Max Habicht @ www.Wissen-im-Netz.info
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      Max Habicht
         1001 Nacht

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502. Nacht

"Ich bin nicht der Bruder Eures vorigen Königs, aber wie jener war ich ein Opfer seiner Tyrannei. Als ich, um einen meiner Gefährten zu trösten, zu ihm sagte, dass die Geduld einen Menschen aus der Tiefe eines Brunnens auf einen Thron zu erheben vermag, hörte dies der böse Fürst, und ließ mich zur Strafe meiner Kühnheit, in einen Brunnen werden, der mit dem unterirdischen Gewölbe in Verbindung stand, worin Ihr mich gefunden habt."

"Nunmehr werdet Ihr leicht die verschiedenen Beweggründe meiner Handlungen begreifen:

Der vertriebene König, der in meinen Staaten Zuflucht suchte, war vormals mein Herr. Aus ungerechtem Eigensinn hatte er mich meiner Güter beraubt, mich aus seinem Reich verjagt und gezwungen, in ein fremdes Land zu fliehen. Ich musste also seine Grausamkeit bestrafen, als sich die Gelegenheit dazu darbot.

Die Räuber, welche ich ins Gefängnis werfen ließ, hatten mir meine Kinder entführt, welche ich unter ihnen wieder fand, und diese sind es, die ich begnadigte. Ich konnte jenen also ein so schweres Verbrechen nicht verziehen, und noch weniger meine Söhne bestrafen. Anlangend die Reichtümer, welche ich sie gezwungen habe herauszugeben, so hatten sie dieselben geraubt, und ich hatte volles Recht, sie dazu zu zwingen.

Ihr wart endlich erstaunt, dass ich einem Mann, der sich über die Widerspenstigkeit seiner Frau beklagte, den Kopf abhauen ließ: Aber Ihr müsst wissen, dass diese Frau die meinige ist, und dass er sie mir bei dieser Stadt in meiner Abwesenheit mit Gewalt entführt hat.

Ich glaube also, dass alle meine Handlungen auf Gerechtigkeit und Billigkeit gegründet sind."

Auf diese Rede Abu-Szabers bezeugte die ganze Versammlung durch Freudengeschrei ihre Zufriedenheit und jedermann beeiferte sich, wegen des ungerechten Murrens den weisen König um Verzeihung zu bitten, welcher hierauf lange glücklich lebte, hoch geehrt und geliebt von seiner wieder gefundenen Familie und von seinen durch ihn beglückten Untertanen.

"Ihr seht, Herr," fuhr Bacht-jar fort, "wie nützlich die Geduld, und wie gefährlich die Übereilung ist. Bedenkt, dass der Befehl, welchen ihr jetzt gebt, für immer unwiderruflich ist, und dass es vergebens wäre, wenn ihr später Eures Irrtums und des begangenen Unrechts inne würdet."

Diese Vorstellungen bewogen Asad-bacht, dass er die Hinrichtung Bacht-jars bis morgen verschob.

Am folgenden Tag trat der fünfte Wesir vor den König hin und sprach:

"Herr, der Aufschub, welchen Euer Majestät bei der Bestrafung Bacht-jars zulässt, kann für das Königreich die unseligsten Folgen haben. Aufgemuntert durch das Beispiel seiner Straflosigkeit, hört man schon die Räuber untereinander sprechen: "Wir können jetzt ungestraft alles tun, nachdem ein Mann, der es gewagt hat, in das geheiligte Frauenzimmer des Königs zu dringen, für ein so schweres Verbrechen nicht bestraft worden: Umso weniger werden die Verbrechen, welche wir begehen mögen, bestraft werden. Jeden Tag erzählt der Angeklagte ihm eine Geschichte, wodurch es ihm gelingt, den Augenblick seiner Bestrafung immer weiter hinaus zu schieben. Nun gut, wir wollen ihm auch dergleichen erzählen."

Ü   Þ

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