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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 596. 597. 598. 599. 600. 601. 602. 603. 604. 605. 606. 607. 608. 609. 610. 611. 612. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
604. NachtGeschichte eines Sultans von Yemen und seiner drei Söhne"Man erzählt, dass einst in dem Königreich Yemen ein Sultan lebte, der drei Söhne hatte, von denen zwei von derselben Mutter geboren waren, der dritte aber von einer anderen Frau, deren der Sultan überdrüssig geworden war, und der er, zur Magd herabgesetzt, erlaubt hatte, mit ihrem Sohn unbeachtet unter der Dienerschaft des Harems zu leben. Die beiden älteren Söhne baten ihren Vater eines Tages um die Erlaubnis, jagen zu dürfen, worauf er jedem ein prächtig gezäumtes Pferd von echter Rasse schenkte und ihnen mehrere Sklaven zur Begleitung gab. Als sie fort waren, begab sich der arme jüngste Bruder zu seiner unglücklichen Mutter und äußerte ihr seine Wünsche, gleich den ältesten die Vergnügungen seines Alters genießen zu dürfen. "Mein Sohn," versetzte sie, "es steht nicht in meiner Macht, Dir ein Pferd, und was Du sonst noch bedarfst und wünschest, zu verschaffen." Als er nun bitterlich weinte, gab sie ihm etwas von ihrem Silberschmuck, das er verkaufte und von dem Geld eine verschlagene Stute kaufte. Als er sie bestiegen und sich mit etwas Brot versehen hatte, folgte er der Spur seiner Brüder zwei Tage lang, verlor sie aber am dritten. Als er noch zwei Tage umhergeirrt war, erblickte er auf der Ebene eine Schnur Perlen und Smaragden, die einen großen Glanz verbreitete. Nachdem er sie aufgehoben hatte, wand er sie um seinen Turban und ritt voll Freuden über seinen Fund wieder nach Hause. Als er jedoch in die Nähe der Stadt kam, begegneten ihm seine Brüder, warfen ihn vom Pferd, schlugen ihn und rissen ihm die Schnur vom Turban. Er übertraf sie beide an Stärke und Tapferkeit, aber er fürchtete des Sultans Missvergnügen und für die Sicherheit seiner Mutter, wenn er seine Beleidiger bestrafte. Er ertrug daher mit Geduld die Beschimpfung und den Verlust und entfernte sich. Als die zwei feigen Prinzen im Palast angekommen waren, überreichten sie dem Sultan die Schnur, der, nachdem er sie bewundert hatte, sagte: "Ich werde nicht eher zufriedne sein, bis ich den Vogel besitze, dem diese Schnur notwendig gehört haben muss," worauf die Brüder erwiderten: "Wir wollen uns aufmachen, um ihn zu suchen und ihn unserm erhabenen Vater und Sultan zu bringen." Nach den nötigen Vorbereitungen reisten die beiden älteren Brüder ab, und der jüngste folgte ihnen auf seiner lahmen Stute. Nach einer Reise von drei Tagen kam er in eine große Wüste, die er mit großer Anstrengung durchstreifte, bis er fast erschöpft in eine Stadt gelangte, welche er von Weh- und Klagegeschrei widerhallen hörte. Endlich begegnete er einem ehrwürdigen Greis, den er ehrfurchtsvoll grüßte und ihn um die Ursache dieser allgemeinen Trauer befragte. "Mein Sohn," versetzte der Greis, "heute vor dreiundvierzig Jahren erschien ein schreckliches Ungeheuer vor unserer Stadt, verlangte, dass man ihm jährlich eine schöne Jungfrau ausliefern sollte, und bedrohte uns im Weigerungsfall mit Vernichtung. Unfähig, uns zu verteidigen, haben wir immer sein Begehren erfüllt und das Opfer durch das Los bestimmen lassen. Solches hat aber in diesem Jahr die schöne Tochter unseres Sultans betroffen. Heute ist nun der Tag, an welchem das Ungeheuer gewöhnlich erscheint, und wir sind voll Trauer und Klagen über ihr unglückliches Geschick." Als der junge Prinz das Obige gehört hatte, begab er sich, auf sein Verlangen von dem Greis begleitet, an den Ort, wo das Ungeheuer sich aufhielt, entschlossen, es zu bekämpfen oder zu sterben. Kaum war er dort, als auch die Prinzessin sich nahte, prächtig gekleidet, aber mit gesenktem Haupt und in Tränen schwimmend. Er begrüßte sie ehrfurchtsvoll, und sie erwiderte seinen Gruß, indem sie sagte: "Verlass diesen Ort, junger Mann, denn es wird sogleich ein Ungeheuer erscheinen, dem mein unglückliches Geschick mich bestimmt hat. Wenn es Dich entdeckt, so wird es Dich in Stücke zerreißen." - "Prinzessin," erwiderte er, "ich kenne das Unglück, welches Dir droht, und bin entschlossen, das Lösegeld für Dich zu bezahlen." |
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