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498. Nacht

Aber auch bei diesem Fest ließ Behesads Ungeduld ihn an keinem Vergnügen teilnehmen. Er suchte also zu entschlüpfen, und in dem Palast die Zimmer der Prinzessin zu entdecken. Er erkannte endlich den Saal, wohin sie am vorigen Tag war geführt worden, und da er durch das Licht eine Spalte bemerkte, durch welche man hineinschauen konnte, so drückte er seine beiden Augen an dieselbe.

Die Prinzessin Nikarine blickte zufällig nach dieser Seite hin, und bemerkte, dass ein Neugieriger es wagte, sie in ihrem Gemach zu belauschen: Sie befahl einer ihrer Frauen eine kleine eiserne Gabel im Feuer glühend zu machen, und dem Verwegenen zur Strafe seiner Frechheit die Augen zu blenden. Die Magd vollzog den Befehl ihrer Gebieterin, und sogleich sank der unglückliche Behesad geblendet zu Boden und stieß ein grässliches Geschrei aus.

Man lief auf dies Geschrei herbei, aber es war keine Hoffnung mehr vorhanden, ihm das Gesicht zu retten. Der Unglückliche konnte sich nicht einmal über einen Unfall beklagen, welchen er durch seine brennende Ungeduld selber herbeigezogen hatte.

Der Kaiser erklärte nun, dass er seine Tochter niemals einem Blinden geben würde. Der unglückliche Behesad sah sich gezwungen nach Syrien heimzukehren, wo er ohne die so heiß von ihm geliebte leben musste.

Und als sein Vater starb, erklärten seine Untertanen, dass sie keinen blinden König den Thron besteigen ließen. So war Behesad genötigt, seine übrigen Tage in Traue rund Jammer zu verleben, weil er allzu ungeduldig gewesen war, seinen Wunsch zu erreichen.

"Ihr seht hieraus," fuhr der junge Bacht-jar fort, "wie gefährlich es ist, mit allzu großer Eile zu Werke zu gehen. Wenn Behesad die Überweindung gehabt hätte, den folgenden Tag abzuwarten, so wäre er der glücklichste Prinz auf Erden gewesen, und wenn selbst die Prinzessin, welche ihm bestimmt war, sich mehr bedacht hätte, bevor sie den Befehl gab, dessen Opfer ihr Bräutigam wurde, so wäre dieses Unglück nicht geschehen."

Dieses Beispiel schien auf Asad-bacht Eindruck zu machen, welcher die Hinrichtung des jungen Prinzen bis morgen aufschob.

Als am folgenden Morgen der König seinen Thron bestiegen hatte, nahte sich der vierte Wesir, und sprach zu ihm:

"Herr, das Gerücht, welches sich von Bacht-jars Verbrechen überall verbreitet hat, erlaubt nicht, länger die Bestrafung des Schuldigen aufzuschieben. Man verwundert sich über die Langsamkeit, mit welcher Euer Majestät bei der Rache einer so schweren Beleidigung verfährt, wie die von ihm verschuldete ist. Die Ehre des Königs, sowie die Wohlfahrt des Landes, fordert eine schleunige Genugtuung."

Der König ließ Bacht-jar kommen, und sagte ihm, er sei nun entschlossen, ihn hinrichten zu lassen.

"Herr," antwortete der  junge Prinz," geruht, es noch aufzuschieben. Man weiß es sich oft selber Dank, mit einer weisen Langsamkeit gehandelt zu haben, und die Geduld ist manchmal sehr nützlich: Sie ist es, durch welche Abu-Szaber1) aus der Tiefe eines Brunnens auf den Thron stieg."

Geschichte Abu-Szabers, des Geduldigen

"Herr, Abu-Szaber war ein reicher Pächter, welcher den Einwohnern seines Dorfes viel Gutes tat, und bei der Bestellung seiner Ländereien eine große Anzahl Arbeiter beschäftigte, welche er mit der größten Freundlichkeit behandelte, so dass sie ihn anbeteten.

Eines Tages kam einer seiner Schäfer ganz erschrocken heim, und benachrichtigte ihn, man hätte in der Nachbarschaft einen Löwen herumstreichen gesehen, welcher sogar schon einige Schafe zerrissen. In den folgenden Tagen dauerten die Verwüstungen dergestalt fort, dass Abu-Szaber mit dem Verlust seiner ganzen Herde bedroht war.

Ü   Þ


1) Abu-ßaber bedeutet Vater der Geduld. ­

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