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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 476. 477. 478. 479. 480. 481. 482. 483. 484. 485. 486. 487. 488. 489. 490. 491. 492. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
484. NachtMahmud, als König, lebte nun glücklich mit seiner Gattin und seiner Mutter. Er lachte zuweilen über die gutmütige Einfalt seines Schwiegervaters, indem er die unermesslichen Reichtümer betrachtete, welche ihm zu Gebote standen. Eines Tages hatte er sich, nach Gewohnheit seiner Vorgänger, als Derwisch verkleidet, um selber die Runde durch die Stadt, und seine Beobachtung dabei zu machen. Er fühlte das Bedürfnis, etwas zu essen, und um seinen dringenden Hunger zu stillen, trat er bei einem Pastetenbäcker ein. Man führt ihn in ein Gemach hinter dem Laden, das mit tausend Zierraten ausgeschmückt ist. Hier setzt er sich auf ein bereitgelegtes Kissen, und ist im Begriff seine Esslust zu befriedigen: Da versinkt plötzlich das Kissen, und er stürzt in einen tiefen Keller hinab. Hier erblickt er bei dem Licht einer engen Öffnung mehrere Leichname von den früheren Schlachtopfern der Treulosigkeit des Pastetenbäckers, und wird von Schrecken ergriffen. Jedoch verliert er nicht den Kopf. Bald sieht er einen Mann von furchtbarem Anblick herein treten, welcher sein Schwert schwingend, ihm gebietet, sich zum Tod zu bereiten und sein letztes Gebet herzusagen. "Herr," antwortete ihm der Fürst, "ich bin, wie ihr seht, ein armer Derwisch, und habe nichts bei mir, ich versichere es euch. Welchen Gewinn könnt ihr von dem Tod eines armseligen Fakirs haben? Wenn ihr dagegen mir das Leben lassen wollt, so kann ich euch durch eine ausgezeichnete Geschicklichkeit, welche ich besitze, unermessliche Reichtümer verschaffen. Geht und holt mir Seide und Baumwolle von verschiedenen Farben, ich will zeitlebens in diesem Gewölbe bleiben und arbeiten, ihr dürft nur mein Gewirke verkaufen, und ihr werdet daraus einen ungeheuren Gewinn ziehen." Angelockt durch die Gewinnsucht, beeilt sich der Bösewicht dem angeblichen Derwisch das Verlangte zu bringen, mit der Versicherung, wenn er ihn betrüge, ihn durch den grässlichen Tod zu bestrafen. Der Prinz macht sich sogleich ans Werk, und in kurzer Zeit vollendet er einen mit den glänzendsten Blumen durchwirkten Teppich, und spricht nun zu seinem Wirt: "Der Wesir allein ist reich genug, um dir ein so schönes Gewirke zu bezahlen. Gib es nicht unter sechzig Zeckinen weg." Der grimmige Pastetenbäcker ist auf dem Gipfel der Freude, einen solchen Fang getan zu haben, aber diese Freude sollte nur sehr kurz sein. Der Prinz hatte aus den eingewirkten Blumen ein Selam1) zusammengesetzt. Der Spitzbube ging am nächsten Morgen nach dem Palast, und ließ dem Großwesir einen prächtigen Teppich zum Verkauf anbieten. Man führte ihn herein, aber wie groß ist das Erstaunen dieses Ministers, als er in dem dargebotenen Gewirke die Erzählung liest, was dem Sultan begegnet ist, von welchem man bisher keine Kunde gehabt hatte, so dass man seinetwegen in der lebhaftesten Unruhe war. Der Wesir gibt sogleich ein Zeichen, und vier Sklaven stürzen über den erstaunten Handelsmann her. Sein Erstaunen verdoppelt sich, als der Wesir nun das Abenteuer des Sultans kund macht. Man belastet den Betrüger mit Ketten. Das Volk läuft hin, seinen König zu befreien, und schleift das Haus. Der glücklich der Gefahr entronnene Fürst ließ das Ungeheuer strenge bestrafen, von dem er sich so befreit hatte, und erinnerte sich in der Folge noch oft, dass die Kenntnis irgend eines Gewerbes selbst einem König nützlich sein kann, und dass niemand vor Unfällen des Schicksals geborgen ist. Diese Geschichte ergötzte der Sultan sehr, und er bezeugte Scheherasade das Vergnügen, welches ihre Erzählung ihm gewährt hatte, und weil der Tag sich noch nicht zeigte, so begann sie folgendermaßen die Geschichte der zehn Wesire: Geschichte der zehn Wesire"Herr, einer der alten Könige von Seïstan2) beherrschte vormals ein mächtiges Reich, welches zahlreiche Heere verteidigten. Asad-bacht3), so hieß dieser Herrscher, hatte die Besorgung seiner Reichsgeschäfte unter zehn Wesire verteilt, von welchen sich vor allen der tapfere Sipehsalar4) auszeichnete, dessen Heldenmut so berühmt war, dass man allgemein sagte: "Beim Blinken seines Säbels verbirgt sich der erschrockene Mond in den Wolken." Dieser Minister hatte eine Tochter, deren Schönheit den Glanz der Rose überstrahlte. Holdselig wie das Gestirn der Nächte, wenn es aus dem Schoß der Wolken hervorbricht, herrlich wie die Sonne, wenn sie die Welt erleuchtet, war sie der einzige Gegenstand der zärtlichen Sorgfalt ihres Vaters, der nicht einen Augenblick ohne sie leben konnte. 1) Der
Selam ist eine Zusammensetzung aus Blumen, deren man sich im Morgenland zum
Briefwechsel bedient. Über diese so genannten Blumen-Sprache, zu welcher aber
auch mancherlei andere Gegenstände gebraucht werden, auf deren Namen gewisse,
beiden Teilen bekannte Sprüche reimen.
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