| Max Habicht @ www.Wissen-im-Netz.info | |
|
Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 586. 587. 588. 589. 590. 591. 592. 593. 594. 595. 596. 597. 598. 599. 600. 601. 602. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
594. NachtDer Sultan beschloss trotz seiner gezwickten Nase, sich noch ferner mit den Opiumessern zu ergötzen, und ging am folgenden Abend in neuer Verkleidung mit dem Wesir in des Kadis Haus, wo er die Genossen in toller Lustigkeit fand. Sie hatten sich's in den Kopf gesetzt, zu tanzen, und tanzten mit solcher Heftigkeit und so lange, bis sie endlich vor Müdigkeit umfielen. Als sie sich etwas ausgeruht hatten, sagte der Fischer, den Sultan erblickend: "Woher kommst Du?" - "Wir sind Fremde," versetzte der Sultan, "und erst in dieser Nacht hier angekommen. Da wir jedoch, indem wir durch die Straßen zogen, Eure Lustigkeit hörten, so waren wir so dreist, einzutreten, um sie mit Euch zu teilen. Fürchtet ihr Euch denn aber nicht, dass der Sultan Euch auf der Runde, die er zu machen pflegt, hören und wegen Eurer Übertretung des Gesetzes bestrafen könnte?" - "Wie sollte uns der Sultan hören?", erwiderte der Fischer. "Der ist in seinem Palast, und wir sind in unserem Haus, vermutlich aber lustiger als er, der arme Kerl, der mit seinen schweren Regierungssorgen trotz seinem Glanz belastet ist." "Wie kommt's," versetzte der Fürst, "dass ihr den Sultan nicht besucht habt? Denn ihr seid lustige Leute, und ich glaube, dass er euch aufmuntern würde." - "Wir fürchten," entgegnete der Fischer, "dass seine Wachen uns fortjagen möchten." - "Keineswegs," sagte der Sultan, "und wenn ihr wollt, so will ich Euch ein Empfehlungsschreiben an ihn mitgeben, das er gewiss beachten wird; denn wir waren Jugendfreunde." - "Wohlan, gebet es uns," rief der Fischer. Der Sultan schreib einen an sich selbst gerichteten Brief und ging. Am Morgen gingen der Kadi und der Fischer in den Palast und übergaben das Schreiben einem von der Wache, der, als er es erblickte, es an sein Haupt hielt, sich niederwarf und sie dann zu dem Sultan führte. Als dieser den Brief gelesen hatte, befahl er, sie in besondere Zimmer zu führen und sie mit Achtung zu behandeln. Mittags wurde jedem ein Imbiss vorgesetzt und abends ein vollständiges Mahl, dem der Kaffee folgte. Nach zwei Stunden ließ der Sultan sie rufen, erwiderte ihre Begrüßung, ließ sie Platz nehmen und fragte, wer ihnen den Brief gegeben hätte. "Mächtiger Sultan," versetzte der Fischer, "in vergangener Nacht besuchten zwei Männer unser Haus und fragten, warum wir nicht zu Euer Majestät gingen und an Euer Güte teilnähmen. Wir erwiderten, dass wir von den Wachen weggetrieben zu werden fürchteten, worauf er uns dieses Schreiben gab und uns sagte, wir möchten keine Furcht hegen und es als eine Empfehlung dem Sultan, mit dem er in seiner Jugend sehr vertraut und befreundet gewesen, übergeben. Wir folgten seiner Anweisung und haben seine Worte bewährt gefunden. wir befragten die beiden Leute, woher sie kämen; aber sie sagten uns nur, dass sie in dieser Stadt fremd wären." - "Es ist," fuhr der Sultan fort, "unumgänglich notwendig, dass ihr sie in meine Gegenwart bringt, denn es ist lange her, dass ich meine alten Freunde nicht gesehen habe." - "So erlaube uns," sagte der Fischer, "nach Hause zu gehen, wo sie uns vermutlich wieder besuchen werden, und wir wollen sie nötigen, mit uns zu kommen." - "Wie wollt ihr das machen," sagte der Sultan, "da ihr gestern Abend Euren Gast nicht vom Entwischen abhalten konntet, obgleich ihr ihn bei der Nase hattet?" Der arme Fischer und sein Gefährte, der Kadi, waren nicht wenig über die Entdeckung bestürzt, dass es der Sultan selber gewesen, der ihre Berauschung und ihre tollen Streiche gesehen hatte. sei erblassten, zitterten, warfen sich auf der Erde und schrieen: "Verzeihung, Verzeihung, gnädiger Herrscher, für die Beleidigungen, die wir in unserem Wahnsinn der geheiligten Person Euer Majestät angetan haben!" Nachdem der Sultan herzlich über ihre Verwirrung gelacht hatte, sagte er: "Ich verzeihe Euch, denn Eure Beleidigungen waren unwillkürliche, obgleich ich, da ich als ein Zudringling in eure Wohnung kam, sie verdiente. Seid munter und setzt Euch; aber jeder von euch muss mir seine Abenteuer oder eine andere hübsche Geschichte erzählen." Der Kadi und der Fischer gehorchten, nachdem sei sich von ihrer Verwirrung erholt hatten, dem Sultan, und der Fischer erzählte, als sie sich gesetzt hatten, folgende Geschichte: |
|
© 1999 - 2004 Copyright by Jürgen Kühnle |
|