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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 605. 606. 607. 608. 609. 610. 611. 612. 613. 614. 615. 616. 617. 618. 619. 620. 621. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
613. NachtAm Morgen begab sich Abu-Nyut mit seinen beladenen Kamelen in den Palast, verfügte sich in den Hof des Diwans, wo der Sultan ihn sitzend erwartete, dem er nun zurief: "Steig einen Augenblick herab, o Herr, und prüfe das Heiratsgut der Prinzessin." Der Sultan näherte sich den Kamelen, welche niederknieten, untersuchte die Körbe und war über den Reichtum ihres Inhalts voll Erstaunen; denn die Juwelen übertrafen an Glanz und Größe die seinigen so sehr, dass er ausrief: "Beim Allah, wenn die Schätze aller Sultane in der ganzen Welt zusammengebracht würden, so könnten sie nichts Ähnliches aufweisen!" Als er sich von seinem Erstaunen etwas erholt hatte, erkundigte er sich bei seinen Wesiren, wie er sich nun gegen Abu-Nyut benehmen sollte, worauf sie alle einstimmig ausriefen, er möchte ihm ja seine Tochter zur Frau geben. Die Heirat wurde nun bald mit großem Glanz gefeiert, und Abu-Nyut benahm sich in seinem neuen Rang so gut, dass sein Schwiegervater die öffentliche Audienz zur letzten Entscheidung aller Rechtshändel, die er wöchentlich drei Mal zu geben pflegte, ihm übertrug. Als Abu-Nyut nun einige Zeit nach seiner Erhebung in dem prächtigen Saal eines seiner Landhäuser Audienz gab, gewahrte er unter der Menge einen Mann mit sorgenvoller Miene und in einem elenden Anzug, welcher ausrief: "O ihr wahren Gläubigen, ihr mitleidigen Seelen, helft dem Unglücklichen!" Abu-Nyut befahl einem seiner Leibwächter, den Bettler vor ihn zu führen; und als dies geschehen war, erkannte er in ihm seinen verräterischen Gefährten, der ihn in dem Brunnen gelassen hatte. Ohne sich ihm zu erkennen zu geben oder irgend eine andere innere Bewegung als die des Mitleids merken zu lassen, befahl er, jenen in ein warmes Bad zu führen. Nachdem er gebadet, wurde er in einen prächtigen Anzug gekleidet und in den Diwan zurückgeführt. Abu-Nyut nahm ihn in ein besonderes Gemach und sagte: "Kennst Du mich nicht, alter Freund?" - "Nein, beim Allah!", versetzte der andre. "Wisse denn," entgegnete jener, "dass ich Abu-Nyut, Dein Wohltäter und Gefährte bin, den Du verräterischerweise in dem Brunnen gelassen hast." Er erzählte ihm hierauf alle seine Abenteuer und schloss mit der Versicherung, dass er weit davon entfernt wäre, sich wegen seines Verrates an ihm rächen zu wollen, und vielmehr seine Aufführung gegen ihn als den Antrieb des Schicksals und als das Mittel betrachtete, durch welches er seinen gegenwärtigen Rang und Reichtum erlangt hätte, den er mit ihm teilen wollte. Das neidische Herz des Abu-Nyutin war jedoch unbezwinglich, und anstatt dem edlen Abu-Nyut für seine Vergebung und seine Freigebigkeit zu danken, rief er aus: "Da der Brunnen Dir so günstig war, warum sollte er es mir nicht auch sein?" Nachdem er dies gesagt hatte, stand er eilig auf und verließ ohne weiteren Abschied den Abu-Nyut, der solche Rohheit nicht bestrafen wollte. Abu-Nyutin eilte so schnell als möglich zu dem Brunnen, und nachdem er sich an einem Strick hinab gelassen hatte, setzte er sich und erwartete mit Ungeduld die Ankunft der bösen Geister, die auch wirklich um Mitternacht angeflogen kamen und, oben auf dem Rand des Brunnens verweilend, sich nach ihren gegenseitigen Abenteuern befragten. "Seit wir uns zum letzten Mal hier trafen," sagte der eine, "ist es mir schlecht ergangen; denn ein listiger Muselmann hat das Geheimnis ausfindig gemacht, mich auszutreiben, und hat meine Prinzessin geheiratet. Das Schlimmste dabei ist, dass ich nicht imstande bin, mich zu rächen; denn er ist unter dem Schutz eines bekehrten Geistes, den der Prophet zu seinem Schutzgeist bestimmt hat." - "Ich," versetzte der andere, "bin nicht minder übel dran als Du; denn derselbe Mann, der Deine Geliebte geheiratet, hat auch meinen verborgenen Schatz ausgespäht und behält ihn trotz allen meinen Bemühungen, ihn wiederzuerlangen. Aber lass uns diesen abscheulichen Brunnen, der unstreitig die Ursache unserer Unglücksfälle gewesen, zufüllen." Er hatte dies kaum geäußert, als beide Geister die Einfassung und große Steine in den Brunnen warfen, welche den undankbaren und neidischen Abu-Nyutin ganz zermalmten. Da Abu-Nyut vergebnes die Wiederkehr des Abu-Nyutin erwartete, so begab er sich zu dem Brunnen, und als er sah, dass dieser verschüttet war, befahl er, ihn aufzugraben, wo ihn denn die Auffindung des Leichnams bald überzeugte, dass die Bosheit des Elenden seine Zerstörung veranlasst hatte. Er rief mit Ehrfurcht aus: "Nur bei dem Allmächtigen ist Hilfe. Er bewahre uns vor dem Neid, der nur dem schadet, der ihn hegt!" |
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