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573. Nacht

Bei Tagesanbruch ging die Mutter, unfähig, noch länger vergeblich zu harren, in das Zimmer der Tochter, woselbst der junge Mann sie voll Verdruss befragte, was das Kommen seiner Braut verhindert hätte. "Sie ist vor Dir in dieses Zimmer gegangen," sagte die Mutter. "Ich habe sie nicht gesehen," erwiderte der Bräutigam. Hierauf schrie die Sultanin laut auf und rief nach ihrer Tochter, die ihr einziges Kind war. Ihr Geschrei drang bis zum Sultan, der herbeieilte und erfuhr, dass die Prinzessin, die er, seitdem sie am Abend in das Zimmer gegangen war, nicht wieder gesehen hatte, vermisst wurde. Man durchsuchte vergebens den ganzen Palast, und der Sultan, die Sultanin und der Bräutigam betrübten sich auf das heftigste.

Um das Verschwinden der Prinzessin zu begreifen, muss man wissen, dass ein Geist sich oft damit ergötzte, den Harem des Sultans zu besuchen, und da er sich gerade in der Hochzeitsnacht dort befand, so wurde er von den Reizen der Braut so gefesselt, dass er sie zu rauben beschloss. Demnach machte er sich unsichtbar, erwartete sie in dem Hochzeitsgemach, ergriff sie, als sie eintrat, und entführte sie durch die Lüfte. Endlich langte er mit seiner Beute in einem weit von der Stadt entfernten Garten an, trug die Prinzessin in eine schattige Laube, setzte ihr köstliche Früchte vor, begnügte sich jedoch damit, ihre Schönheit anzustaunen.

Als der Bräutigam sich von seinem ersten Schrecken erholt hatte, gedachte er seines Lehrers und begab sich mit dem Sultan nach dem Palast, wo das glänzende Fest stattgefunden hatte. Hier fanden sie alles noch in derselben Ordnung wie an dem festlichen Tag und wurden von dem ehrwürdigen Greis gütig aufgenommen, der, als sie ihm den Verlust der Prinzessin erzählten, ihnen Trost einsprach. Er befahl hierauf, ihm eine Kohlenpfanne mit glühenden Kohlen zu bringen, in die er nach kurzem Nachsinnen wohlriechende Dinge warf, über welche er Bezauberungsformeln aussprach. Kaum hatte er diese beendet, als die Erde bebte, Wirbelwinde sausten, Blitze zuckten und Staubwolken die Luft verfinsterten, aus welchen beschwingte Truppen mit prächtigen Fahnen und gewaltigen Speeren hernieder eilten. In ihrer Mitte erschienen drei Sultane der Geister, die sich vor dem Greis tief verneigten und alle zugleich ausriefen: "Heil Dir, Meister, wir sind gekommen, um Deinen Befehlen zu gehorchen!"

Der Greis erwiderte: "Ich befehle, dass ihr mir sogleich den verruchten Geist hierher schafft, welche die Braut meines Sohnes entführt hat." Die Geister versetzten: "Dein Wille ist Gesetz!", und sogleich wurden fünfzig abgesendet, um die Prinzessin in ihr Zimmer und den Schuldigen vor den Weisen zu bringen. Kaum erteilt, waren diese Befehle auch schon vollzogen. Zehn Geister trugen die Braut sorgfältig in ihr Zimmer, während die übrigen den verbrecherischen Geist ergriffen und vor den Weisen brachten, der den drei Geistersultanen den Befehl gab, ihn zu Asche zu verbrennen, was auch sogleich geschah. Bei diesem allen war der Sultan gegenwärtig und sah mit Staunen die furchtbar-riesenhaften Gestalten der Geister, deren untertänige Bereitwilligkeit, dem Greis zu gehorchen, ihn sehr verwunderte. als der Schuldige zu Asche verbrannt war, erneuerte der Greis seine Beschwörungen, während welcher die Sultane der Geister mit ihrem Gefolge sich vor ihm verneigten und, als er geendet hatte, verschwanden.

Als der Sultan und der Bräutigam von dem Greis Abschied genommen hatten, kehrten sie in den Palast zurück, in welchem alles voll Freunde über die glückliche Rückkehr der Prinzessin war. Die Heirat wurde vollzogen, und der junge Mann fühlte sich so glücklich bei seiner Braut, dass er den Harem sieben Tage lang nicht verließ.

Am achten befahl der Sultan, öffentliche Lustbarkeiten zu veranstalten, und lud alle Bewohner der Stadt dazu ein, indem er bekannt machen ließ, drei Tage lang sollte niemand, arm oder reich, in seinem Hause essen oder eine Lampe anzünden, sondern alle an den hochzeitlichen Festen teilnehmen. In den Höfen des Palastes waren Speisen und Getränke im Überfluss, und die Hofbeamten sorgten Tag und Nacht dafür, dass jeder Gast seinem Stand gemäß bewirtet wurde.

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