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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 339. 340. 341. 342. 343. 344. 345. 346. 347. 348. 349. 350. 351. 352. 353. 354. 355. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
347. NachtAladdin verließ augenblicklich die Prinzessin, stieg in den Saal von vierundzwanzig Fenstern hinauf, zog dort aus seinem Busen die Lampe, die er seit jener Gefahr, in die er durch Vernachlässigung derselben geraten, überall bei sich trug, und rieb sie. Sogleich erschien ihm der Geist. "Geist," sagte Aladdin zu ihm, "es fehlt diesem Kuppelgewölbe noch ein Roch-Ei, welches mitten in der Vertiefung desselben aufgehangen sein müsste. Ich befehle dir nun im Namen der Lampe, die ich in der Hand halte, dass du diesem Mangel abhelfest." Kaum hatte Aladdin diese Worte ausgesprochen, als der Geist einen so lauten und entsetzlichen Schrei ausstieß, dass der Saal davon erbebte, und dass Aladdin taumelte, und fast umzufallen in Gefahr war. "Wie, Elender," sagte der Geist in einem Ton zu ihm, der auch dem unerschrockensten Mann Furcht eingeflößt haben würde, "ist es dir nicht genug, dass ich und meine Gefährten aus Rücksicht gegen dich alles mögliche getan haben, dass du mir jetzt, vermöge einer Undankbarkeit, die ihres gleichen nicht hat, befiehlst, dir meinen Vater zu bringen und ihn mitten in dieser Kuppelwölbung aufzuhängen? Dieser Frevel verdiente, dass du nebst deiner Frau und deinem Palast auf der Stelle in Staub und Asche verwandelt würdest. Indessen zu deinem Glück geht dieser Wunsch nicht unmittelbar von dir aus. Du musst nämlich wissen, dass der Bruder des afrikanischen Zauberers, deines Feindes, den du verdientermaßen vertilgt hast, der eigentliche Urheber davon ist. Er befindet sich in deinem Palast, verkleidet in den Anzug der heiligen Frau Fatime, die er ermordet hat, und er ist es, der deiner Frau das verderbliche Verlangen eingab, das du gegen mich geäußert hast. Seine Absicht ist, dich umzubringen. Du magst dich also in Acht nehmen." Mit diesen Worten verschwand er. Aladdin verlor keines von den letzten Worten des Geistes. Er hatte von der heiligen Frau Fatime reden hören, und ihm war nicht unbekannt, auf welche Weise sie, wie vorgegeben wurde, das Kopfweh heilte. Er kehrte demnach in das Zimmer der Prinzessin zurück, und ohne ein Wort von dem, was ihm begegnet war, zu reden, setzte er sich nieder, stütze seine Stirn auf die Hand, und sagt, dass ihn plötzlich ein heftiges Kopfweh befallen habe. Die Prinzessin befahl sogleich die heilige Frau zu rufen, und während sie geholt wurde, erzählte sie Aladdin, bei welcher Gelegenheit sie in den Palast gekommen und wie sie ihr darin ein Zimmer eingeräumt habe. Die falsche Fatime kam. Sobald sie eingetreten war, sagte Aladdin zu ihr: "Komm her, meine gute Mutter, es freut mich euch zu sehen, und dass ihr gerade zu meinem guten Glück hier seid. Ich werde von einem heftigen Kopfschmerz geplagt, der mich soeben befallen hat. Im Vertrauen auf eure Gebete verlange ich von euch Hilfe und hoffe, dass ihr die Wohltat, die ihr so vielen mit dieser Krankheit behafteten erzeigt, mir nicht abschlagen werdet." Mit diesen Worten stand er auf, indem er den Kopf niederdrückte. Die falsche Fatime näherte sich ihm, doch mit der Hand an einen Dolch fassend, den sie unter ihrem Kleid am Gürtel