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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 223. 224. 225. 226. 227. 228. 229. 230. 231. 232. 233. 234. 235. 236. 237. 238. 239. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
231. Nacht"Herr, der Prinz Kamaralsaman, durch Marsawan von allem unterrichtet, was er tun sollte, und mit allem versehen, was zu einem Sterndeuter und dessen Kleidung gehörte, ging bis an das Tor des Palastes des Königs von China. Hier stand er still und rief, in Gegenwart der Wache und der Türhüter, mit lauter Stimme aus: "Ich bin ein Sterndeuter, und komme zur Heilung der erhabenen Prinzessin Badur, Tochter des großmächtigen Herrschers Ghaïur, Königs von China, unter den von Seiner Majestät bestimmten Bedingungen, nämlich, sie zu heiraten, wenn es mir gelingt, oder das Leben zu verlieren, wenn es mir misslingt." Außer der Wache und den Türhütern des Königs, versammelte diese Neuigkeit auch in einem Augenblick eine unzählige Volksmenge um den Prinzen Kamaralsaman. Denn es war schon lange Zeit vergangen, dass sich weder Arzt, noch Sterndeuter, noch Zauberer gemeldet hatten, nachdem so viele in dieser Unternehmung verunglückt waren, und durch ihr tragisches Beispiel abschreckten. Man glaubte, es gäbe nicht mehr dergleichen Leute in der Welt, oder doch nicht so törichte. Bei dem guten Aussehen des Prinzen, seinem edlen Anstand, und der großen Jugend, die sein Antlitz verriet, war keiner, dessen Mitleid er nicht erregte. "Wo denkt ihr hin, Herr?", sagten die ihm zunächst stehenden zu ihm. "Welche Raserei treibt euch, ein Leben, das so schöne Hoffnungen verheißt, einem gewissen Tode auszusetzen? Die abgehauenen Häupter, die ihr über den Toren gesehen, haben sie euch nicht abgeschreckt? Um Gottes willen gebt diesen verzweifelten Vorsatz auf, und entfernt euch." Der Prinz Kamaralsaman blieb standhaft bei allen diesen Vorstellungen und als er niemand kommen sah, ihn hinein zu führen, so wiederholte er, anstatt auf diese Ermahnung zu achten, denselben Ausruf, mit einer Zuversicht, die alle mit Grauen erfüllte und alle riefen nun aus: "Er ist entschlossen zu sterben: Gott erbarme sich seiner Jugend und seiner Seele!" Er rief mit lauter Stimme zum dritten Male, und endlich kam der Großwesir selber im Namen des Königs von China. Dieser Minister führte Kamaralsaman vor den König. Sobald der Prinz diesen, auf seinem Thron sitzend, erblickte, warf er sich nieder und küsste den Boden vor ihm. Der König, der unter allen, deren übermäßiger Ehrgeiz ihre Häupter zu seinen Füßen brachte, noch keinen seiner Aufmerksamkeit würdig befunden, hatte ein wahrhaftes Mitleid mit Kamaralsaman. Er erzeigte ihm auch mehr Ehre, ließ ihn näher treten und sich neben ihm setzen: "Jüngling," sagte er zu ihm, "ich kann kaum glauben, dass du in deinem Alter dir schon Erfahrung genug erworben habest, um es zu wagen, die Heilung meiner Tochter zu unternehmen. Ich wünschte, dass es dir gelänge, und würde sie dir nicht allein ohne Widerwillen, sondern sogar mit der größten Freude von der Welt zur Gemahlin geben, anstatt, dass ich sie einem jeglichen von denen, die vor dir hergekommen sind, nur mit großem Missvergnügen gegeben hätte. Aber ich erkläre dir mit großem Schmerz, dass, wenn es dir fehlschlägt, deine große Jugend und dein edles Wesen mich doch nicht abhalten sollen, dir den Kopf abhauen zu lassen." "Herr," erwiderte Kamaralsaman, "ich