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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 229. 230. 231. 232. 233. 234. 235. 236. 237. 238. 239. 240. 241. 242. 243. 244. 245. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
237. Nacht"Herr, das Schiff war nicht minder glücklich bei der Überfahrt mit dem Prinzen nach der Ebenholzinsel, als es bei der Ausfahrt gewesen war, um ihn aus der Stadt der Götzendiener zu holen. Obwohl es schon Nacht war, als der Hauptmann in dem Hafen anlegte, so unterließ er jedoch nicht, sogleich ans Land zu gehen und Kamaralsaman nach dem Palast zu führen, wo er dem König vorgestellt zu werden verlangte. Die Prinzessin Badur, die sich schon in den inneren Palast zurückgezogen hatte, war nicht sobald von seiner Wiederkehr und Kamaralsamans Ankunft benachrichtigt, als sie heraus kam, mit ihm zu sprechen. Zuerst warf sie die Augen auf den Prinzen, ihren Gemahl, um welchen sie seit ihrer Trennung so viele Tränen vergossen hatte, und erkannte ihn sogleich unter seinem schlechten Kleid. Der Prinz dagegen, der vor einem König zitterte, dem er von einer eingebildeten Schuld Rechenschaft geben sollte, hatte nicht einmal einen Gedanken daran, dass es diejenige wäre, die er so sehnlich wieder zu finden wünschte. Hätte die Prinzessin ihrer Neigung folgen dürfen, so wäre sie auf ihn zugestürzt, und hätte sich durch eine Umarmung zu erkennen gegeben, aber sie glaubte, es wäre für sie beide rätlich, noch eine Weile die Rolle des Königs fortzuspielen, bevor sie sich zu erkennen gäbe. Sie begnügte sich also damit, dass sie einem gegenwärtigen Beamten befahl, Sorge für ihn zu tragen, und ihn bis Morgen wohl zu pflegen. Nachdem die Prinzessin Badur für den Prinzen Kamaralsaman gesorgt hatte, belohnte sie auch den wichtigen Dienst, welchen der Schiffshauptmann ihr geleistet hatte: Sie befahl einem anderen Beamten, auf der Stelle hinzugehen und die an seine Waren gelegten Siegel abzunehmen, und entließ ihn mit einem kostbaren Diamant, der ihn für die gemachte Fahrt weit über die Unkosten derselben belohnte. Ja, sie sagte ihm noch, dass er die für die Olivenkrüge bezahlten tausend Goldstücke nur behalten möchte. Sie würde sich schon mit dem von ihm hergeführten Kaufmann abfinden. Endlich begab sie sich wieder in das Zimmer der Prinzessin der Ebenholzinsel, der sie ihre Freude mitteilte, dabei jedoch sie bat, ihr Geheimnis noch zu bewahren, und ihr die Maßregeln vertraute, welche sie für dienlich hielt zu beobachten, bevor sie sich dem Prinzen Kamaralsaman und ihn selber für das zu erkennen gäbe, was er wäre. "Es ist," fügte sie hinzu, "ein so großer Abstand von einem Gärtner zu einem hohen Fürsten, dass es gefährlich wäre, ihn in einem Augenblick aus dem niedrigsten Stand des Volkes zur höchsten Stufe hinüber springen zu lassen, so gerecht es auch wäre." Die Prinzessin der Ebenholzinsel, weit entfernt, treubrüchig zu werden, ging gern in ihren Plan ein, und versicherte ihr, dass sie selber mit größtem Vergnügen alles tun würde, was sie wünschte. Am folgenden Morgen, nachdem die Prinzessin von China, unter dem Namen, Kleid und Ansehen eines Königs der Ebenholzinsel, dafür gesorgt hatte, dass der Prinz Kamaralsaman frühzeitig in ein Bad war geführt worden und das Kleid eines Emirs oder Statthalters angelegt hatte, ließ sie ihn in die Ratsversammlung einführen, wo er durch sein schönes Aussehen und durch das königliche Wesen seiner ganzen Person die Augen aller gegenwärtigen Herren auf sich zog. Die Prinzessin Badur selber war bezaubert, ihn so liebenswürdig wieder zu sehen, wie sie ihn sonst so oft gesehen hatte, und dies ermutigte sie noch mehr, in der vollen Versammlung sein Lob zu erheben. Nachdem er, auf ihren Befehl, seinen Sitz im Range der Emire eingenommen hatte, sprach sie, indem sie sich zu den übrigen Emiren wandte: "Ihr Herren, Kamaralsaman, den ich euch heute zum Genossen gebe, ist der Stelle nicht unwürdig, welche er unter euch einnimmt: Ich kenne ihn hinlänglich von meinen Reisen her, um für ihn Bürge zu sein. Ich kann euch versichern, dass er sich sowohl durch seine