stecken hatte. Aladdin, der ihn immerfort beobachtete, hielt jenem plötzlich die Hand fest noch ehe er den Dolch gezückt hatte, durchbohrte ihm mit seinem Dolch das Herz, und warf ihn auf den Fußboden hin. "Mein teurer Gemahl, was habt ihr getan?", reif die Prinzessin voll Schrecken aus. "Ihr habt ja die heilige Frau umgebracht!" - "Nein, geliebte Prinzessin," erwiderte Aladdin ganz ruhig, "nicht Fatime habe ich getötet, sondern einen Schurken, der mich umgebracht haben würde, wenn ich ihm nicht zuvorgekommen wäre. Dieser Bösewicht, den ihr hier seht," fuhr er fort, indem er ihn enthüllte, "war es, der Fatime ermordete und sich in ihrem Anzug verkleidete, um mich zu erdolchen. Damit ihr es nur wisst, er war ein Bruder des afrikanischen Zauberers, eures Entführers." Aladdin erzählte ihr hierauf, wie er diese einzelnen Umstände erfahren habe, und ließ sodann den Leichnam wegschaffen. Auf diese Art wurde also Aladdin von der Verfolgung der beiden verbrüderten Zauberer befreit. Wenige Jahre nachher starb der Sultan in hohem Alter. Da er keine männlichen Nachkommen hinterließ, so folgte ihm die Prinzessin Badrulbudur, als gesetzmäßige Erbin, auf dem Thron, und teilte ihre Herrschaft mit Aladdin. Sie regierten miteinander lange Jahre, und hinterließen eine berühmte Nachkommenschaft. "Herr," sagte die Sultanin Scheherasade, als sie die Geschichte von der Wunderlampe vollendet hatte, "Euer Majestät wird ohne Zweifel bemerkt haben, dass in der Person des afrikanischen Zauberers ein Mann dargestellt ist, den eine unmäßige Begier ergriffen hat, sich Schätze auf strafbarem Weg zu erwerben, die er auch wirklich entdeckt, doch zu deren Besitz er nie gelangt, weil er sich dessen unwürdig gemacht hat. In Aladdin seht ihr im Gegenteil einen Mann, der sich von niederer Herkunft bis zur Königswürde erhebt, und zwar durch den Gebrauch derselben Schätze, die ihm in die Hände fallen, ohne dass er sie sucht, und bloß in dem Maße, als er sie zu Erreichung seines jedes maligen Zweckes nötig hat. An dem Sultan könnt ihr abnehmen, wie leicht selbst ein guter, gerechter und gütiger Monarch Gefahr läuft, entthront zu werden, wenn er vermöge einer schreienden Ungerechtigkeit und gegen alle Vorschriften der Billigkeit es wagt, aus Übereilung einen Unschuldigen zu verdammen, ohne seine Rechtfertigung zu hören. Endlich werdet ihr die Schandtaten der beiden verbrecherischen Zauberer verabscheuen, wovon der eine sein Leben opfert, um Schätze zu gewinnen, und der andere Leben und Religion zugleich, um einen Frevler, wie er selber, zu rächen, und der gleich jenem die verdiente Strafe seiner Bosheit empfängt." Der Sultan von Indien versicherte seine Gemahlin, die Sultanin Scheherasade, dass ihn die Abenteuer mit der Wunderlampe sehr befriedigt hätten, und dass ihre nächtlichen Erzählungen ihm viel Vergnügen gewährten. Er sah recht gut, dass die Sultanin sehr geschickt eine an die andere knüpfte. Indessen war er gar nicht böse darüber, dass sie ihm dadurch Gelegenheit gab, die Vollziehung seines Schwures, keine Frau länger als eine Nacht zu behalten und sie am folgenden Morgen dann hinrichten zu lassen, in Hinsicht ihrer noch auszusetzen. Er war fast auf nichts so neugierig als darauf, ob er es nicht endlich dahin bringen würde, dass ihr der Stoff ausginge. |
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