danke Euer Majestät unendlich für die mir erwiesene Ehre und für so viel Güte gegen einen Unbekannten. Ich bin aber aus einem so weit entlegenen Lande, dass vielleicht sein Name nicht einmal in eurem Reich bekannt ist, nicht gekommen, um die Absicht, die mich hergebracht hat, unausgeführt zu lassen. Was würde man von meinem Leichtsinn sagen, wenn ich, nach so viel überstandenen Mühseligkeiten und Gefahren, ein so ruhmwürdiges Unternehmen aufgebe? Würde Euer Majestät selber nicht die Achtung verlieren, die sie jetzt für mich gefasst hat? Wenn ich sterben muss, Herr, so sterbe ich doch mit der Genugtuung, diese mir erworbene Achtung nicht wieder verloren zu haben. Ich flehe euch also, lasst mich nicht länger in der Ungeduld, die Sicherheit meiner Kunst durch einen Beweis darzutun, den ich bereit bin, davon abzulegen." Der König von China befahl nun dem die Prinzessin Badur bewachenden Verschnittenen, der gegenwärtig war, den Prinzen Kamaralsaman zu der Prinzessin, seiner Tochter, zu führen. Bevor er ihn weggehen ließ, sagte er ihm, dass es ihm noch freistünde, die Unternehmung aufzugeben. Aber der Prinz hörte nicht darauf, sondern folgte dem Verschnittenen mit einer erstaunlichen Entschlossenheit oder vielmehr Hitze. Der Verschnittene führte den Prinzen Kamaralsaman hin. Als sie in eine lange Galerie kamen, an deren Ende das Gemach der Prinzessin war, und der Prinz sich derjenigen so nahe sah, die ihm so viel Tränen gekostet, und nach welcher er so lange unaufhörlich geseufzt hatte, da beschleunigte er seine Schritte, und eilte dem Verschnittenen zuvor. Der Verschnittene eilte ihm nach, und konnte ihn kaum wieder einholen. "Wo lauft ihr denn so eilig hin?", sprach er zu ihm, indem er ihn beim Arm festhielt. "Ihr könnt doch ohne mich nicht hinein. Ihr müsst wohl große Lust zu sterben haben, da ihr so eilig in den Tod rennt. Nicht einer von so vielen Sterndeutern, die ich hier gesehen und dahin geführt habe, wo ihr nur zu früh hinkommen werdet, hat eine solche Eile bezeigt." Der Prinz Kamaralsaman sah den Verschnittenen an, und sprach folgende Verse aus, indem er seine Gedanken auf die Prinzessin Badur richtete: "Ich kenne alle deine Schönheiten, sie haben mich
fast des Verstandes beraubt, und ganz bezaubert, und ich weiß nicht, was ich
sagen soll. "Mein Freund," fuhr der Prinz fort, indem er sich zu dem Verschnittenen wandte, und in seinem Schritt fort ging, "Die Sterndeuter, von denen du redest, waren ihrer Kunst nicht gewiss, wie ich es der meinigen bin. Sie wussten wohl mit Gewissheit, dass sie das Leben verlieren würden, wenn es ihnen misslänge, aber nicht, dass es ihnen gelingen würde. Deshalb hatten sie Ursache zu zittern, indem sie dem Orte nahten, wohin ich jetzt gehe, und wo ich gewiss bin, mein Glück zu finden." Bei diesen Worten erreichten sie die Türe. Der Verschnittene öffnete sie, und führte den Prinzen in einen großen Saal, von wo man in das Zimmer der Prinzessin trat, welches nur durch einen Türvorhang geschlossen war. Der Prinz Kamaralsaman stand hier, bevor er eintrat, noch still, und indem er etwas leiser sprach, als bisher, damit er im Zimmer der Prinzessin nicht gehört würde, sagte er zu dem Verschnittenen: "Um dich zu überzeugen, dass weder Anmaßung, noch Eigensinn, noch jugendliche Hitze bei meinem Unternehmen obwalten, so lasse ich dir die Wahl: Willst du lieber, dass ich die Prinzessin in deiner Gegenwart