Tapferkeit und tausend andere gute Eigenschaften, als durch die Größe seines Geistes, auszeichnen wird." Kamaralsaman war höchst erstaunt, als er den König der Ebenholzinsel, den er weit entfernt war für eine Frau, geschweige für seine geliebte Prinzessin zu halten, sich nennen, und ihn versichern hörte, dass er ihn kenne. Da er gewiss war, dass er nirgendwo mit ihm zusammengekommen, so war er noch erstaunter über die unmäßigen Lobsprüche, welche er hier von ihm empfing. Diese zwar mit vieler Würde ausgesprochenen Lobeserhebungen brachten ihn jedoch nicht außer Fassung. Er empfing sie mit einer Bescheidenheit, die genügend bezeugte, dass er sie verdiente, aber dass sie ihn nicht eitel machten. Er warf sich vor dem Thron des Königs nieder, und indem er sich wieder erhub, sprach er: "Herr, ich habe keine Worte, um Euer Majestät für die große Ehre zu danken, die sie mir erweist. Noch weniger vermag ich es für so viel Güte. Ich werde alles tun, was in meinen Kräften steht, um mich derselben würdig zu machen." Von der Ratsversammlung wurde der Prinz durch einen Beamten in einen Palast geführt, welchen die Prinzessin Badur schon eigens für ihn hatte einrichten lassen. Hier fand er Hausbeamte und Gesinde, seiner Befehle gewärtig, und einen Marstall voll sehr schöner Pferde. Die Prinzessin hatte dafür gesorgt, dass er die Emirswürde auch behaupten könnte, womit er soeben war beehrt worden. Als er in seine Zimmer getreten war, überreichte sein Haushofmeister ihm eine Kasse voll Goldstücke. Je weniger er begreifen konnte, woher dieses große Glück ihm käme, um so mehr war er in Verwunderung darüber. Nimmermehr hatte er einen Gedanken daran, dass die Prinzessin von China die Ursache desselben wäre. Nach Verlauf von zwei oder drei Jahren wollte die Prinzessin Badur dem Prinzen Kamaralsaman noch mehr Zutritt zu ihr geben und zugleich ihn noch mehr auszeichnen, sie begnadigte ihn also mit der Stelle des Großschatzmeisters, die eben erledigt war. Er verwaltete dieses Amt mit der höchsten Strenge, und verpflichtete sich dabei gleichwohl alle Welt, so dass er sich durch seine Gerechtigkeit und Freigebigkeit nicht allein die Freundschaft aller Herren des Hofes erwarb, sondern selbst das Herz des ganzes Volkes gewann. Kamaralsaman wäre der glücklichste aller Menschen gewesen, weil er sich in so hoher Gunst bei einem fremden König sah, die noch täglich zunahm, wenn er nur seine Prinzessin gehabt hätte. Mitten in seinem Glück ließ er nicht ab, sich zu härmen, da er keine Kunde von ihr in einem Land vernahm, durch welches sie, wie es schien, hätte kommen müssen, nachdem sie auf eine für beide so schmerzliche Weise getrennt worden war. Er hätte auf die Spur kommen können, wenn die Prinzessin den Namen Kamaralsaman, welchen sie mit seinem Kleid angenommen, behalten hätte. Aber sie hatte denselben bei ihrer Thronbesteigung abgelegt und zu Ehren des alten Königs, ihres Schwähers, den Namen Armanos angenommen. Solchergestalt kannte man sie nicht anders, als unter dem Namen Königs Armanos des Jüngern. Nur einige Hofleute erinnerten sich noch des Namens Kamaralsaman, wie sie sich bei ihrer Ankunft auf der Ebenholzinsel nennen ließ. Kamaralsaman war noch nicht vertraut genug mit ihnen geworden, um dieses zu wissen, aber endlich konnte er es wohl erfahren. Da nun die Prinzessin Badur fürchtete, dass dies geschähe, aber wünschte, dass Kamaralsaman ihre wieder Erkennung nur ihr allein verdanken sollte, so beschloss sie, ihrer eigenen Qual und zugleich den Leiden Kamaralsamans ein Ende zu machen. Denn sie hatte bemerkt, so oft sie sich von seinen Amtsgeschäften mit ihm unterhielt, dass er von Zeit zu Zeit Seufzer ausstieß, die nur ihr gelten konnten. Und sie selber lebte in einem Zwang, von welchem sie sich nunmehr befreien wollte. Die Freundschaft der Großen, die Gunst und die Liebe des Volks, alles trug übrigens dazu bei, sie der Krone der Ebenholzinsel ohne Hindernis zu versichern. Sobald die Prinzessin Badur, im Einverständnis mit der Prinzessin Haïat-al-nefus, diesen Entschluss gefasst hatte, zog sie den Prinzen Kamaralsaman beiseite, und