Max Habicht @ www.Wissen-im-Netz.info
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      Max Habicht
         1001 Nacht

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609. Nacht

Nach diesem Auftritt kehrte der junge Prinz zu seinem Vater und den andern Sultanen zurück, die ihn achtungsvoll empfingen und neben sich sitzen ließen, worüber sein Vater erstaunte, mehr aber noch, als jener sich zu seinen Brüdern wandte und zu ihnen sagte: "Welcher von Euch fand zuerst die Schnur von Perlen und Smaragden?", worauf sie nichts antworteten und er sodann fort fuhr: "Wer von Euch tötete das Ungeheuer und den Elefanten oder wagte es, mit starkem Gemüt in den Palast des Sultans zu gehen und den Käfig mit dem Vogel wegzunehmen? - Als ihr beide wie ein paar Schufte mich anfielt, beraubtet und verwundetet, hätte ich leicht Herr über Euch werden können. Aber ich fühlte, dass die Vorsehung eine Zeit bestimmt hätte, zu welcher über Euch und meinen elenden Vater, der mich und meine Mutter verstoßen und uns unserer gerechten Ansprüche beraubt hat, ein gerechtes Gericht ergehen würde." Als er dies gesagt hatte, zog er seinen Säbel, drang auf beide Prinzen ein und streckte sie beide jeden mit einem Hieb tot zu Boden. Er hätte in seiner Wut auch seinen Vater angegriffen; aber die Sultane hielten ihn zurück, und nachdem sie Vater und Sohn versöhnt hatten, versprach der erstere dem letzteren, ihn zu seinem Erben und seine Mutter wieder in ihren vorigen Rang einzusetzen. Seine Vermählung mit der dritten Prinzessin wurde nun gefeiert, und die drei Väter der jungen Frauen, nachdem sie an den vierzig Tage lang stattgefundenen Festlichkeiten teilgenommen hatten, nahmen Abschied und kehrten in ihre verschiedenen Königreiche zurück. Der alte Sultan, der sich seines Alters wegen den Regierungssorgen nicht mehr gewachsen fühlte, übertrug die Herrschaft seinem Sohn, welchen das von seiner Tapferkeit und Klugheit eingenommene Volk willig als Herrscher anerkannte.

Einige Zeit, nachdem er zum Königtum gelangt war, verließ er, nur von einigen ausgewählten Hofleuten begleitet und ohne die lästigen Anhängsel seines Ranges, die Hauptstadt, um sich auf eine Jagd zu begeben. Als er nun jagend über eine wüste Ebene kam, gelangte er auf einen Fleck, und dem sich die Öffnung einer Höhle befand, in welche er hinein trat und in der Höhle Hausgerät und andere Zeichen ihres Bewohntseins fand, aber niemand war darin.

Seine Neugier war gereizt, er beschloss, die Erscheinung der Bewohner der Höhle abzuwarten, und befahl seinen Begleitern, seinen Rang nicht zu verraten. Er hatte noch nicht lange gewartet, als ein Mann, mit Mundvorrat beladen, kam. Als derselbe an den Eingang der Höhle gelangt war, sagte der Sultan zu ihm: "Woher kommst Du, wohin gehst Du, und was trägst Du?" - "Ich bin," versetzte der Mann, "einer von den drei Genossen, welche diese Höhle bewohnen. Wir sind aus der Stadt entflohen, um der Gefangennehmung zu entgehen, mit welcher wir einiger schlimmen Streiche wegen uns bedroht sahen, und alle zehn Tage geht einer von uns, um Mundvorrat einzukaufen: Heute ist die Reihe an mir, und meine Freunde werden gleich hier sein. Bleibt diese Nacht bei uns, und Ihr werdet sehen, dass wir ein lustiges Leben führen."

Der Sultan nahm mit Vergnügen diesen Vorschlag an und sandte sogleich seine Begleiter mit Ausnahme einiger weniger mit dem Befehl ab, aus der Stadt allerlei Bedürfnisse für die Nacht zu holen. Er blieb mit seinen einigen Begleitern in der Höhle, und bald nachher kamen ihre andern beiden Bewohner, denen sehr bald die Boten des Sultans mit allem zu einer guten Mahlzeit Nötigen folgten, an welcher alle ohne Umstände teilnahmen.

Als die Nacht vorbei war, machte der Sultan seinen Wirten, deren Lustigkeit und Verstand ihm sehr behagt hatte, den Vorschlag, sie mit in die Stadt zu nehmen. "Wie," riefen sie aus, "Ihr wollt uns an den Ort bringen, aus dem wir entwischt sind, um unsere Freiheit zu retten! Wo denkt Ihr hin?" - "Fürchtet nichts," sagte der Fürst, "ich bin der Sultan, ich wollte Euch hören, um mich zu ergötzen; und in Rücksicht des Vergnügens, das ihr mir gewährt habt, verzeihe ich Euch!" Bei diesen Worten verneigten sie sich tief vor ihrem Oberherrn und schworen ihm Gehorsam. Sie verließen ihre Höhle und folgten dem Sultan in seinen Palast. Ihre Unterhaltung schien ihn sehr zu ergötzen, und er ließ sie vor sich kommen, damit sie ihm lustige oder erstaunliche Abenteuer erzählen, und als sie eines Abends beisammen waren, gab einer folgende Geschichte zum besten:

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