heile, oder von hier aus, ohne weiter zu gehen und ohne sie zu sehen?" Der Verschnittene war höchst erstaunt über die Zuversicht, mit welcher der Prinz zu ihm sprach. Er hörte auf, ihn zu verspotten, und sagte ernsthaft zu ihm: "Es ist gleichviel, ob hier oder dort. Auf welche Weise es auch geschehe, ihr werdet euch einen unsterblichen Ruhm erwerben, nicht allein an diesem Hof, sondern sogar auf der ganzen bewohnten Erde." "Es ist also besser," fuhr der Prinz fort, "wenn ich die Prinzessin heile, ohne sie zu sehen, damit du von meiner Geschicklichkeit Zeugnis ablegst. Wie groß auch meine Ungeduld ist, eine so erhabene Prinzessin zu sehen, die mir zur Gemahlin bestimmt ist, dennoch weil ich um deinetwillen mich noch einige Augenblicke dieses Vergnügens berauben." Da er mit allem versehen war, was zu einem Sterndeuter gehört, zog er sein Schreibzeug hervor, und schrieb folgenden Brief an die Prinzessin von China: Brief des Prinzen Kamaralsaman an die Prinzessin Badur"Gegenwärtig ist der Brief eines Menschen, den Unglück verfolgt, den unglückliche Liebe verzehrt, den Trostlosigkeit und Kummer vor Sehnsucht vernichtet: Am Leben möchte er verzweifeln und den Tod für gewiss halten! Für sein betrübtes Herz ist keine Hilfe, wegen des all zu großen Grams, und für sein stets wachendes Auge ist kein Ruhe, wegen des übergroßen Kummers. Den Tag über ist er in Flammen, während der Nacht in Qualen. Sein Unglück flößt ihm folgende Worte ein: Ich schreibe dir mit einem Herzen, welches von deinem
Andenken schmerzlich erfüllt ist, und mit Augen, welche die Sehnsucht
ausgetrocknet hat, denn sonst würden sie weinen können. Unter diesen Brief schrieb er noch Folgendes: "Heilung der Herzen ist nur bei Wiedervereinigung der Geliebten, und die schrecklichste der Qualen ist die Trennung der Liebenden. Wer seinen Geliebten hintergeht, von dem wird Gott Rechenschaft fordern. Wer von uns beiden sein Gelübde nicht hält, möge der nie seine Wünsche erreichen! - Von dem erhältst du diesen Brief, der sich nicht zu nennen braucht, um erkannt zu werden. An die Schönste und Lieblichste der Mädchen ist er gerichtet, vom treuen Liebenden an die Perle der Jungfrauen. Ihr sende ich einen Gruß. Ihr wünsche ich Heil und Segen aus den unerschöpflichen Quellen der Wohltaten Gottes. Ihr, bei der mein Herz und meine Seele ist!" Von außen schrieb er auf diesen Brief noch folgende Verse: "Forsche in meinem Brief und in meinen Schriftzügen
nach. Sie werden dich von meinem Zustand und meinen Leiden benachrichtigen. Als der Prinz Kamaralsaman den Brief vollende hatte, machte er daraus ein Päckchen mit dem Ring der Prinzessin, welchen er darin wickelte, ohne den Verschnittenen sehen zu lassen, was es wäre, und indem er es ihm übergab, sagte er zu ihm: "Hier, Freund, nimm dies Päckchen und bringe es deiner Gebieterin. Wenn sie nicht augenblicklich geheilt ist, sobald sie diesen Brief gelesen, und gesehen hat, was darin liegt, so erlaube ich dir, öffentlich kund zu machen, dass ich der nichtswürdigste und unverschämteste aller Sterndeuter bin, die je gewesen sind, noch sind, und sein werden ..." Der Tag, den die Sultanin Scheherasade bei diesen Worten anbrechen sah, nötigte sie, hier stehen zu bleiben. Sie fuhr in der folgenden Nacht fort, und sprach zu dem Sultan von Indien: 1)
Badûr ist die Mehrzahl von Beder, und bedeutet Vollmond.
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