sprach zu ihm: "Kamaralsaman, ich habe mit euch von einer weitläufigen Angelegenheit zu reden, in welcher ich eures Rates bedarf. Da ich es nicht bequemer zu tun weiß, als bei der Nacht, so kommt diesen Abend her, und bestellt zu Hause, dass man nicht auf euch warte: Ich werde euch ein Bett besorgen." Kamaralsaman verfehlte nicht, sich zu der von der Prinzessin Badur ihm bestimmten Stunde in dem Palast einzufinden. Sie nahm ihn mit sich in die inneren Gemächer. Nachdem sie dem Oberhaupt der Verschnittenen, der sich anschickte, ihr zu folgen, angedeutet hatte, dass sie seiner Dienste nicht weiter bedürfte und er nur die Türe verschlossen halten sollte, so führte sie den Prinzen in ein anderes Zimmer, als das, wo sie mit der Prinzessin Haïat-al-nefus zu schlafen pflegte. Als der Prinz und die Prinzessin in diesem Gemach waren, wo ein Bett stand, und die Tür verschlossen war, zog die Prinzessin aus einer kleinen Büchse einen Talisman, zeigte ihn Kamaralsaman, und sprach dabei zu ihm: "Unlängst hat ein Sterndeuter mir diesen Talisman zum Geschenk gemacht: Da ihr nun bewandert in allen Dingen seid, so könnt ihr mir wohl sagen, welche Kraft er hat." Kamaralsaman nahm den Talisman, und näherte sich damit einer Kerze, um ihn zu betrachten. Mit einer Überraschung, welche die Prinzessin höchlich erfreute, erkannte er ihn alsbald, und rief aus: "Herr, Euer Majestät fragt mich, welche Kraft dieser Talisman hat? Ach! Er hat die Kraft, mich durch Schmerz und Kummer zu töten, wenn ich nicht bald die liebenswürdigste Prinzessin, die je unter der Sonne erschienen ist, wieder finde, der er gehört und deren Verlust er mir verursacht hat! Dies ist ein seltsames Abenteuer, dessen Erzählung Euer Majestät zum Mitleid mit einem unglücklichen Gatten und Liebenden bewegen würde, wenn sie Geduld haben wollte, dasselbe anzuhören." "Ihr sollt es mir ein andermal erzählen," erwiderte die Prinzessin, "aber ich freue mich, euch sagen zu können, dass ich schon etwas davon weiß: Ich komme gleich wieder zu euch, erwartet mich nur einen Augenblick." Mit diesen Worten trat die Prinzessin Badur in ein Seitengemach, wo sie den königlichen Turban ablegte, und nachdem sie eilig einen anderen Hauptschmuck und ein Frauenkleid angelegt hatte, nebst dem Gürtel, welchen sie am Tag ihrer Trennung trug, kam sie in das Zimmer zurück. Der Prinz Kamaralsaman erkannte sogleich seine teure Prinzessin, lief auf sie zu, und umarmte sie zärtlich, mit dem Ausruf: "Ach, wie danke ich dem König für diese wonnevolle Überraschung!" "Erwarte nicht, den König wieder zu sehen," antwortete die Prinzessin, indem sie seine Umarmung mit Tränen im Auge erwiderte: "In mir siehst du ihn selber. Setzen wir uns, damit ich dir dies Rätsel löse." Hierauf erzählte die Prinzessin dem Prinzen, welchen Entschluss sie auf der Wiese, wo sie zuletzt ihr Lager aufgeschlagen, gefasst hatte, nachdem sie eingesehen, dass sie ihn vergeblich erwartete. Sie berichtete ihm, auf welche Weise sie denselben bis zu ihrer Ankunft auf der Ebenholzinsel ausgeführt, wo sie genötigt worden, Haïat-al-nefus zu heiraten und die Krone anzunehmen, welche der König Armanos ihr in Folge dieser Vermählung dargeboten, wie die Prinzessin, deren Vorzüge sie erhub, die Entdeckung ihres Geschlechts aufgenommen, und endlich das Abenteuer, wie sie in einem der gekauften Krüge voll Oliven und Goldstaub ihren Talisman wieder gefunden, der ihr ein Mittel gewährt hätte, ihn aus der Stadt der Götzendiener entführen zu lassen. Als die Prinzessin Badur geendigt hatte, sollte der Prinz ihr auch erzählen, durch welches Abenteuer der Talisman die Ursache ihrer Trennung gewesen wäre. Er tat es, und am Schluss beklagte er sich auf liebevolle Weise über ihre Grausamkeit, ihn so lange schmachten zu lassen. Sie teilte ihm die Gründe mit, die wir schon wissen, worauf sie, da es schon sehr spät war, sich zu Bette legten ..." Scheherasade brach mit diesen letzten Worten ab, weil sie den Tag anbrechen sah. In der folgenden Nacht fuhr sie fort, und sprach zu dem Sultan von Indien: |
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