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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 495. 496. 497. 498. 499. 500. 501. 502. 503. 504. 505. 506. 507. 508. 509. 510. 511. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
503. NachtDie Vorstellungen seines Wesirs reizten Asad-bachts Empfindlichkeit. "Man hole den Angeklagten her!", sprach er, und als ihn vor sich sah, fuhr er fort: "Wähne nicht mehr, mich mit Deinen Märchen hinzuhalten, und mir Hoffnung zu machen, dass Deine Unschuld noch einst an den Tag kommen werde: Heute noch muss ich durch Deinen Tod allen denjenigen ein warnendes Beispiel geben, welche versucht sein könnten, Deinen Freveltaten nachzuahmen." "Herr," antwortete Bacht-jar, "wenn Euer Majestät mir nur noch einige Worte vergönnen will, so wird der Himmel Euch durch ewige Glückseligkeit für dies Gnade belohnen. Wie, Herr, Ihr, dessen Gegenwart überall Freude und Glück verbreitet, ihr solltet allein durch mich ein Gegenstand des Unwillens und Ärgernisses sein? Durch mich, der ich unschuldig bin, ich schwöre es Euch bei dem Namen Gottes, der alles weiß, und dem nichts verborgen ist." Der König wurde durch diese Worte erschüttert, und Bacht-jar fuhr also fort: "Ich beschwöre Euer Majestät, mir noch einen Aufschub von einigen Tagen zu gewähren, und ich verspreche euch, klar meine Unschuld darzutun. Gewährt mir diese Gnade, und Euer Herz wird sich bald darüber freuen, so wie jener König von Arabien sich freute, der seine Krone und sein Glück der Festigkeit verdankte, mit welcher er seinen Zorn gegen einen Sklaven, der ihn beleidigt hatte, zu mäßigen wusste." "Wer ist dieser König?", fragte Asad-bacht. Worauf Bacht-jar also begann: Geschichte des Prinzen von Sangebar"Es herrschte einst in Arabien ein König, welchen seine Bedrückung, seine Härte und Ungerechtigkeit allen seinen Untertanen verhasst machte. Er hatte unter seinem Sklaven einen Jüngling, der von der Küste von Sangebar entführt worden: Dieser war der Sohn des Königs dieses Landes. Weil er aber Gründe hatte, seine hohe Geburt zu verbergen, so wusste niemand am Hof des Königs von Arabien, dass Abrahah1) ein Prinz war. Abrahah hatte sich die Gunst seines Herrn zu erwerben gewusst. Er begleitete ihn überall hin, und ihm war die Aufsicht über die Waffen des Königs anvertraut. Eines Tages, als sie zusammen auf der Jagd waren, und ein Hirsch hitzig verfolgt wurde, schoss der König mehrere Pfeile ab, ohne ihn zu erreichen. Abrahah, der hinterdrein folgte, schoss auch einen ab, aber er hatte das Ungeschick, das Ohr des Königs zu treffen, von welchem der Pfeil ein Stück mit sich wegriss, so dass das Blut stromweise herabfloss. Sogleich befahl der König von Arabien, nach seiner heftigen Gemütsart, seinem Gefolge, den unglücklichen Sklaven zu ergreifen und ihm den Kopf abzuhauen. "Herr," sprach dieser zu ihm, "Euer Majestät weiß wohl, dass mein Pfeil nicht auf euch gerichtet war, und dass mein Ungeschick allein den Zufall veranlasste, dessen Opfer ich sein soll. Geruht, dieses Versehen zu entschuldigen: Eine gute Handlung findet immer ihren Lohn, und wenn ihr vergebt, so wird euch wieder vergeben." Der König von Arabien hatte Mitleid mit seinem jungen Sklaven, er unterdrückte also seinen Zorn, und widerrief den gegebenen Befehl. Abrahah voller Freuden, dankte seinem Herren für die Gnade, und kehrte mit ihm nach der Stadt zurück. Unterdessen hatte der König von Sangebar, dem man seinen Sohn mit Gewalt entführt hatte, voll Unruhe über sein Verschwinden, lange vergeblich nach allen Seiten Boten ausgeschickt, ihn zu suchen. Endlich vernahm er, dass derselbe gefangen worden und Sklave am Hof des Königs von Arabien wäre. Jedoch hielt er es nicht für rätlich, ihn als seinen Sohn zurückzufordern, indem er mit Grund fürchtete, sein Herr möchte alsdann ein zu hohes Lösegeld für ihn verlangen. Er wähle also einen gewandten und erfahrenen Mann und trug ihm auf, diese Angelegenheit mit aller erforderlichen Vorsicht und Verschwiegenheit zu betreiben. Dieser Mann begab sich, mit seinen Verhaltensregeln und mit allem Geld versehen, dessen er zur Sicherung des Erfolgs seiner Unternehmung bedurfte, nach Arabien. Bei seiner Ankunft an dem Hof des Königs, gelangte er leicht dazu, den jungen Prinzen von Sangebar zu sehen. Er erzählte ihm mit Wärme von seinem Geburtsland und von der Zärtlichkeit seines Vaters. Abrahahs Augen vergossen bei dieser rührenden Schilderung Tränen wie ein Frühlingsregen. Da stand der Abgesandte nicht länger an, ihm den Zweck seiner Sendung zu entdecken, und erklärte ihm, dass er von seinem Vater abgeschickt wäre, um sein Entkommen zu erleichtern. Abrahah ergriff diesen Vorschlag mit Freuden. Sie verabredeten einen Ort, wo sie sich treffen wollten, und am Abend verließen beide, als Kaufleute verkleidet, die Stadt, und in kurzer Zeit hatten sie die Hauptstadt des Königreichs Sangebar erreicht. Sobald der König von der Annäherung seines Sohnes benachrichtigt war, ließ er ihm Truppen entgegen ziehen, ihm den prächtigsten Empfang bereiten, und alles atmete Freude und vergnügen beim Einzug des Prinzen in die Stadt. Aber ganz anders war es am Hof des Königs von Arabien. Als er entdeckte, dass sein Lieblingssklave plötzlich verschwunden, so war es um seine Ruhe geschehen, und er beschäftigte sich nur mit dem Mittel, ihn wieder zu finden. Zu diesem Zweck ließ er ein Schiff wohl ausrüsten und zahlreich bemannen, und wenige Tage nach der Abfahrt des jungen Prinzen, schiffte er sich zu seiner Verfolgung ein. |
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