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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 237. 238. 239. 240. 241. 242. 243. 244. 245. 246. 247. 248. 249. 250. 251. 252. 253. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
245. NachtFortsetzung der Geschichte des Prinzen AssadAssad war unterdessen stets in dem Loch gefesselt, worin er durch die Gewandtheit des arglistigen Greises versperrt worden. Bostane und Kavame, die Töchter des Alten, misshandelten ihn fortwährend mit derselben Grausamkeit und Unmenschlichkeit. So nahte das große Fest der Feueranbeter heran. Man rüstete das Schiff aus, welches gewöhnlich die Fahrt nach dem Feuerberg machte. Man belud es mit Waren, unter der Leitung eines Hauptmanns, Namens Behram1), eines großen Eiferers für die Religion der Magier. Als es in Bereitschaft war unter Segel zu gehen, ließ Behram auch Assad einschiffen, und zwar in einer halb mit Waren angefüllten Kiste, deren Bretter Öffnungen genug hatten, um die ihm zum Atemholen nötige Luft einzulassen. So ließ er die Kiste in den untersten Schiffsraum hinabsenken. Ehe das Schiff unter Segel ging, wollte der Großwesir Amgiad, Assads Bruder, es untersuchen, weil er Kunde hatte, dass die Feueranbeter jedes Jahr einen Muselmann auf dem Feuerberg zu opfern pflegten, und dass Assad, der vielleicht in ihre Hände gefallen war, wohl zu dieser blutigen Feier bestimmt sein könnte. Er ging also selber hin, ließ alle Matrosen und Reisenden auf das Verdeck treten, während seine Leute das ganze Schiff durchsuchten: Aber Assad wurde nicht gefunden, er war zu gut versteckt. Nach geschehener Durchsuchung verließ das Schiff den Hafen. Als es auf offener See war, befahl Behram den Prinzen Assad aus der Kiste zu ziehen, und ließ ihn an eine Kette legen, um sich seiner zu versichern, aus Furcht, er möchte sich, weil er wohl wusste, dass man ihn opfern wollte, verzweiflungsvoll ins Meer stürzen. Nach einigen Tagen ward der günstige Wind widrig, und zwar auf eine Weise, dass er zum wütendsten Sturm anwuchs. Das Schiff verlor nicht allein ganz seine Richtung, sondern Behram und sein Steuermann wussten auch selbst nicht mehr, wo sie waren, und sie fürchteten jeden Augenblick auf eine Klippe zu stoßen und daran zu scheitern. Als der Sturm am heftigsten war, entdeckten sie Land, und Behram erkannte es für die Gegend, wo der Hafen und die Hauptstadt der Königin Margiane2) lag, und war darüber sehr bestürzt. Denn die Königin Margiane war Muselmann, und tödliche Feindin der Feueranbeter. Nicht allein duldete sie keinen in ihren Staaten, sondern sie erlaubte sogar keinem ihrer Schiffe, darin zu landen. Unterdessen stand es nicht mehr in Behrams Gewalt, den Hafen ihrer Hauptstadt zu vermeiden, wenn er nicht gegen die Küste laufen und daran zerschellen wollte, da sie von furchtbaren Felsen umstarrt war. In dieser äußersten Not ging er mit seinem Steuermann und seinen Matrosen zu Rate. "Kinder," sprach er, "ihr seht die Not, worin wir uns befinden. Wir haben nur zwischen zwei Dingen zu wählen: Entweder müssen wir uns von den Wellen verschlingen lassen, oder uns bei der Königin Margiane retten. Aber ihr unversöhnlicher Hass gegen unsere Religion und alle Bekenner derselben ist euch bekannt. Sie wird nicht verfehlen, sich unsers Schiffes zu bemächtigen und uns alle erbarmungslos umbringen zu lassen. Ich sehe nur ein einziges Mittel, das uns vielleicht retten kann. Ich meine, dass wir den Muselmann, den wir hier an der Kette haben, losmachen und ihn als Sklaven ankleiden. Wenn nun die Königin Margiane mich vor sich kommen lässt und mich nach meinem Gewerbe fragt, so will ich ihr antworten, ich sei ein Sklavenhändler und habe alle schon verkauft, die ich gehabt, bis auf einen, dessen ich mich als Schreiber bediene, weil er lesen und schreiben könne. Sie wird ihn sehen wollen. Da er wohl gebildet und überdies von ihrer Religion ist, so wird sie, von Mitleid gerührt, nicht unterlassen, mir anzumuten, dass ich ihn ihr verkaufe, und sich dafür erbieten, uns in ihrem Hafen zu dulden, bis zum nächsten günstigen Wetter. Wisst ihr etwas Besseres, so sagt es mir, ich werde es gern hören." Der Steuermann und die Matrosen stimmten seinem Vorschlag bei, der auch sogleich ausgeführt wurde ..." Die Sultanin Scheherasade war genötigt, bei diesen letzten Worten stehen zu bleiben, weil der Tag sich schon blicken ließ. Sie nahm dieselbe Erzählung in der folgenden Nacht wieder auf, und sprach zu dem Sultan von Indien: 1)
Behram heißt der persische Mars.
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