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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 523. 524. 525. 526. 527. 528. 529. 530. 531. 532. 533. 534. 535. 536. 537. 538. 539. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
531. NachtSogleich ging der König in sein Zimmer zurück; er ließ die beiden Schuldigen kommen und zwang sie, die Anstifter ihres Frevels zu nennen. Tief betrübt über sein unfreiwilliges Verbrechen, wollte dieser Fürst wenigstens den Mord Abutemams rächen: Er ließ die zehn Wesire verhaften, ihnen die Köpfe abhauen und befahl, ihre Häuser zu schleifen. Aber diese unerquickliche Gerechtigkeit enthob ihn nicht, sein ganzes übriges Leben den unschuldigen Mann zu beweinen, welchen er getötet hatte." Als Bacht-jar hiermit aufgehört hatte zu reden, wollte der König ihn abermals ins Gefängnis zurückschicken: Aber die zehn Wesire und die Großen des Reichs, unwillig über diese Schwachheit, forderten mit lauter Stimme seine Hinrichtung und drohten, den Hof zu verlassen, wenn der König ihn durch eine unwürdige Verzeihung entehrte. Die Königin selber vereinigte sich mit den Wesiren und drang auf seine Bestrafung. Aber der König konnte sich nicht entschließen, die Hinrichtung des Jünglings zu befehlen und Zeuge derselben zu sein, und übergab sein Schicksal ihren Händen. Man ließ nun Bacht-jar dem König aus den Augen führen, und die Ausrufer verkündigten dem Volk durch die ganze Stadt, dass seine Hinrichtung auf dem öffentlichen Platz stattfinden sollte, wo alsbald eine zahllose Volksmenge zusammenlief. Aber bei Bacht-jars Anblick wurden aller Herzen durch seine Jugend und sein unschuldiges aussehen innigst gerührt. Durch einen glücklichen Zufall kam Farek-Serwar, der Räuberhauptmann, von welchem ich schon erzählt habe, gerade im selbigen Augenblick in die Stadt, als alles dieses vorging. Fortgezogen durch den Storm der Menge nach dem öffentlichen Platz, erblickte er nicht ohne Erstaunen seinen Pflegesohn, den man zur Hinrichtung führte. Alsbald hört er nur auf die Stimme seines Mutes, und an der Spitze seiner braven Gefährten stürzt er hervor, und ohne dass das Volk an Widerstand denkt, versucht er es mit ihnen, Bacht-jar zu befreien. Aber die Wache überwältigte sie und führte sie vor den König, welcher sie befragte, was sie zu diesem verwegenen Unternehmen angetrieben hätte. "Herr," antwortete Farek-Serwar, "dieser Jüngling ist mein Sohn, er ist lange bei mir gewesen, und ich weiß, er ist von englischem Gemüt und so gut, dass, wenn Euer Majestät seinen Tod befiehlt, Ihr auch zugleich den meinen befehlen müsst. Ach! Wenn sein Vater und seine Mutter, die ohne Zweifel zu einem Fürstenhaus gehören, wüssten, wo er sich befindet, sie würden ohne Zweifel nicht dulden, dass man ihn nur scheel ansähe." Bei dieser Rede fing der König an zu lachen. "Du redest irre," sprach er, "erst sagst Du uns, dieser Jüngling sei Dein Sohn, und dann setzest Du hinzu, dass sein Vater und seine Mutter von königlichem Geblüt sind." "Ich kann Euch gleich diesen Widerspruch lösen," antwortete Farek-Serwar. "Eines Tages, als ich die Wüsten von Kerman durchstrich, fand ich ihn als neugeborenes Kind am Ufer eines Sees: Es war in Goldstoff gekleidet und trug um den Hals ein köstliches Halsband aus zehn schönen Perlen ..." "Hast Du dieses Kleinod noch?", unterbrach ihn ungestüm der König. "Ja, Herr, und ich kann es Euch zu Füßen legen," antwortete der alte Pflegevater Bacht-jars. Der König erkannte sogleich den Schmuck seines Sohnes und zweifelte nicht mehr an der Wahrheit. Er lief hin und zeigte die Sachen der Königin, welche sie ebenso wohl erkannte. "Herr," reif sie aus, "welche Kunde habt Ihr von unserem Sohn?" "Da ist er selber," antwortete Asad-bacht; und zu gleicher Zeit ließ er Bacht-jar herführen: Er bemühte sich selber, ihm die Ketten abzunehmen und ihm königliche Kleider anzulegen. |
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