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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 415. 416. 417. 418. 419. 420. 421. 422. 423. 424. 425. 426. 427. 428. 429. 430. 431. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
423. Nacht"Herr," - nahm jetzt der vermeintliche Arzt das Wort - "die Nachricht, welche ich soeben von Euer Majestät erhalten habe, gibt mir ein Mittel an die Hand, um die Heilung der Prinzessin zu vollenden. Da sie auf diesem Pferd hierher gekommen, und dieses Pferd bezaubert ist, so hat sie etwas von diesem Zauber angenommen, welches nunmehr bloß durch gewisse Räucherungen, die mir bekannt sind, vertrieben werden kann. Wenn Euer Majestät sich dieses Vergnügen machen und zugleich dem ganzen Hof und den Bewohnern dieser Hauptstadt ein höchst überraschendes Schauspiel geben will, so lasst morgen das Pferd mitten auf dem Platz, der vor eurem Palast ist, stellen, und verlasst euch im übrigen ganz auf mich. Ich verspreche, vor euren Augen und vor der ganzen Versammlung binnen wenigen Augenblicken die Prinzessin von Bengalen so gesund an Geist und Körper zu machen, als sie es nur je in ihrem Leben gewesen ist, und damit die Sache auf eine so glänzende Weise vor sich gehe, als sich gebührt, so wäre es am Besten, wenn die Prinzessin so prächtig als möglich gekleidet und mit den kostbarsten Juwelen Euer Majestät geschmückt erschiene." Der Sultan von Kaschmir würde in der Tat gern noch schwerere Opfer gebracht haben, als die waren, die der Prinz von Persien von ihm verlangte, um zu dem Genuss dessen zu gelangen, was er nun schon so nahe vor sich sah. Den folgenden Tag wurde daher das Zauberpferd auf seinen Befehl aus dem Schatz hervorgeholt und ganz früh auf den großen Platz vor dem Palast aufgestellt. Das Gerücht davon verbreitete sich schnell in der ganzen Stadt, und da diese Vorbereitungen etwas ganz außerordentliches ankündigten, was da vorgehen würde, so lief das Volk haufenweise aus allen Teilen der Stadt herbei. Die Leibwachen des Sultans waren rings aufgestellt, um Unordnungen zu verhüten und um einen großen Raum rings um das Pferd her frei zu erhalten. Der Sultan von Kaschmir erschien gleichfalls, und als er, umgeben von den bedeutendsten Großen und Beamten seines Hofes, auf einer erhöhten Bühne Platz genommen hatte, kam die Prinzessin von Bengalen in Begleitung aller ihrer Frauen, die ihr der Sultan beigegeben hatte, näherte sich dem Zauberpferd und stieg mit Hilfe ihrer Frauen auf dasselbe hinauf. Als sie sich auf dem Sattel festgesetzt, ihre Füße in beide Steigbügel gesteckt und den Zügel in die Hand genommen hatte, ließ der angebliche Arzt mehrere Räucherpfannen voll glühender Kohlen, die er hatte herbeibringen lassen, rings um das Pferd aufstellen, und in die Runde herumgehend warf er in eine jede derselben ein Gemisch des auserlesensten Räucherpulvers. Hierauf schien er ganz in sich gekehrt zu sein, und ging dann mit nieder gesenkten Augen und die Hände auf die Brust gelegt, dreimal um das Pferd im Kreis herum, indem er tat, als murmelte er gewisse Worte vor sich hin, und während nun von den Räucherpfannen insgesamt der dichteste und süß duftendste Rauch aufstieg, und die Prinzessin und das Pferd so einhüllte, dass man sie kaum selber sehen konnte, benutzte er den günstigen Augenblick, schwang sich behände hinter sie aufs Pferd, fasste den Wirbel an und drehte ihn, und während das Pferd sich mit ihnen in die Lüfte erhob, rief er mit lauter Stimme und so deutlich, dass der Sultan es vernehmen konnte, die Worte: "Sultan von Kaschmir, wenn du künftig einmal Prinzessinnen, die deinen Schutz anflehen, heiraten willst, so unterlasse ja nicht, dich zuvor um ihr Jawort zu bewerben!" Auf diese Weise also gelang es dem Prinzen von Persien, die Prinzessin von Bengalen wiederzuerlangen und zu befreien. Er führte sie binnen kurzer Zeit und noch an demselben Tag nach der Hauptstadt Persiens zurück, wo er nicht im Lustschloss, sondern in der Mitte des Palastes vor den Zimmern seines königlichen Vaters abstieg. Der König von Persien verschob nun die Feier der Vermählung seines Sohnes mit der Prinzessin von Bengalen nicht längere Zeit, als gerade zu den Vorkehrungen nötig war, wodurch er die Zeremonie noch glänzender machen und den innigen Anteil, den er selber daran nahm, mehr an den Tag legen wollte. |
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