| Max Habicht @ www.Wissen-im-Netz.info | |
|
Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 513. 514. 515. 516. 517. 518. 519. 520. 521. 522. 523. 524. 525. 526. 527. 528. 529. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
521. NachtKaum hatte er diese Worte ausgesprochen, so begann die Königin alle ihre Bekenntnisse, ohne den geringsten Umstand zu verschweigen. Sei gestand, Fareksad wäre ihr Sohn, und der König erkannte nun, dass er ihn ungerechterweise verurteilt hatte. "Weil dies der Wille Gottes war," fügte die Königin hinzu, "so unterwerfe ich mich seinen Fügungen, und vielleicht kann ich mich einst noch über den Tod meines Sohnes trösten, wenn der König, mein Gemahl, anstatt mir diese kränkendste Verachtung anzutun, mir seine Liebe wiederschenkt." Der König konnte der Rührung, welche diese letzten Worte in ihm hervorbrachten, nicht widerstehen, und unter heißen Tränen fasste er die Königin in seine Arme und bedeckte sie mit Küssen. Die Königin tat, als wenn sie plötzlich erwachte, und rief aus: "Großer Gott! Wie hat es sich gefügt, dass Euer Majestät mich ihrer Liebkosungen würdigt?" Jetzt erzählte der König ihr alles, was vorgegangen war, und machte ihr zärtliche Vorwürfe, dass sie ihm so lange ihr Geheimnis in Ansehung Fareksads verhehlt, welchen er, weit entfernt, ihn umbringen zu lassen, mit Vergnügen als seinen eigenen Sohn angenommen hätte. Diese Vorstellung erneute ihre Tränen, und beide bemühten sich gegenseitig, den Trost zu geben, dessen jedes von ihnen selber bedurfte. In der Absicht, Fareksad ein seiner Geburt würdiges Begräbnis zu veranstalten, ließ der König am folgenden Tage den Schergen vor sich kommen, dem er die Vollstreckung seines Urteilsspruchs aufgetragen hatte, und sprach zu ihm: "Du sollst mir den Ort anzeigen, wo Du den Leichnam des unglücklichen Fareksad beerdigt hast, damit ich auf seinem Grab beten und ihn als ein unschuldiges Schlachtopfer verehren kann. Dadurch will ich wenigsten, soviel an mir ist, meine Ungerechtigkeit gegen ihn sühnen und mich dafür strafen, dass ich diese frische Blume des Gartens der Glückseligkeit gebrochen, diesen Zweig von der stolzen Zeder des königlichen Stammes abgehauen habe. "Herr," antwortete der Scherge, indem er sich verneigte, "mögen die Himmel zum Fußschemel des Thrones Euer Majestät dienen und Glückseligkeit und Freude aus Eurem erhabenen Haus die Verzweiflung und den Schmerz vertreiben! Fareksad ist nicht tot: Als Ihr mir seine Hinrichtung befahlt, erachtete ich es für ein Verbrechen, einen Unschuldigen zu töten, und ich wagte es, ihn in meinem Haus zu verbergen, wo er wirklich noch ist." Diese frohe Neuigkeit schien dem König neues Leben zu geben und machte ihm umso größere Freude, je weniger er sie erwartete hatte. Weit entfernt, dem Schergen seinen Ungehorsam zu verweisen, ließ er ihn zum Zeichen seiner vollen Erkenntlichkeit mit einem reichen Pelz bekleiden und schickte ihn sogleich mit mehreren andern Leuten hin, um Fareksad zu holen. Unterdessen eilte er zu der Königin, um ihr dieses glückliche Ereignis mitzuteilen. Fareksad kam alsbald. Der König streckte ihm bei seinem Anblick die Arme entgegen, bezeigte ihm die herzlichste Zuneigung und führte ihn wieder in den Harem. Die Königin stieß bei seinem Anblick ein Freudengeschrei aus und unterließ nicht, sogleich der Vorsehung zu danken. Alle drei lebten nunmehr in der vollkommensten Vereinigung und erfreuten sich eines ungetrübten Glückes. Herr," sagte Bacht-jar zum Schluss dieser Geschichte, "Ihr seht aus dem Benehmen der Königin und der Alten, welcher List die Frauen fähig sind, wenn sie zu ihrem Zweck gelangen wollen. Ihr seht zugleich, wie vergeblich alle Vorwürfe und Reue gewesen wären, wenn der Scherge zu rasch gewesen, den ungerechten Befehl des Königs zu vollstrecken. Ebenso wird es Euch einst in Betreff meiner gehen, wenn Ihr meine Hinrichtung übereilt, wenn die Wahrheit an den Tag kommt, wird Euer Majestät die Ungerechtigkeit bereuen, dann wird es aber zu spät sein." Asad-bacht ließ Bacht-jar, nachdem er ihn aufmerksam angehört hatte, ins Gefängnis zurückführen. |
|
© 1999 - 2004 Copyright by Jürgen Kühnle |
|