein köstliches Mahl aufgetragen, an welchem alle teilnahmen. Als dies vorbei war, führte sie der junge Mann in ein anderes noch prächtigeres Zimmer, in welchem alle Gattungen von Früchten und Wein aufgestellt waren. Zwanzig schöne Tänzerinnen erhöhten durch Tänze, die sie je fünf und fünf ausführten, den Genuss. Der Kalif war über den Gesang und Tanz der ersten Abteilung so entzückt, dass er in der Entzückung seine Kleider zerriss. Man brachte ihm andere. Die Tänze der beiden folgenden Abteilungen machten dieselbe Wirkung auf Giafar und Mesrur und als die zwei letzten Abteilungen ihre Kräfte versuchten, zerriss der Hausherr seine Kleider und wurde ohnmächtig. Während seine Leute emsig waren, ihn wieder zu sich zu bringen und aufs neue anzukleiden, sah der Kalif auf seinen Seiten und seiner Brust Striemen, die von Peitschenschlägen herzukommen schienen. Seine Neugier war erregt, und ungeachtet der Abmachungen Giafars drang er, als der Hausherr sich wieder erholt hatte, in diesen, ihm die Ursache seiner Bestrafung zu erzählen. Den jungen Mann ärgerte die Unverschämtheit eines Fremden, den er so freundlich bewirtet hatte. "Habt Ihr," sagte er, "nicht die Warnung an meinem Torweg und an meinen Wänden gelesen? Ihr verlangtet nur einen Becher mit Wasser, und ich gab Euch ein Fest, das Ihr schlecht verdient habt; aber Ihr sollt auch Eurer Strafe nicht entgehen!" Giafar warf sich nun zu den Füßen des jungen Mannes und sagte, sie wären unwissende und ungebildete Bauern von Balsora. "Wenn das ist," entgegnete der junge Mann, "so entschuldige ich Euch, und Eure schlechte Erziehung mag Euch das Wort reden. Geht in Sicherheit, aber sucht nicht wieder, unverschämte Neugier zu befriedigen, damit euch nicht ein weniger nachsichtiger Wirt als ich bestrafen möge." Der Kalif und seine Begleiter entfernten sich; aber der erstere war kaum in seinem Palast, als er dem Giafar befahl, Wache abzusenden, die den jungen Mann vor ihn führen und sein Haus bis auf den Grund zerstören sollte. "Herr," sagte der Wesir, "dieser Befehl ist der Würde des Beherrschers der Gläubigen nicht geziemt und dem Vorsatz widersprechend, den Du fasstest, als wir verkleidet unsern Gang antraten. Unser großmütiger Wirt kannte uns nicht, und wir haben doch nun einmal die Warnung, die uns in seinem gastfreien Haus so oft vor die Augen gestellt wurde, nicht beachtet. Wir allein sind zu tadeln und nicht er." Die Leidenschaft des Kalifen wurde durch die Vorstellung des redlichen Giafar besänftigt. Er erkannte die Gerechtigkeit seines Tadels an. "Aber," setzte er hinzu, "ich muss den jungen Mann sehen und seine Abenteuer hören." - "Das sollst Du," erwiderte Giafar und ließ am nächsten Morgen den bewussten Hausherrn zum Kalifen rufen. Jener folgte eilig dem Ruf, und als er nun erfuhr, dass er den Kalifen bei sich bewirtet und gescholten hatte, unterließ er nicht, sogleich seine Neugier zu befriedigen und ihm seine Geschichte zu erzählen.

Mundschab, so hieß der junge Mann, wurde so sehr der Günstling des Kalifen, dass er nur irgend eine ergötzliche Geschichte zu erzählen brauchte, um alles zu erlangen, was er wünschte.

Eines Tages, als der Kalif wieder in seine Grillen zurückzufallen schien, erzählte er ihm folgenden Geschichte:

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