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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 595. 596. 597. 598. 599. 600. 601. 602. 603. 604. 605. 606. 607. 608. 609. 610. 611. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
603. NachtWir wenden uns nun wieder zu dem jüngsten Bruder. Als er in den Teich geworfen wurde, erwachte er und rief, indem er sich in Gefahr sah, aus: "Ich suche Rettung bei dem Gott, der seine Diener aus den Schlingen der Gottlosen rettet!" Sein Gebet wurde erhört, und er erreichte unverletzt den Boden des Teiches, wo er sich in eine Blende setzte und sprechen hörte. Eine Stimme sagte zu der andern: "Es ist ein Menschensohn in der Nähe!" - "Ja," erwiderte die andere, "er ist der jüngste Sohn unseres tugendhaften Sultans, der, nachdem er seine Brüder entzaubert hat, verräterischerweise in diesen Teich geworfen worden ist." - "Nun," antwortete die erste Stimme, "er wird leicht gerettet werden, denn er trägt einen Ring an seinem Finger, den er nur zu reiben braucht, um einen Geist herbeizuzaubern, der alle seine Befehle vollziehen muss." Der Prinz hatte kaum diese Worte gehört, als er den Ring mit der Hand rieb, worauf sogleich ein guter Geist erschien und zu ihm sagte: "Prinz, was ist zu Deinem Befehl?" "Ich befehle," versetzte der Prinz, "dass Du mir sogleich Zelte, Kamele, Diener, Wachen und alles meinem Stand Angemessene besorgst." - "Alles ist bereit," antwortete der Geist, der ihn zugleich aus der Blende nahm und ihn in ein glänzendes Lager führte, wo ihn die Truppen mit Jubelruf begrüßten. Er befahl, zum Aufbruch zu blasen, und zog nach der Hauptstadt seines Vaters, vor welcher er ein Lager aufzuschlagen befahl. Sein Befehl wurde sogleich befolgt, die Zelte - für ihn ein höchst prächtiges - wurden errichtet, man sprengte mit Wasser, um den Staub zu löschen, und die Köche zündeten ihre Feuer an, so dass ein gewaltiger Rauch die Ebene erfüllte. Die Bewohner der Stadt waren über die Annäherung des Heeres erstaunt und fürchteten, als sie das Lager sahen, es wäre ein mächtiger Feind vor den Toren, der ihnen mit einem schrecklichen Sturm drohte. Man benachrichtigte den Sultan von diesem Herr, der, als er davon hörte, ein Vergnügen fühlte, welches er sich nicht erklären konnte, und sagte: "Gnädiger Allah, mein Herz ist voll Freude, und ich weiß doch nicht, warum!" Er befahl seinem Hof, ihm zu folgen, und begab sich in das Lager seines Sohnes, zu welchem er geführt wurde. Da jedoch der Prinz sehr reich und ganz anders als sonst gekleidet war, so erkannte ihn der Sultan nicht. Der Prinz empfing seinen Vater mit den seinem Rang gebührenden Ehrenbezeigungen und fragte ihn, als sie sich beide gesetzt und ein Gespräch begonnen hatten, was aus seinem jüngsten Sohn geworden wäre. Kaum hatte er diese Frage getan, als der Sultan ohnmächtig zur Erde fiel. Sobald er wieder zu sich gekommen war, rief er aus: "Ach, die Unvorsichtigkeit meines Sohnes veranlasste ihn zu reisen, und er ist sicher eine Beute der Tiere des Waldes geworden." - "Tröste Dich," versetzte der Prinz, "das Missgeschick hat Deinen Sohn nicht erreicht; denn er lebt und ist gesund." - "Ist das möglich?", rief der Sultan, "o sage mir, wo finde ich ihn?" - "Er steht vor Dir," sagte der Prinz. Worauf der Sultan ihn näher betrachtete, erkannte, ihm um den Hals fiel, weinte und vor Entzücken zur Erde sank. Als der Sultan wieder zu sich gekommen war, forderte er seinen Sohn auf, seine Abenteuer zu erzählen, was er von Anfang bis zu Ende tat. Als er eben fertig war, kamen die älteren Brüder, und da sie ihn in seinem Glanz sahen, ließen sie, beschämt und unfähig zu reden, aber neidischer als je, die Köpfe sinken. Der alte Sultan wollte sie wegen ihrer Verräterei töten lassen, aber der jüngste Prinz sagte: "Überlassen wir sie dem Allmächtigen; denn wer sündigt, wird seine Strafe in sich selbst finden." Als der Reisende diese Erzählung beendet hatte, war der Sultan so sehr davon ergötzt, dass er ihm eine große Geldsumme und eine schöne, von ihm noch unberührte Sklavin schenkte und ihn zugleich fragte, ob er ihm nicht eine andere Geschichte erzählen könnte, was der Reisende bejahte, der an einem anderen Abend, als sie wieder beisammen waren, folgende Geschichte erzählte. |
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